Soziale Medien, Influencer und Schönheitsoperationen

Soziale Medien und geringes Selbstmitgefühl als Ursache für den Anstieg bei Schönheitsoperationen

Soziale Medien, Influencer und Schönheitsoperationen

26.09.2023 Als Kylie Jenner bekannt gab, dass ihr ausgeprägter Schmollmund („Schlauchbootlippen“) das Ergebnis von Lippenfillern war, stieg das Interesse an diesem kosmetischen Schönheitseingriff deutlich an und die Akzeptanz nahm zu. Das ist die Macht der sozialen Medien.

Aber warum sind die sozialen Medien und ihre Influencer so verführerisch, und was beeinflusst die Einstellung junger Frauen zur Schönheitschirurgie?

In einer neuen im Journal of Technology in Behavioral Science veröffentlichten Studie der University of South Australia sind Forscher genau dieser Frage nachgegangen und haben festgestellt, dass junge Frauen, die sich regelmäßig in den sozialen Medien bewegen, eine übermäßige Selbstbewertung (Selbstverurteilung) vornehmen und eher eine Schönheitsoperation in Betracht ziehen.

Kosmetische Eingriffe werden immer beliebter

In der Studie mit 238 jungen australischen Frauen (im Alter von 18 bis 29 Jahren) wurde auch festgestellt, dass 16 % der Frauen bereits kosmetische Eingriffe vorgenommen haben und dass mehr als die Hälfte (54 %) dies in Zukunft in Erwägung ziehen würden. Nur 31 % gaben an, dass sie keine Schönheitsoperationen durchführen lassen würden.

Kosmetische Eingriffe werden immer beliebter, um das Aussehen einer Person zu verändern. Von 2010 bis 2018 hat sich die Zahl der kosmetischen Eingriffe und Operationen von 117.000 auf mehr als 225.000 fast verdoppelt. Heute ziehen fast sieben Millionen Australier (38 % der erwachsenen Bevölkerung) eine kosmetische Operation in den nächsten 10 Jahren in Betracht.

Laut der UniSA-Forscherin und Doktorandin Lauren Conboy unterstreicht die Studie die tiefgreifenden und besorgniserregenden Auswirkungen von sozialen Netzwerken auf die Körperwahrnehmung junger Frauen und ihre Einstellung zu Schönheitsoperationen.

Die Verbreitung von Körperunzufriedenheit unter jungen Frauen ist seit langem ein allgegenwärtiges Problem, da die sozialen Medien unerreichbare Schönheitsstandards fördern, sagt Conboy.

„In Australien gehören junge Erwachsene zu den größten Nutzern von sozialen Netzwerken, so dass sie stark mit unrealistischen Körperidealen konfrontiert sind. Es überrascht nicht, dass die zunehmende Nutzung sozialer Medien mit einem Anstieg der Zahl junger Frauen einhergeht, die sich einer Schönheitsoperation unterziehen.“

Selbstmitgefühl

„In dieser Studie haben wir untersucht, wie Selbstmitgefühl diese Beziehung verändern könnte. Wir wollen verstehen, was wir tun können, um ein positives psychosoziales Wohlbefinden zu beeinflussen.“

„Bei Selbstmitgefühl geht es darum, Fehler mit Gelassenheit zu akzeptieren. Wenn wir positives Selbstmitgefühl haben, sind wir gütiger und verständnisvoller uns selbst gegenüber; wenn wir jedoch ein negatives Selbstmitgefühl haben, neigen wir dazu, unsere Schwächen zu überschätzen und zu kritisieren.“

„Unsere Studie ergab, dass kosmetische Eingriffe bei jungen Frauen auf große Akzeptanz stoßen und dass eine stärkere Nutzung sozialer Medien mit einer höheren Akzeptanz kosmetischer Eingriffe korreliert.

Außerdem wiese junge Frauen eher ein schlechtes Selbstwertgefühl auf, wenn sie sich mit persönlichen Merkmalen überidentifizieren, die sie für unattraktiv halten. Und auch wenn sie sich dessen bewusst sind, scheinen sie sich nicht von diesen negativen Gedanken lösen zu können. Die Überidentifizierung war der wichtigste Prädiktor für eine positive Einstellung zur Schönheitschirurgie.

Unzufriedenheit trotz kosmetischer Eingriffe

Koautor Dr. John Mingoia sagt, dass mehr getan werden muss, um junge Frauen davor zu bewahren, unrealistische und potenziell schädliche Körperbilder anzustreben, wie sie in den sozialen Medien und von den sogenannten Influencern dargestellt werden.

Social-Networking-Sites sind für junge Frauen eindeutig eine weit verbreitete Form des Vergleichs und der Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper; aufgrund ihrer extremen Popularität bieten sie jedoch eine geeignete Plattform, um Botschaften zu verbreiten, die potenziell schädlichen, auf das Aussehen bezogenen Inhalten entgegenwirken können, sagt Mingoia.

„Untersuchungen zeigen, dass selbst nach einem kosmetischen Eingriff weniger als 40 % der Frauen mit ihrem Körper zufrieden sind.“

„Kliniker müssen die psychosoziale Sicherheit junger Frauen, die möglicherweise durch die Darstellungen von Schönheit in den Medien beeinflusst werden, prüfen und bestätigen, bevor sie sich unters Messer legen dürfen“.

„Wenn junge Frauen weiterhin kosmetische Eingriffe vornehmen lassen, ohne die zugrundeliegenden Bedenken bezüglich ihres Selbstbewusstseins anzusprechen, werden sie sich möglicherweise nie in ihrem eigenen Körper wohlfühlen.“

© Psylex.de – Quellenangabe: J. technol. behav. sci. (2023). https://doi.org/10.1007/s41347-023-00334-1

News zu: Soziale Medien, Influencer und Schönheitsoperationen

Auswirkungen der Anpreisung kosmetischer Eingriffe durch (verantwortungslose) Influencer und soziale Medien auf Entscheidungsfindung und Körperbild der Verbraucher

Soziale Medien, Influencer und Schönheitsoperationen

03.12.2022 Influencer in den sozialen Medien tragen dazu bei, dass sich immer mehr Menschen kosmetischen Eingriffen unterziehen, um ihr Aussehen zu verbessern laut einer im Journal of Services Marketing veröffentlichten Studie.

Instagram-Influencer, die sich Eingriffen wie Botox, Lippen- und Gesichtsauffüllungen unterzogen haben, werben in der Regel mit den Vorteilen der Verschönerungen, ohne die Nachteile zu nennen, so die Studie.

Influencer und Gesichtsfilter

Die Teilnehmer der Studie wurden zu ihrer Nutzung von Instagram und Gesichtsfiltern – Software, die die Form eines Gesichts auf dem Bildschirm manipuliert – befragt, die sie bei ihrer Entscheidung zu kosmetischen Eingriffen beeinflussen.

Die Studie ergab, dass alle Teilnehmer sich bei Instagram-Influencern über kosmetische Eingriffe informierten.

Die Geschichten der Influencer über die Verwandlung ihres Körpers waren ausschlaggebend dafür, dass die Teilnehmer nach Informationen und Empfehlungen über kosmetische Behandlungen suchten, so die Forscher.

Die Befragten fanden Influencer sympathischer als Prominente, da sie Nachweise der Verfahren an echten Menschen sehen konnten.

Die Forscher analysierten auch zusätzliche Datenquellen, wie die Verwendung von Hashtags wie #dermafillers #botox und #lipfillers, um zu verstehen, wie Instagram Schönheitsideale formt.

Soziale Plattformen

Die Wissenschaftler untersuchten auch den Einfluss von Gesichtsfiltern auf sozialen Plattformen, die mithilfe von Augmented Reality (AR) potenzielle Operationsmöglichkeiten auf Selfies einblenden.

Die Studie ergab, dass digitale Verschönerungsfilter Verbraucher zu kosmetischen Eingriffen bewegen könnten, in der Hoffnung, die digital verbesserten Versionen ihrer selbst zum Leben zu erwecken.

Die Daten zeigen, dass Influencer oft nicht auf die Risiken von kosmetischen Eingriffen hinweisen, wenn sie die „Verschönerungen“ als eine andere Art von Schönheitsbehandlung darstellen, wie z. B. eine Maniküre oder Haarverlängerung.

Experten sind der Meinung, dass die Studie Licht in die Schattenseiten der sozialen Medien und der körperverschönernden Technologien bringt: Instagram kann die Risiken kosmetischer Eingriffe verharmlosen, und die AR-Technologie fördert unrealistische Schönheitsstandards.

„Die Studie fand heraus, dass kosmetische Eingriffe in den sozialen Medien tendenziell als mühelos und normal dargestellt werden – so sind zum Beispiel kosmetische Auffüllungen genauso normal wie eine Maniküre. Zusammen mit den Daten über die Auswirkungen von Gesichtsfiltern und Apps zur digitalen Verschönerung hilft uns dies, die Auswirkungen von bildbasierten Plattformen wie Instagram auf die Entscheidungsfindung der Verbraucher zu verstehen. Und, was noch alarmierender ist, auf unser Körperbild„, sagt Studienautorin Dr. Victoria Rodner von der University of Edinburgh Business School.

© Psylex.de – Quellenangabe: Journal of Services MarketingDOI: 10.1108/JSM-12-2020-0506

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