Psychische Störungen, Krankheiten, Erkrankungen:
Gewicht abnehmen

Klinische Psychologie - psychische Krankheitsbilder

27.03.2013 Menschen mit schweren psychischen Krankheiten wie Schizophrenie, bipolare Störung und Depression können Gewicht verlieren und diese Gewichtsabnahme durch ein entsprechendes Programm auch beibehalten laut einer neuen Studie.

Übergewicht und Krankheiten

Über 80 Prozent der Menschen mit schweren psychischen Störungen sind übergewichtig oder fettleibig, was für eine höhere Sterblichkeit sorgt, die dreimal höher ist, als die der Gesamtbevölkerung laut den Forschern. Die häufigsten Todesursachen sind die Gleichen wie beim Rest der Bevölkerung: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs.

Nicht nur die Antipsychotika sind Ursache

Obwohl Antipsychotika Appetit- und Gewichtszunahme erhöhen, sind sie nicht die alleinigen Verursacher.

Wie in der allgemeinen Bevölkerung spielen ein inaktiver Lebensstil und schlechte Ernährung ebenfalls wichtige Rollen. Die Änderungen des Lebensstils, wie Diät und Sport, sollten auch bei psychisch Kranken funktionieren, doch werden sie oft aus Abnehm-Studien herausgelassen.

Unter dem Studiennamen ACHIEVE (Achieving Healthy Lifestyles in Psychiatric Rehabilitation; übersetzt etwa: einen gesunden Lebensstil in psychiatrischer Rehabilitation erreichen), rekrutierten die Forscher 291 übergewichtige oder fettleibige Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen.

Psychisch krank und abnehmen
Fitness Bär in Berlin (Symbolfoto)

Etwa die Hälfte (144) wurde einer Interventionsgruppe zugeteilt, während 147 die Kontrollgruppe ausmachten. Die Intervention fand an 10 ambulanten psychiatrischen Rehabilitationseinrichtungen in Baltimore statt, die normalerweise schon Training der Arbeits- und Berufsfertigkeiten, Case Management und andere Dienste Menschen mit psychischen Erkrankungen anbieten, denen es nicht gut genug geht, volltags zu arbeiten.

Sport und Diät

Während die Kontrollgruppe die übliche Versorgung erhielt (Ernährung und Informationen zu physischen Aktivitäten), erhielt die Interventionsgruppe sechs Monate ein Intensivprogramm, bestehend aus dreimal die Woche Sport und einem individuellen oder kollektiven Abnehm-Training einmal in der Woche.

Beiden Gruppen wurden für ein zusätzliches Jahr beobachtet, währenddessen die Gewichtsverlustkurse der Interventionsgruppe ausliefen, jedoch die Trainingskurse aufrechterhalten blieben.

Wirksamkeit des Programms beim Abnehmen auf lange Sicht

Nach 18 Monaten hatte die Interventionsgruppe im Schnitt sieben Pfund mehr als die Kontrollgruppe verloren.
Fast 38 Prozent der Interventionsgruppe verlor 5 Prozent oder mehr ihres Gewichts, verglichen mit 23 Prozent der Kontrollgruppe.

Mehr als 18 Prozent der Teilnehmer der Interventionsgruppe verloren mehr als 10 Prozent ihres Körpergewichts nach 18 Monaten, verglichen mit 7 Prozent in der Kontrollgruppe.

Die Teilnehmer verloren auch weiterhin mehr Gewicht. Dies zeigt, dass es eine Weile dauerte bis die Verhaltensänderungen griffen, sagten die Forscher.

Von den Teilnehmer in der Studie hatten 50% Schizophrenie, 22% bipolare Störung und 12% eine klinische Depression.

Im Durchschnitt erhielt jeder Teilnehmer drei psychotrope Medikamente: die Hälfte war auf Lithium oder Stimmungsstabilisatoren gesetzt, die dafür bekannt sind Gewichtszunahme zu verursachen. Aber ganz gleich welche Medikamente sie nahmen, sie verloren Gewicht.

Verhaltensinventionen bei psychisch Erkrankten erfolgreich

"Wir zeigen damit, dass Verhaltensinterventionen bei psychisch Erkrankten funktionieren, egal was sie nehmen", sagte die Forscher.

Psychisch Kranke werden oft stigmatisiert, sagen die Forscher. "Die Befunde dieser Studie sollten die Leuten dazu bringen, ihre Meinung über psychisch Kranke zu überdenken. Unsere Ergebnisse liefern klare Belege, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen gesunde Veränderungen ihres Lebensstils vornehmen und einen Gewichtsverlust erreichen können".

Die Studie wurde in der Zeitschrift New England Journal of Medicine herausgegeben.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: National Institute of Mental Health, März 2013

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