Anorexie vs./und Adipositas

Anorexie, Magersucht, Anorexia Nervosa:
vs. Adipositas, Fettleibigkeit

Psychische Störungen – Gestörtes Essverhalten

Warum wird eine Person anorektisch und eine andere übergewichtig, adipös?

Warum wird eine Person anorektisch und eine andere übergewichtig, adipös? Das Gehirn soll dafür verantwortlich sein.

Unterschiede im Gehirn: Frauen mit Anorexie vs. Adipositas

Eine Studie, vor kurzem von Forschern der Universität von Colorado School of Medicine herausgegeben, sagt, dass Belohnungzentren im Gehirn bei Frauen mit Anorexie sensibilisiert und bei übergewichtigen Frauen desensibilisiert sind. Die Befunde sagen auch, dass das Essverhalten mit der Dopaminübermittlung im Gehirn (mit Süchten verbunden) zusammenhängt.

Dr. Guido Frank, Dozent des Developmental Brain Research Programs der CU School of Medicine, und seine Kollegen verwendeten funktionelle Kernspintomographie (fMRT), um die Gehirnaktivität bei 63 Frauen zu untersuchen, die Anorexie hatten oder fettleibig waren. Die Wissenschaftler verglichen ihre Ergebnisse mit normalgewichtigen Frauen.

Laut den Forschern wurden die Frauen visuell konditioniert, bestimmte Formen entweder mit einer süßen oder einer nicht-süßen Lösung zu verbinden, und erhielten die Geschmackslösung erwartungsgemäß oder unerwartet. Diese Aufgabe konnte mit der Dopaminfunktion in der Vergangenheit verbunden werden, erklärten die Forscher.

Belohnungssystem reagiert anders

Die Wissenschaftler stellten fest, dass eine unerwartet süß schmeckende Lösung zu gesteigerter neuraler Aktivierung des Belohnungssystems bei den Anorexie-Patientinnen und verminderter Aktivierung bei adipösen Frauen führte.

Bei Nagetieren konnten Nahrungseinschränkung und Gewichtsverlust mit größeren dopamingebundenen Belohnungsreaktionen im Gehirn verbunden werden, bemerkten die Forscher.

Es ist eindeutig, dass bei Menschen das Belohnungssystem des Gehirns hilft, die Nahrungsaufnahme zu regulieren, sagte Frank. Die besondere Rolle dieser Netzwerke bei Essstörungen, wie Anorexie und – im Gegensatz dazu – Adipositas, Fettleibigkeit, bleiben unklar.

Anmerkung: Natürlich klärt diese Studie nicht, ob die Veränderung die Essstörung ausgelöst hat oder umgekehrt.
Quelle: Neuropsychopharmacology. Mai 2012

Adipöse und magersüchtige Menschen: Anomalien bei Geschmackswahrnehmung

19.05.2016 Eine in der Zeitschrift Journal of Eating Disorders publizierte Studie der University of Colorado hat entdeckt, dass magersüchtige (anorektische) und adipöse Frauen den Geschmack von Zucker anders wahrnehmen, was zu neuen Behandlungen für Essstörungen führen könnte.

essen
Bild: Volker Pietzonka

Motivator für die Nahrungsaufnahme

Geschmack ist ein wichtiger Motivator für die Nahrungsaufnahme und unveränderlich mit verschiedenen neuronalen Mustern in der Insula – dem primären Geschmackscortex des Gehirns – verbunden, sagte Studienleiter Dr. Guido Frank.

Frank und sein Team versuchten herauszufinden, ob anomale Essmuster mit Veränderungen in der Fähigkeit der Insula verbunden sind, Geschmacksreize einzuordnen.

Anomalie der Insula

Etwa 106 Frauen tranken – während sie sich im MRT-Scanner befanden – entweder Zuckerwasser oder eine geschmacklose Wasserlösung. Die Forscher untersuchten, wie gut die Insula geschmacklich differenzieren konnte.

Frauen mit Anorexie oder starkem Übergewicht hatten Probleme zwischen gewöhnlichem Wasser und Zuckerwasser zu unterscheiden – im Vergleich zu den Kontrollteilnehmerinnen und denjenigen Versuchsteilnehmerinnen, die sich von ihrer Magersucht erholt hatten.

„Wenn Sie nicht zwischen Geschmacksrichtungen unterscheiden können, wird dies einen Einfluss darauf haben, wie viel Sie essen“, sagte Frank. Das kann auch die Belohnungszentren im Gehirn aktivieren oder nicht aktivieren, sagte er.

Diese Änderungen können auf unterschiedlichen Ebenen auftreten. Zum Beispiel werden Leptin und andere Hormone bei Übergewicht und Essstörungen verändert, und beeinflussen, wie das Gehirn auf das Essen reagiert.

Die reduzierte Fähigkeit der Insula den Geschmack einzuordnen, könnte aufgrund von Strukturveränderungen innerhalb dieser Gehirnregion geschehen oder alternativ auf veränderte Geschmackssignale unterschiedlicher Pfade zur Insula beruhen.

Behandlungsoptionen

Die Befunde zeigen, dass sich diese Probleme verringern, sobald ein gesundes Gewicht erreicht wird.
Weitere Forschung ist erforderlich, sagte Frank, doch eine mögliche Behandlung könnte sein, den Geschmack des Essens zu verändern.

Vielleicht könnte es helfen, die Geschmacksintensität zu regulieren: Den Geschmack für Menschen mit Anorexia nervosa verringern und für Adipöse erhöhen, sagte er. „Das sollten wir näher untersuchen.“

© PSYLEX.de – Quellenangabe: University of Colorado, Journal of Eating Disorders – DOI: 10.1002/eat.22528; Mai 2016

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