Pathologisches Spielen, Spielsucht, Wettsucht II

Pathologisches Spielen, Spielsucht, Wettsucht

Psychische Störungen: Impulskontrollverluststörungen

Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick (Definition, Statistik, Symptome, Diagnose) über Pathologisches Glücksspiel / Spielen – Spielsucht; ICD-Code: 312.31 (F63.0).

„Near-Miss“ für Spielsüchtige belohnender

oder warum einige Menschen spielsüchtig werden

27.04.2016 Pathologische Spieler haben eine stärkere Gehirnreaktion auf sogenannte Near-Miss-Ereignisse (Beinahefehler): Verlieren, obwohl man ganz nah dran war zu gewinnen.

Eine in der Zeitschrift Neuropsychopharmacology veröffentlichte Studie der Radboud Universität verglich die Gehirne von 22 pathologischen Spielern mit denen von ebenso vielen gesunden Teilnehmern mit Hilfe von fMRT-Scans, während sie an Spielautomaten spielten.

Aktivierung des Striatums

spielautomat
Bild: kai stachowiak

Trotz objektiver Verluste aktivieren near-misses bzw. Beinahe-Gewinne ein bestimmtes Belohnungszentrum in der Mitte unseres Gehirns: das Striatum. In der aktuellen Studie zeigen die Neurowissenschaftler Guillaume Sescousse und seine Kollegen, dass diese Aktivität bei Spielsüchtigen verstärkt wird.

Im Vergleich zu den gesunden Kontrollteilnehmern zeigten die krankhaften Spieler mehr Aktivität im Striatum bei einem Near-Miss-Ereignis [Beinahe-Fehler ist eigentlich eine falsche Übersetzung; sinngemäß wäre knapp daneben gelegen besser] als nach einem Complete-Miss-Ereignis (völlig daneben gelegen).

Verstärkung des Spielsuchtverhaltens

Von dieser Aktivität nimmt man an, dass sie das Spielsuchtverhalten verstärkt – vermutlich, weil es die Illusion vermittelt, man hätte die Kontrolle über das Spiel.

Spieler obliegen der starken Illusion, die Kontrolle über das Spiel zu haben, und sie glauben mehr an (ihr) Glück als andere, wenn sie spielen.

Was passiert im Gehirn eines Spielers, wenn er mit einem Near-Miss-Ereigniss konfrontiert wird?

Sescousse sagt, dass in normalen Situationen solche Ereignisse des knapp-daneben-liegens ein Zeichen ist, dass man auf dem richtigen Weg ist und lernt: Dieses Mal hab ich es noch nicht hinbekommen, aber beim nächsten Mal könnte ich es schaffen.

Near-Misses als Trugbild

Near-Misses verstärken also dieses Verhalten, indem sie erhöhte Aktivität in den Belohnungszentren des Gehirns wie z.B. dem Striatum auslösen. Das geschieht auch beim Spielen. Aber Spielautomaten sind im Gegensatz zum täglichen Leben zufällige Maschinen, was sie zu solch einer großen Herausforderung für unser Gehirn machen. Deshalb können diese Near-Misses ein Trugbild der Kontrolle schaffen.

Dopamin-System

Tierstudien haben gezeigt, dass Verhaltensreaktionen auf Knapp-daneben-Ereignisse durch Dopamin abgestimmt werden, aber dieser dopaminerge Einfluss wurde bei Menschen noch nicht untersucht. Deshalb führten alle Teilnehmer das Experiment zweimal durch: einmal nachdem sie einen Dopamin-Blocker bekamen, und das andere Mal nachdem sie ein Placebo erhielten.

Überraschenderweise standen die Gehirnreaktionen auf Near-Miss-Ereignisse nicht unter dem Einfluss dieses Eingriffs. „Für mich ist das eine weitere Bestätigung der Komplexität des Rätsels, an dem wir arbeiten“, sagte Sescousse.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Radboud Universität, Neuropsychopharmacology – DOI: 10.1038/npp.2016.43; April 2016

Jüngere, ärmere krankhafte Spieler

Problem-Spielen, also Wetten um Geld bzw. riskantes Spielen, kommt unter US-amerikanischen Erwachsenen häufiger vor als Alkoholabhängigkeit, sagt eine neue Studie.

Die Befunde vom Forschungsinstitut für Süchte der Universität von Buffalo fordern frühere Forschungsergebnisse und die verbreitete Überzeugung heraus, dass problematisches Spielen eher nicht so häufig anzutreffen ist.

Jüngere, ärmere anfälliger für Glücksspiel

Die Forscher analysierten zwei nationale Studien – eine mit 2.631 Erwachsenen (18 und älter) und eine andere mit 2.274 jüngeren Menschen (Alter 14 – 21), um Spielmuster und Alkoholkonsum in verschiedenen Altersgruppen zu bestimmen.

Die Befunde, die mit dem Spielen verbunden waren, ergaben, dass die Höhe der Einsätze, die Häufigkeit und problematisches Spielen während der Teenager-Jahren zunehmen, und am höchsten in den 20ern und 30ern sind und dann abfallen.

Viel häufiger bei Männern

Die Forscher stellten auch fest, dass häufiges Glücksspiel mehr als doppelt so oft unter Männern als unter Frauen vorkam, 28 Prozent vs. 13 Prozent, und dass Männer ihre Peaks im späten Teenageralter erreichen, während die Höchstraten bei Frauen in einem späteren Alter auftreten.

Weiße wetteten viel mehr als Schwarze oder Asiaten innerhalb des letzten Jahres vor der Befragung, aber die Häufigkeitsraten beim Spielen waren höher unter Schwarzen und amerikanischen Ureinwohnern.

Die Forscher stellten auch fest, dass Häufigkeit und problematisches Spielen zunimmt, je niedriger der sozioökonomische Status ist, und tendentiell fällt, wenn der sozioökonomische Status steigt.

Die Studie wurde in der Märzausgabe des Journal of Gambling Studies herausgegeben.

„Keine vergleichbare Analyse des Spielverhaltens ist zuvor gemacht worden, und keine ist deshalb verfügbar für einen direkten Vergleich mit diesen Ergebnissen“, sagt Chefforscher John W. Welte in einer Universitätspressemitteilung. „Aber, ausgehend von dem was wir zur Häufigkeit und problematischem Spielen während des Erwachsenenalters fanden, sollten erhöhte Präventions- und Interventions-Bemühungen eingeleitet werden.“
Quelle: Journal of Gambling Studies, April 2011

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