Ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung – Erfahrungen

Im Folgenden finden Sie eine kurze Zusammenfassung der Nutzererfahrungen zu: Ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung. Die vollständigen Erfahrungsberichte sind im Anschluss darunter zu finden.

  • Suche nach Austausch: Viele Betroffene fühlen sich isoliert und suchen nach Foren oder Plattformen, um ihre Erfahrungen mit ÄVPS zu teilen und sich mit anderen auszutauschen.
  • Diagnose und Identifikation: Einige User berichten von ihrer Diagnose und wie sie sich mit den Symptomen der ÄVPS identifizieren, darunter Rückzug in die Fantasie und Selbstkritik.
  • Therapie und Medikation: Einige Betroffene erwähnen den Einsatz von Medikamenten wie SSRI und den Wunsch nach Therapie, um mit den Symptomen besser umgehen zu können.
  • Lebenslange Herausforderung: Die User beschreiben ÄVPS als eine lebenslange Herausforderung, die mit sozialer Phobie, Depressionen und tiefgreifenden Selbstzweifeln einhergeht. Sie sprechen über die Schwierigkeit, mit Kritik umzugehen und das Bedürfnis nach einem verständnisvollen Austausch.

Bitte beachten Sie, dass dies subjektive Erfahrungsberichte von Nutzern sind und psychologische / medizinische Beratung durch einen Facharzt / Psychologen / Therapeuten nicht ersetzen können. Für eine individuelle Beratung sollte immer ein Angehöriger der Gesundheitsberufe konsultiert werden.

Beiträge zu “Ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung – Erfahrungen”

  1. Ich kenne das auch nur zu gut und bis vor kurzem wusste ich nicht mal, dass es diese Art Persönlichkeitsstörung gibt.

    Heute hat mein Gehirn bspw. so stark auf einen kritischen Blick einer Kassiererin über reagiert, das mir nach einem verbalen Angriff sofort Hausverbot auf Lebenszeit erteilt wurde. Eigentlich hätte ein gesunder Mensch diesen kurzen Blick wahrscheinlich kaum wahrgenommen. Ähnlich wie am Eingang eines Clubs. Aber nur weil ich für einen Freund ein paar Dinge gekauft habe, die nur für Volljährige bestimmt sind, habe ich mich sofort angegriffen gefühlt. Eigentlich müsste man das mit fast 50 Jahren als Lob auffassen.

    Das sind diese Komplett-Aussetzer, die mich sehr nachdenklich stimmen. Denn zum Schluss wird man der seltsame Typ sein, den die Leute meiden werden. Daraus wird sich die Dynamik wahrscheinlich noch in ungünstigen Situationen nach oben schrauben. Manchmal frage ich mich, ob obdachlose Menschen, auch an dieser Art Persönlichkeitsstörung leiden und es eines Tages so eine überschießende Reaktion des Gehirns gibt, die alles zerstört was man sich aufgebaut hat. Das macht mich sehr nachdenklich.

  2. Ihr Lieben,

    es ist schön, dass es so eine Plattform wie diese gibt, auf der so viele, tolle Menschen ihre Erfahrungen teilen. Es berührt mich sehr, eure Texte zu lesen und ich finde mich in so vielem wieder. Man spürt bei so vielen Beiträgen, wie intelligent und herzensgut die dahinterstehende Person eigentlich ist und es ist wirklich traurig, zu lesen, wie viel Leid sie erfährt. Schade, dass es hier keine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme und weiterem Austausch gibt.

    Ich bin selbst Ende 20, habe keine offizielle Diagnose, aber finde mich in fast allen Kriterien der ÄVPS wieder. Bis auf das starke Bedürfnis nach körperlicher Sicherheit, das empfinde ich nicht. Seit meiner Jugend habe ich das Gefühl anders zu sein, keinen wirklichen Charakter zu haben, mir zu nichts eine Meinung bilden zu können. Ich erinnere mich an vieles nicht, aber was mir noch klar vor Augen schwebt, ist der Moment, als mein 13-jähriges Ich versucht hat, die besten Eigenschaften der anderen zu kopieren, um besser und „wertvoller“ zu werden. Meinen Eltern mache ich keinen Vorwurf, auch wenn sie einen recht strengen und von viel Kritik geprägten Erziehungsstill anwandten. Ich habe eine große Schwester, die quasi perfekt geworden ist und es schon immer war.

    Ich habe oft das Gefühl auf der Flucht zu sein und dass mein ganzes Konstrukt von Beziehung, Freundschaften und Arbeit auf wackeligen, instabilen Stützen fußt. Solange ich unter dem Radar bleiben kann, kann ich es unter großer Mühe aufrecht erhalten. Ich bin oft umgezogen und war immer froh, wenn ich „gute Sachen“ wie z.B. bestehende Freundschaften hinter mir lassen konnte, weil ich sie mir so nicht mehr selbst zerstören konnte und es über die Entfernung einfacher wurde, einen losen Kontakt zu halten. Momentan bin ich an einem Punkt, an dem ich mich in einer dieser drei Schienen nicht mehr verstecken kann, weil ich mich beruflich selbst (zu) sehr herausgefordert habe. Ich habe jegliche Lebensfreude verloren, alle Kontakte abgebrochen und vegetiere seit Wochen nur vor mich hin. Ich sehe oft ältere Menschen und beneide sie darum, dass sie ihr Leben bereits „geschafft“ haben – wie viele wohl gerne mit mir tauschen würden?

    Ich habe nach außen hin betrachtet alles – einen Partner, Freunde und Familie, die alle beteuern, mich zu lieben und zu schätzen, so wie ich bin. Ich empfinde aber auf der anderen Seite einen bis ins Unerträgliche reichenden Selbsthass und denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis einer nach dem anderen auch erkennen wird, was für ein langweiliger und charakterloser Mensch ich bin und wie alles nur Fassade war. Bei so vielen Selbstzweifeln bin ich doch überrascht, wie überzeugt ich von meiner eigenen negativen Selbstwahrnehmung im Gegensatz zur positiven Fremdwahrnehmung bin.

    Nunja, ich begebe mich in Therapie und hoffe, dass ich auf kurz oder lang einen Weg finden werden, der mit weniger Leid verbunden ist und näher an mir selbst liegt. Es gibt Momente, in denen ich mich als glücklich bezeichnen würde und ich will herausfinden, wie ich diese vermehren kann. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich ein „konventionelles“ Leben nicht führen kann, mit Job und Familie, auch wenn ich es mir sehr wünsche und viele andere um mich herum um ihre Leichtigkeit und Lebensfreude beneide. Mal sehen, wie es weitergeht und ob vielleicht irgendwann alles Sinn ergeben wird…

    Ganz viel Liebe an euch alle!

  3. Hallo Freunde

    Bin heute zum ersten Mal auf diese Webseite gestossen. Habe bisher noch keine deutschen Foren gefunden, die sich mit der ÄVPS auseinandersetzen. … Ich bin selbst seit 2018 diagnostiziert mit der ÄVPS und es ist leider erschreckend, wie wenig darüber bekannt ist. Auch Psychologen, Ärzte, Psychiater sind da erst am Anfang. Das grösste Problem für mich ist das «Funktionieren» mit der Störung. Daher ist es für Aussenstehende kaum vorstellbar, wie sich die Krankheit anfühlt. Man funktioniert irgendwie trotzdem. Schule und Arbeit waren möglich, weil man alles in sich hineinfrisst, unauffällig bleibt und Angst vor Abhängigkeit von Sozial- oder IV-Geldern hat. Aber vor 5 Jahren bin ich dann gebrochen und direkt eingewiesen worden wegen akuter Suizidalität. Niemand konnte das verstehen. Es war ein Schock für alle, selbst für mich. Aussenstehende haben oft das Gefühl ich wäre nur faul und unmotiviert. Ich kann es ihnen aber kaum Übel nehmen, weil ich ja lange unter dem Radar konventionell funktioniert habe. Nun bin ich 25, lebe mit meiner Freundin in einer kleinen Wohnung und habe massive Existenzängste. Meine Freundin ist ebenfalls abhängig von Sozialgeldern und das Haupteinkommen kommt noch von meinem Krankentaggeld des letzten Jobs. Dies hört aber im Oktober auf und ich kann nicht mehr für meine Sicherheit und Obhut garantieren. Das Schlimmste: Ich werde auch für meine Partnerin kein Dach über dem Kopf mehr zahlen können. Wie konnte es nur soweit kommen. Ich ging auf gute Schulen, habe sogar studiert und zusätzlich dank Corona noch eine Ausbildung im Home Office abschliessen können. Ich konnte sogar den obligatorischen Militärdienst leisten. Ich hatte alle Grundlagen geschaffen, ein unabhängiges Leben zu leben und nun stehe ich mit den besten Schulabschlüssen und Arbeitserfahrungen vor der Obdachlosigkeit. Unglaublich. Diese Krankheit frisst einfach mein ganzes Potenzial und ist unheimlich selbstzerstörerisch. Man hat das Gefühl, als wäre die ganze Lebenszeit umsonst gewesen und man selbst ist daran Schuld, weil man früher nichts gesagt hat und versucht hat, sich durchs Leben zu kämpfen. Man fühlt sich wie eine erbärmliche Hypochonder, die Sozialgelder ausnutzen will. Dann kommt auch schnell der Gedanke, dass alle besser dran wären, wenn ich einfach nicht mehr existieren würde. Einhergehend kam es zu Suizidversuchen, Klinikaufenthalten, Medikamenten, Depressionen, Angststörungen. Ich kann nicht mehr. Ich habe und hatte alles (Wohnung, Job, Partnerin) und doch habe ich nichts. Ich habe ein Drittel meines Lebens gelebt und habe das Gefühl ich habe genug davon und es ist an der Zeit den Löffel abzugeben. Es ist zu anstrengend. Ich hasse mich dafür, weil ich weiss, wieviele andere Menschen auf der Welt weniger haben und dennoch glücklicher und dankbarer sind als ich. Ich habe sogar Angst davor, jegliche Hilfe anzunehmen und will niemals eine Last für jemanden sein.
    So Freunde, ich habe keine Ahnung, warum ich das überhaupt posten soll. Ich kann nicht mal selbst den Text nochmals lesen aus Scham also sorry für all die Fehler. Was soll ich sagen Leute, vielleicht kann jemand mehr Sinn aus diesem Wortsalat ziehen. Take Care.

  4. Hallo an alle,

    ich bin jetzt 54 Jahre alt und habe die Diagnose ÄVPS erst vor einem Jahr erhalten. Da die ÄVPS nie wirklich behandelt worden ist, habe ich ergänzend noch die Diagnose der schweren Depression erhalten.

    Ich glaube bei mir war die ÄVPS nicht angeboren. Ich habe sie in meiner Kindheit erworben.
    Seit meinem ersten Tag im Kindergarten war ich ein Außenseiter. Ich war immer der längste, schwächste und langsamste. Ideale Voraussetzungen dafür, dass mich andere Kinder quälen konnten – ohne etwas befürchten zu müssen. Die sind weggelaufen und ich konnte mich nicht wehren. Meine Mutter war hilflos, für meinen Vater war ich nur nervig. Ich hatte nie in meinem Leben einen Freund. Als Kind ist das sehr schlimm wenn man nicht auf Geburtstage eingeladen wird und man auf dem Schulweg Angst hat verhauen zu werden.

    Ich habe „gelernt“ mich anzupassen. Möglichst unsichtbar zu werden. Keine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Ich mache bis heute das, was andere von mir erwarten oder das, was ich glaube dass es andere von mir erwarten. Ganz oft geht es schief. Dann fresse ich den Frust in mich rein. Ich glaube, ich bestehe nur noch aus Frust.
    Wenn mir jemand sagt: Wir machen jetzt was du willst. Dann versuche ich herauszufinden was der andere will und sage, dass es mein Wunsch sei. Wenn ich nachher unglücklich bin, versteht mein Gegenüber nicht was passiert ist. Ich habe mich selbst nie kennengelernt. Weiß nicht wer ich bin.
    Ich habe Angst etwas falsch zu machen, abgelehnt zu werden und mache damit alles falsch.

    Ich bin jetzt zum zweiten Mal verheiratet. Beide Male habe nicht ich meine Frau ausgesucht , sondern ich wurde als der Froschkönig auserkoren. Ich habe gesagt, dass ich keine Kinder will, habe aber dann doch der Adoption von 2 Kindern zugestimmt. Ich wollte wieder meine Frau nicht verärgern/enttäuschen. Heute traue ich mich nicht mehr meine Meinung zu sagen. Ich würde sonst mein bisheriges Leben gefährden und glaube es würde dann noch schlimmer wenn ich wieder allein bin.

    Ich habe eine Arbeitsstelle im Öffentlichen Dienst. Bin Personalratsvorsitzender und lasse mich wieder von allen ausnutzen.

    Ich habe Angst vor allem neuen. Neue Orte, Räume, Menschen. Ich vergewaltige mich jeden Tag selbst, weil ich nicht will dass mich jemand durchschaut. Den möglichen Suizid habe ich immer im Gepäck und denke jeden Tag an diese Möglichkeit.

    Mir fehlen Menschen wie euch, um mich auszutauschen. Ich habe bisher noch kein vergleichbares Forum gefunden. Würde mich gern mit euch treffen.

    Liebe Grüße
    Thomas

  5. Hallo, ich bin 25 Jahre alt und stehe seit vielen Jahren in meinem eigene Käfig, inmitten von Nebel, mal mehr mal weniger aber immer zwischen mir Selbst und ich bin nur einen kleinen Schritt von der Klippe entfernt, von der ich manchmal abrutsche.

    Konnte nicht mehr zur Arbeit gehen, hatte große Unterstützung und habe es geschafft mich zum ersten Mal an einem neuen Hausarzt zu wenden. Es war so schlimm und ich wusste nichtmal was ich überhaupt erklären sollte. Ich hatte einfach so gar keinen Plan und hab fast nur geweint, weil ich nicht sprechen konnte. Aber er war einfach so unfassbar lieb und er hat verstanden, dass gerade garnichts mehr geht. Ich bekam direkt die Diagnose mittelgradige Depression aufs Attest. Er gab mir Zeit mich etwas zu sortieren und zur richtigen Diagnose hat er mir eine stationäre psychosomatische Therapie in der Nähe empfohlen. Ich schaffte es nach einer Weile einen Termin zu vereinbaren und auch in einer Tagesklinik. Ich war extrem skeptisch wegen der stationären Geschichte – eine unmögliche Sache für mich, alleine der Gedanke macht mich Nervös, unruhig und bringt meinem Kopf zum kochen.
    Dann hatte ich den ersten Termin, das Gespräch war so unsortiert und es machte mich fertig, hab auch wieder fast nur geweint, diese Frau wollte so viele Antworten, die ich nicht habe. Ich konnte niemals die wichtigsten Dinge von mir erzählt haben. Oh mein Gott, was muss die nur von mir denken. Es macht mich immernoch wahnsinnig darüber nachzudenken was sie über mich aufgeschrieben hat und was sie für einen Verdacht hat. Plötzlich bekam ich wenige Wochen darauf ein Bett. Ich war fix und alle aber mit viel Unterstützung habe ich es zum Aufnahmetermin geschafft.
    Es ging mit einem Stresspegel weit über meiner Grenze ins Krankenhaus, alleine die ganzen Menschen haben mich so richtig fertig gemacht. Es war ein Schock als ich in das Krankenhauszimmer kam, ich hatte so Angst. Die Leute haben mich direkt angesprochen, das Licht, dieses Gefühl auf der Haut, die Geräusche. Dann kam das super unsortierte Therapeutengespräch, in dem ich mich erklären sollte. Sie hat mich einfach voll oft nicht verstanden und ich musste mich wiederholen. Es machte mich fertig, weil es mich jedesmal rausbrachte. Die muss denken ich bin gestört, so verwirrt wie das alles war. Ganz am Rande – da lag am Tischbein eine Büroklammer, die machte mich seit Anfang an richtig fertig, irgendwann musste ich sie aufheben. Ihre Reaktion war so: „oh, das hat sie aber jetzt gestört“. Es hat mich provoziert, ich weiß nicht ob diese Büroklammer ein Zufall war. Ich weinte viel, es waren zu viele Dinge auf die ich nicht wirklich antworten konnte und ich wurde immer nervöser und Platze fast aus meiner Haut vor Angst, Unwohlsein und meinen Gedanken. Ich sagte ihr ich kann das nicht und will nachhause. Sie sagte ich solle doch ein paar Tage bleiben um eine Diagnose festzustellen, das wäre wichtig. Und das sie einen Verdacht habe, ihn mir aber nicht mitteilen wolle, da sie denke es sei nicht so gut wenn sie mich damit gehen lasse. Ich war sehr verwirrt und wurde zum Chef der Abteilung gebeten. Ich durfte ihm so kurz wie knapp sagen wie es mir geht, während er etwas in seiner Nase herumpulte. Er redete ein paar Takte und er bat mich 1-2h zu bleiben und es mir zu überlegen. Das tat ich, alleine mit Musik in den Ohren. Dann ging ich wieder zu ihm und erklärte das ich nicht kann, ich ging dann noch am gleichen Tag.

    Nun bin ich seit fast 5 Monaten krank geschrieben. Inzwischen hatte ich das Gespräch in der Tagesklinik. Mein Puls ließ meinen ganzen Körper Beben und ich hatte so Angst. Zu meiner Überraschung war das Gespräch richtig sortiert, es waren kleine Fragen und auch fast nur über meine Kindheit und ich hatte Zeit. Es durchbohrte mich kein Blick während ich nicht sprechen konnte. Schließlich komme ich für die Therapie in Frage. Aber ich hab halt fast nichts zu meiner eigentlichen Problematik gesagt und ich habe nun super Angst. In ein paar Tagen geht die Therapie los und ich weiß nicht was auf mich zukommt und das ganze macht mich eh schon so fertig.
    Ich durchforste das Internet mit meiner Problematik und komme immer zu dieser selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung. Irgendwie ein Anhaltspunkt zur Erklärung für mein Verhalten seit meiner späteren Kindheit.

    Die allermeisten Schilderungen hier treffen auch auf mich zu. Das ist ein komisches Gefühl, weil ich seit knapp 13 Jahren nie mit jemandem über mich gesprochen habe, weil ich immer dachte es ist halt so. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es auch vielen anderen so geht.
    Ich dachte als ich jugendlich war immer mit der Zeit wird sich schon alles legen, wenn ich älter werde weiß ich schon wer ich bin und was ich will. Aber mit den Jahren wurde dieser innere Kampf meiner beiden Selbst immer unangenehmer und vorallem einseitiger. Nach jedem Rutsch in dieses Loch habe ich irgendwie an Kraft verloren. Es gab gute Phasen, die stark an mir zehrten. Bisher bin ich immer gescheitert was meine Berufung angeht. Ich hab das ein oder andere schleifen lassen und abgebrochen. Ich habe keine eigenen Sozialkontakte außer meiner Partnerin. Kein familiärer Kontakt und auch mit einer Freundin, die mit Abstand einer der tollsten Menschen ist die ich je kennengelernt habe schaffe ich es einfach nicht.

    Ich muss überall was ergänzen und ich kann mich garnicht wirklich konzentrieren, wie soll ich es schaffen euch alles zu erzählen, dass ihr euch kein falsches Bild von mir macht. Ich bin gedanklich überall und nirgends. Ich bin traurig und verunsichert. Alles macht mich alles so fertig, ich bin müde und alles stresst mich. Ich bekomme die meisten alltägliche Dinge geregelt, aber wie soll ich das hinbekommen zu arbeiten und was überhaupt. Ich habe keine Energie für mehr, vor allem nicht für soziale Kontakte.
    Ich habe keine Kraft mehr mich weiterhin anzupassen und nicht aufzufallen, die Gedanken über alles und jeden lassen mich schon längst an meiner Wahrnehmung zweifeln.

    Ich weiß nicht was ich mir dabei erhoffe hier reinzuschreiben. Ich nutze keine sozialen Medien und vermeide auch jegliche Spur von mir im Netz und ich Texte prinzipiell nicht. Dennoch habe ich es einmal versucht meine Persönlichkeit in ein Forum zu schreiben. Es war so unsortiert und wirr. Ich kam mir vor wie ne gestörte und habe es wieder gelöscht.

    Ich habe noch so viel loszuwerden. Ohne das ganze nochmal in Form zu bringen und meine Problematik weiter auszuführen, obwohl viel fehlt schicke ich es ab. Es macht mich wahnsinnig, weil ich in vielerlei Hinsicht nach Perfektion strebe und so ein Kotrolltyp bin. Bekomme kaum was erledigt weil ich zu viel drüber nachdenken muss.

    Liebe Grüße und Danke.

  6. Hallo zusammen,

    erstmal möchte ich sagen, dass ich hier einige Erfahrungsberichte gelesen habe, mich mit vielen sehr stark identifizieren kann und mich vieles auch schockiert hat bzw Leid tat, weil ich den Leidensweg nachvollziehen kann.

    Jetzt erzähle ich Mal etwas über mich. Ich heiße Dennis, bin mittlerweile 29 Jahre alt und habe auch schon seit ich denken kann gemerkt, dass ich sozial total ängstlich bin. Zudem muss ich mich hinzufügen,dass ich seitdem ich denken kann, nächtlich ins Bett nässe(nicht jeden Tag, aber schon regelmäßig).. dies hat natürlich im Laufe der Jahre noch mehr dazu geführt, dass ich sehr geschämt und minderwertig gefühlt habe. Habe mich zunehmend überall zurück gezogen, obwohl die Menschen in der Schule, oder sonst wo mich nicht wirklich ausgegrenzt, gemobbt oder ausgelacht haben. Ich habe mich dort selbst zurück gezogen und bin in mich gekehrt. Vielmehr habe ich in der Familie, gerade von meiner leiblichen Mutter, viel Kälte und Distanz erfahren. Normale Sachen wie eine Umarmung oder Mal einen Kuss auf die Wange kann ich mich nicht wirklich dran erinnern,dass so etwas überhaupt Mal vorgekommen ist. Bin nur bei meiner Mutter aufgewachsen, mein Vater hat sich sehr früh von meiner Mutter getrennt(mittlerweile verstehe ich auch, wieso. Aber das ist ein anderes Thema) leider war auch er mir gegenüber immer sehr distanziert und alles hat immer so gewirkt,als wäre es eine Verpflichtung für ihn. Kein Gefühl von Nähe, Zuneigung oder Liebe. Er hat mich jedes zweite Wochenende übers Wochenende abgeholt. Trotz dem war ich sehr gerne bei ihm,weil seine Frau(meine Stiefmutter) schon immer sehr herzlich zu mir war. Ich habe es gehasst,wenn mein Vater mich Sonntagabend zurück gebracht. Habe teilweise geweint und erbrochen. Meine Mutter hat sich auch nicht um das Problem mit dem Bettnässen gekümmert. Wie oft bin ich in meinem eigenen Urin aufgewacht, teilweise hat es schon nach Ammoniak gestunken, weil meine Matratze von Urin durchdrungen war. Wenn ich heute Ammoniak rieche, bekomme ich direkt Flashbacks. Mein Vater und Stiefmutter haben versucht, mir bei dem Problem zu helfen,haben auch diverse Schritte unternommen. Leider war es nicht ausreichend, da ich ja nicht so oft bzw so lange dort war. Es war schon mehrfach so, dass ich über ein halbes Jahr trocken war und es danach leider wieder angefangen hat.

    Mit 20 hatte ich für fast zwei Jahre eine Freundin und in dieser Zeit war ich ohne Medikamente (Desmopressin) trocken. Daher bin ich fest davon überzeugt,dass das Bettnässen mit der ängstlich vermeidenden Persönlichkeitsstörung zusammenhängt. Wenn es mir seelisch sehr gut ging und ich mich geliebt gefühlt habe, habe ich nicht eingenässt.

    Habe hier in den Berichten bei manchen gelesen,dass sie gemieden oder sogar gemobbt worden sind wegen Aussehen. Solche Probleme hatte ich nie, aber leider ist durch diese Persönlichkeitsstörung auch so ein gewisser Schönheitswahn und Leistungszwang entstanden. Nach dem Motto: Du bist nicht gut genug, du musst besser aussehen oder du bist nur etwas wert, wenn du Leistung bringst. Ich war bisher insgesamt drei Jahre in Psychotherapie, bei zwei verschiedenen Therapeuten. Bei dem ersten, da war ich 20. Dort war ich 1,5Jahre. Habe dort aber nicht wirklich versucht an mir zu arbeiten, stattdessen habe diverse Drogen ausprobiert und bin dann dem Kiffen verfallen. Seitdem kiffe ich mit wenigen Unterbrechungen. War zwei Mal für ein halbes Jahr Clean. Es hilft mir zu verdrängen und lindert, zumindest vorübergehend den Schmerz. Andererseits verschlimmert es teilweise meinen psychischen Zustand bzw verstärkt meine Ängste. Daher mache ich mittlerweile auch nur noch Abends nach der Arbeit. Trotzdem sind die Dosen ziemlich hoch,bestimmt 2-3g am Abend. Ich könnte jetzt noch so weit ausholen und diverse Beispiele aus meinem Leben fürs Vermeidungsverhalten bringen. Ich denke, die meisten hier können nachvollziehen, auf welche Ideen man kommt Situationen zu meiden. Aber wenn man in seinem Kopf gefangen und sich so unwohl fühlt, geht man leider diesen Weg. Obwohl das genau der falsche Weg ist Situationen zu meiden. Man bestätigt dem Gehirn quasi, dass es hier eine Bedrohung gibt und flüchtet.

    Ich war ca 3Jahre arbeitslos,habe zum Glück seit 7Monaten wieder Arbeit und fühle mich zumindest dort wohl. Das liegt aber auch nur daran,dass es eine sehr eigenständige Arbeit ist, ich kann mich nur auf Arbeit konzentrieren und muss mit niemanden reden. Reden geht ganz gut mit Leuten, die ich schon kenne durch gewisse Umstände kennen gelernt habe. Aber mit fremden in Kontakt kommen bzw Menschen in der Öffentlichkeit ansprechen? Um Gottes Willen, vor allem wenn es mehr als 1Person ist. Gewisse Dinge wie nach sachbezogenen Sachen fragen funktioniert leicht, weil mein Gehirn ja weiß, ich werde nur die Antwort darauf bekommen und muss keine nähere Bindung mit der Person eingehen bzw ein offenes Gespräch führen. Mein Leidensdruck war, seitdem ich den neuen Job habe, sehr gelindert. Nun bin ich mit meiner Stiefmutter und Geschwistern aktuell im Urlaub und hier sind in der Stadt so viele Menschen, ich würde am liebsten unsichtbar werden. Ich bin innerlich so angespannt und es ist extrem anstrengend. Trotzdem Versuche ich es Immer und immer wieder, der Wille ist da. Ich möchte doch nochmal irgendwann ein ansatzweise normales Leben führen. Dass es niemals 100% so sein wird, ist mir klar. Aber der Gedanke am Ende des Lebens auf das Leben zurück zu blicken ,macht mir genauso Angst. Auf jeden Fall bin ich leider durch diese Persönlichkeitsstörung sehr ich bezogen, was mir aber gar nicht gefällt. Ich würde gerne Mal jemanden aufrichtigel kennen lernen und mich nicht durch die Augen des anderen sehen.

    So, jetzt komme ich Mal zum Schluss: Ich möchte demnächst nochmal in Therapie gehen und werde spätestens,wenn ich 30 werde mit dem Kiffen aufhören,weil es mich auch einschränkt und aufhält. Denn dieser Urlaub hier ist der reine Horror im Kopf,sobald wir raus gehen. Ich fühle mich ständig beobachtet und bewertet. Bilde mir teilweise ein, dass Menschen mich auslachen. Und wenn mich dann doch Mal eine andere Person anlächelt, vor allem wenn es eine Frau ist, dann komme ich gar nicht mehr aus mir heraus,kann nicht Mal zurück lächeln bzw Mimik zeigen. Und das frisst mich dann noch viel mehr auf.

    Es ist nicht so, als wäre alles scheiße,habe ein paar gute Freunde,ich bin schon Mal zu dem Erlebnis gekommen eine Freundin zu haben, habe auch Rückhalt von meiner Stiefmutter,mit ihr kann ich offen über alles reden. Zudem weiß mein bester Freund,mit dem ich auch zusammen lebe von meinem nächtlichen Bettproblem. Ich habe ihm das erst nach 5Jahren anvertraut.. so, zu guter Letzt möchte ich gerne noch ein paar Worte an die anderen hier richten:

    Teilweise war ich sehr erschüttert solche Berichte zu lesen und ihr habt mein tiefstes Mitgefühl, auch wenn das euch auch nicht wirklich etwas bringt.

    Ich wünsche euch allen,egal wie alt ihr seid,dass ihr es schafft aus diesem Leidensweg auszubrechen und einen anderen Weg zu finden,der euch irgendwann Mal Glück und Zufriedenheit im Leben bringt. Ihr seid nicht alleine damit, aber alleine fühlen wir uns Betroffene wahrscheinlich sehr oft. Ich für meinen Teil schon.

    Liebe Grüße, passt auf euch auf.

  7. Ich habe eine AVP. Ich weiß ganz genau, wann ich krank geworden bin, es war die Schule bzw. die Mitschüler, welche mich krank gemacht haben. Ich will keine Generell-Schuld geben, aber ich bin von vielen Seiten sehr gemobbt und mit sehr bösen Worten beschimpft worden. Gemobbt und geärgert wurde ich seit ich denken kann, schom im Kindergarten ging es los. Aber als ich an das Gymnasium kam, fing es richtig an. Ich war ein schwacher Schüler, und als ich auf die anderen Mitschüler traf, die alle so intelligent waren, hab ich Angst bekommen und gedacht, ich bin zu dumm. Dann habe ich keine Freundschaften schließen können. Das habe ich auf mich bezogen, dass mit mir etwas nicht in Ordnung ist, dass ich ein wertloser Mensch bin. Ich bin zu dumm, zu fett, zu häßlich, ich bin im Sport zu schlecht, während die anderen alle halbe Athleten waren, ich kleide mich falsch, ich höre die falsche Musik, interessiere mich nur für falsche Themen, ich habe kein Interesse an Parties, einfach ALLES ist an mir falsch, und wenn mich jemand mögen soll, muss ich mich ändern und an die anderen anpassen. Vielleicht habe ich einiges falsch verstanden damals, und es gab doch Menschen, die mich mochten. Aber es kamen versteckte Botschaften gegen mich. Irgend jemand in der Klasse schrieb Kommentare auf meinen Tisch „Du bist immer noch nicht sitzengeblieben“. Als ich zu meinem Geburtstag in der Klasse Süßes verteilt hatte, wurde ich von jemandem mit dem Papier beworfen, zum Dank. Über meine Interessen habe ich dann auch nicht mehr gesprochen, weil ich mich geschämt hatte und befürchtete, dafür ausgelacht zu werden. Ein Mitschüler, der Klassen-Star, hatte eine Federtasche. Auf diese durften die Mitschüler ihren Namen draufschreiben nach und nach. Nur ich wurde nie gefragt, weil ich nicht cool war. Ich hab das verdammte Ding so sehr gehasst. Es war nicht nur die Klasse, in der ich diese Erfahrungen gemacht habe. Auch andere Personen haben mich beschimpft und mich geärgert. Wie habe ich es gehasst, in den Schulbus zu steigen, weil häufig Gelächter gegen mich kam. Auch wenn ich in der Stadt war, kamen mir Gruppen mit Jugendlichen entgegen, die über mich gelacht haben. Der Rummel war ganz schlimm, daher bin ich dort nicht mehr hingegangen. Vor allem wenn Frauen verletzende Dinge gesagt haben, über mein Aussehen, das hat mich am härtesten getroffen, so dass ich den festen Glauben bekommen habe, dass niemand mich attraktiv findet. Es gab eine Situation in der Tanzschule. Als die Damen sich unter den Männern jemanden aussuchen sollten, blieben nur ein anderer Teilnehmer und ich übrig. Und die Frauen sind gerannt, um bloß noch den anderen zu kriegen, mich wollte keine. Und die mit mir dann getanzt hat, hat deutlich ihren Widerwillen gezeigt. Dabei hatte ich ihr nichts getan. Verlernt habe ich, andere anzusehen, durch Frauen. Neben meiner Klasse saßen Schülerinnen der Parallelklasse immer in der Pause vor der Tür des Nebenraumes, und wenn ich raus- oder reinging, haben sie mich beschimpft und sich über mich lustig gemacht. Ich habe versucht, sie nicht anzusehen, und zu tun, als ob ich sie nicht bemerkt habe, aber der Schutz hat nicht geholfen, die Kränkungen kamen trotzdem. Weil ich den Eindruck hatte, dass ich zu minderwertig bin und andere nur belästige, habe ich dann Angst bekommen, die Leute anzusehen. Und ich fing an, mich zu verkrampfen und Zuckungen zu bekommen. Wenn jemand neben mir saß, war es mir unangenehm, dass ich in den Augenwinkeln den Sitznachbar sehen konnte. Ich befürchtete, dass er das als unangenehm ansehen könnte und dann böse auf mich sein würde. Weil er sich belästigt fühlt. Körperliche Nähe war für mich nicht ertragbar geworden, und ich habe versucht, mich an einen Einzeltisch zu setzen, wenn es möglich war. Viele Mitschüler haben gemerkt, dass ich mich verkrampft und immer wieder nervös gezuckt habe, was viele eingeschüchtert hat. Andere haben sich lustig darüber gemacht. Aber ich konnte es nicht abstellen, noch heute kommt es wieder bei mir durch. Ich bin 44 Jahre alt, und ich konnte durch meine Angst keine Beziehung zu einem anderen Menschen herstellen. Ich habe Freunde, aber wenige, und zumeist mit Menschen, die auch eine psychische Vorgeschichte haben. Durch meine Ängste habe ich mehrere folgenschwere Entscheidungen in meinem Leben getroffen. So habe ich etwas studiert, von dem ich von Anfang an hätte wissen müssen, dass ich durch meine Problematik nie darin arbeiten würde. Sozialarbeit. Weil ich gedacht habe, wenn ich mit alten Menschen arbeite, werde ich auf einfache Menschen treffen. Aber das ist ein Irrglaube, als Sozialarbeiter hat man viel Verantwortung und muss mit vielen Menschen sprechen, ich hatte aber im Inneren den festen Glauben, dass ich rein gar nichts kann. Ich hab überlang studiert, weil ich Depressionen bekam und mich mit dem Internet abgelenkt habe. Ich saß in einer emotionalen Zwickmühle. Abbrechen konnte ich nicht, weil mir gesagt wurde, dass ich nach dem Abbruch keine Lehrstelle oder anderes kriegen würde. Weil mein Lebenslauf dann beschädigt ist. Außerdem sei ich inzwischen zu alt für eine Ausbildung geworden, so dass mir nur das Studium blieb. Durch meinen Glauben, zu dumm für alles zu sein, hab ich befürchtet, dass ich keine Ausbildung schaffen werde. Aber im Studium zu bleiben, bedeutete für mich schweren emotionalen Stress, weil ich genau wusste, dass ich nie in dem Beruf arbeiten werde und ich hier ein totes Kind zur Welt bringen muss. Und ich war mit absolut sicher, dass ich eh die Prüfungen nicht bestehen werde, zumal das Studium im Schwerpunkt auf die Themen Kinder und Jugendliche ausgerichtet war. Mit Kindern hatte ich aus der Schulzeit Probleme, weil mich sogar jüngere Schüler beschimpft hatten. Bis heute habe ich Mißtrauen gegen Kinder, auch wenn ich vielen damit wohl Unrecht tue. Aber Kinder können sehr direkt sein, und das macht mir Angst. Ich habe mich durch mein Studium doch noch durchgekämpft und es abgeschlossen, aber dann kam der nächste Konflikt. Meine Eltern haben mir gesagt, dass ich mich bewerben soll, aber ich wollte nicht. Ich war froh, dass ich den ganzen Mist endlich hinter mir hatte. Häufig habe ich meinen Eltern gesagt, dass ich das Falsche studiere, und dass ich in dem Bereich nicht arbeiten kann. Sie haben mir zugesichert, dass ich nach dem Abschluss was anderes machen kann, und dass sie mich unterstützen werden. Beide hatten Angst, dass ich keine Arbeit finden und eine kaputte Zukunft bekommen werde. Ich war zu der Zeit in Therapie bei einem Verhaltenstherapeuten. Als das Studium beendet war, endete auch die Therapie. Mir wurde geraten, einen Klinikaufenthalt zu machen, weil in der Therapie meine Ängste nich richtig bearbeitet werden konnten. Nur die Depressionen wurden etwas aufgefangen. In der Klinik konnte mir einiges geholfen werden, aber mehrere Dinge schmerzten mich sehr. Viele Mitpatienten hatten sehr gute Jobs, andere waren in Beziehungen oder hatten Familie, und ich lebte aus Angst noch bei meinen Eltern. Ich verglich mein Leben mit dem anderer und fühlte irgendwie, dass meine Probleme einen geringeren Wert hatten als die anderer. Einige Mitpatienten hatten Eheprobleme, Probleme mit ihren Kindern, hatten Schwierigkeiten im Berufsleben, und ich dagegen stand da mit „Kinderproblemen“, weil ich kein erwachsenes Leben geführt habe. Ich habe mich geschämt, über mich etwas zu erzählen, zumal ich ein berufliches Versagen mit meinem Studium hinter mir herzog. Ich entwickelte Gefühle für eine Mitpatientin. Immer verliebe ich mich in Frauen, die für mich unerreichbar sind, so dass ich sie gar nicht erst anspreche. Weil ja eh klar ist, dass ich mir nur eine blutige Nase holen werde. Ich habe aber nur Freundschaft mit ihr geschlossen, weil ich gehofft hatte, bei ihr unterschwellig für mich Gefühle zu erreichen. Ich habe mit ihr über die sozialen Medien gesprochen, habe ihr Geschenke geschickt. Sie war in einer Beziehung, und ich wollte ihren Partner unbedingt ablösen. Irgendwann eröffnete ich ihr aber, dass ich mehr als nur Freundschaft von ihr wollte. Als ihre Beziehung auseinanderbrach und sie kurz darauf einen neuen Partner fand. Ich gab zu, dass ich seit zwei Jahren diese intensiven Gefühle hatte. Darauf brach sie den Kontakt endgültig ab, weil sie nicht die gleichen Gefühle für mich hatte. Ich habe es auf mich bezogen, dass ich zu minderwertig für Frauen bin. ich bin ein Mensch, der in vielen Dingen wie Peter Pan geblieben ist. Ich habe sehr viel Fantasie und beschäftige mich mit Nerd-Themen. Ich bin nie gerne auf Parties gegangen, was andere nicht verstehen konnten. Ich habe lieber mir wenigen Menschen über diese oder jene Themen geredet, aber eine ausgelassene Feierei mit Alkohol und Tanz war nie meines. Und ich möchte keine Familie gründen, ich möchte keine Kinder haben. Ich wünsche mir eine Beziehung mit einem Menschen, der ähnlich wie ich ist, zurückgezogen und introvertiert. Aber so ein Mensch ist schwer zu finden, und ich bin traurig, dass ich immer nur auf Menschen stoße, die Lebensmuster haben, welche meinen total widersprechen. Ich konnte beruflich wieder auf die Füße kommen, und in fortgeschrittenem Alter (über 30) noch eine Ausbildung kriegen. Und in dem Beruf arbeite ich auch. Allerdings bin ich sehr zurückgezogen und meide andere Kollegen, weshalb ich wohl schon den Beinamen „Der Sonderbare“ bekommen habe. Ich konzentriere mich voll auf die Arbeit und bin immer der Letzte, der abends das Haus verlässt. Was anderes als die Arbeit habe ich nicht, denn andere Menschen kann ich nicht an mich heranlassen. Weil sie sich für Dinge interessieren und Lebensmuster haben, die meinen absolut widersprechen. Ich befürchte, dass ich abgelehnt werde, wenn ich mein wahres Gesicht zeige. Daher bin ich der stille und immer hilfsbereite, aber auch unnahbare Kollege. Meine Pause nehme ich zumeist allein, um nicht auf andere zu treffen. Ich arbeite wirklich gerne, aber die Arbeitstage bereiten mir auch immer Traurigkeit.

  8. Hallo, liebe Leser/innen!

    Ich bin 27 (weiblich) und ich bekam vor 4 Jahren die Diagnose Ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung. Dieser Kommentar könnte lange werden, also schon mal sorry für die Zeit, die ich hier einnehme. Ich war schon seit ich denken kann „anders“. Als Kind hatte ich schon Gefühle sehr intensiv wahrgenommen, habe mich aber nie getraut das auszudrücken. Auch wenn es mir schlecht ging, kam nie ein Wort aus meinem Mund. Zuhause fühlte ich mich am meisten wohl, aber es kamen auch Zeiten, wo mein Zuhause nicht mehr „sicher“ für mich war. Bin öfter umgezogen, musste 5x die Schule wechseln bis ich 14 war. Ich hatte immer das Gefühl, was ich möchte wird nicht in Betracht gezogen. Meine Kindheit habe ich nie als schön, geborgen oder sicher gesehen. Wenn man meine Familie fragt, würden sie es nicht so schlimm bezeichnen – meine eigene Wahrnehmung von der Vergangenheit ist mehr traumatisiert dargestellt. Ich bin mir sicher, andere Kinder hätten vielleicht nicht so gelitten wie ich, aber ich war schon immer ein sehr sensibler, empfindlicher Mensch. Ich habe auch gute Erinnerungen, aber wenn mich jemand nach meiner Kindheit fragt, kommen immer die schlimmsten Zeiten hoch. Schule war für mich meist sehr schwierig, einsam. Ich war immer die Schüchterne – zurückhaltend, still, keine Meinung, wenig Freunde. Dabei bin ich eigentlich ganz anders (offener), wenn ich mit Menschen zusammen bin, bei denen ich mich sicher und vertraut fühle. Mit knapp 19 musste ich mein letztes Schuljahr abbrechen, da es mir einfach nicht mehr möglich war, dem Stress standzuhalten (den schulischen aber vor allem den sozialen Aspekt). Danach kam der komplette Zusammenbruch. Ich wollte nichts mehr machen. Nach 13 Jahren Schule, die man für mich auch mit „Überlebenstraining“ bezeichnen könnte, weil ich doch immer in diesem Überlebensmodus (Fight or Flight) war, hatte ich einfach keine Kraft mehr. Burnout. Ich habe dann 6 Jahre in Isolation gelebt. Ging kaum raus. Freunde hatte ich nur zwei, die mir noch von meiner Schulzeit blieben, die ich aber nur einmal im Jahr sah. Kontakt also nur mit Familienmitgliedern. Keine Arbeit. Durch den Kontrollverlust in all meinen Lebensbereichen entwickelte sich während dieser Zeit eine Essstörung bei mir. Das war das Einzige was ich irgendwie kontrollieren konnte, und das positive Feedback zu meiner Gewichtsabnahme (die Bestätigung und Zuneigung anderer, die mir sonst fehlte) hat dieses gestörte Verhalten natürlich noch mehr motiviert. Mir ging es dann so dermaßen schlecht (konnte gar nicht aus dem Bett), wurde immer depressiver, dass mich meine Familie zu einer Therapie gedrängt hat. Ich war nur einverstanden, weil ich glaubte, sie würden mich sonst hassen oder verstoßen. Meine Familie war und ist seit langer Zeit meine einzige Stütze. Zunächst hatte ich eine gute Erfahrung mit einer Gesprächstherapie, aber danach folgten sehr negative Erfahrungen mit Psychiatern, die mir den Rest meines Selbstbewusstseins und meine Hoffnung raubten, weil sie einfach nicht wussten wie sie mit mir umgehen sollten. Seitdem habe ich es nicht mehr versucht. Ich habe Gott sei Dank meine Essstörung alleine besiegt, mit Online-Hilfe, aber die restlichen psychischen Probleme blieben natürlich. Einer dieser Psychiater mit dem ich damals sprach, gab mir die Diagnose ÄVPS nach einem 30-minütigen Gespräch. Ich habe es nicht ernst genommen. Ich hielt das für unkompetent und übereilig. Habe es fast 4 Jahre lang verdrängt. Es gibt ja auch nicht gerade viele Informationen darüber online, weswegen ich zunächst skeptisch war, aber nach langer Recherche und Selbst-Analyse wurde mir klar, dass der Psychiater damals vollkommen richtig lag. Ich bekomme schon jahrelang kein festes Einkommen, keine Unterstützung, hab nicht mal eine Krankenversicherung. Das alles ist mir extrem peinlich – wenn mich jemand darauf anspricht (Familienmitglieder, Bekannte oder Dienstleister) blocke ich komplett ab, ich könnte heulen. Meine Mutter ermöglicht es mir, ein Dach über den Kopf zu haben und auch sonst alles wirklich Nötige zu haben, aber ohne meine Familie wäre ich längst nicht mehr hier. Die Behörden verlangen Dokumente, Nachweise, ärztliche Zeugnisse, Gespräche usw. für finanzielle Unterstützung für mich, was für mich fast unmöglich zu bewältigen ist. Deswegen bekomme ich schon seit Jahren nichts. Telefonate, Termine, Vereinbarungen, Beurteilungen, Prüfungen und Therapiesitzungen sind für mich das absolut Schlimmste. Alle Situation, wo ich in irgendeiner Weise beurteilt/verurteilt werde triggern mich. Ich komm dann in eine negativen mentalen Teufelskreis und bekomme auch körperliche Symptome, die es mir unmöglich machen, das Haus zu verlassen. Wie vorhin schon erwähnt, mir fällt das Leben leichter, wenn ich das alles verdränge, aber das funktioniert immer nur kurzzeitig, denn ich stoße immer wieder sehr schnell an meine Grenzen. Mir wird immer wieder bewusst, dass ich kaum selbstständig bin. Habe keinen Führerschein (hatte schon immer Angst vor diesen Prüfungen und den Kursen), kein Einkommen, keine eigene Wohngelegenheit, brauche Hilfe bei vielen Dingen, die Erwachsene eben so erledigen müssen und das ist mir alles sehr peinlich. Zukunftsängste sind mittlerweile auch stark. Ich vermeide fast alles, was mir schwerfällt. Denke immer „ach, irgendwann werde ich das schon alleine schaffen“ oder „irgendwann wird ein Wunder geschehen“. Es fällt mir leichter, mich auf Dinge zu konzentrieren, die mir gut tun. Viel Ablenkung, kreative Betätigungen oder mich Situation zu stellen, die für mich trotz sehr großer Überwindung doch noch irgendwie machbar sind, aber das sind dann Kleinigkeiten, die für Andere komplett bedeutungslos sind. Alleine Spazierengehen zum Beispiel ist für die meisten Menschen kein Problem, aber für jemanden wie mich eben schon. Das sind dann soziale Ängste, denen man sich nicht nur ein mal stellen muss, um sie zu „heilen“, sondern immer und immer wieder, was sehr ermüdend ist. Meine Hoffnung, mein Leben alleine in den Griff zu bekommen, schwindet von Tag zu Tag. Ich weiß jetzt, dass ich professionelle Hilfe brauche und ich werde es nochmal versuchen. Mir selbst einzugestehen, dass ich „krank“ bin, war für mich nie eine ernsthafte Option. Mir immer wieder vor den Augen zu halten, dass ich psychische Probleme habe und deswegen mein ganzes Leben lang sozusagen in meiner eigenen kleinen Welt lebte, ist schmerzhaft. Das Ding ist, wenn ich in meiner Komfortzone bin, geht es mir nicht schlecht, da fühle ich mich nicht krank oder abnormal. Es gibt Phasen, wo es keine Auslöser für meine ÄVPS gibt und ich alles Schwierige so stark vermeiden kann, dass ich mich eigentlich wie ein normaler Mensch fühle, aber sobald ich getriggert werde – sobald eine Situation ansteht, wo meine extremen Ängste hervorkommen – bin ich fast wie gelähmt. Es ist fast so als gäbe es zwei Versionen von mir. Wenn ich mich wohl fühle, bin ich offenherzig, nett, kreativ, sogar lustig, aber wenn meine Störung überwiegt, bin ich sehr still, ängstlich, vermeidend, kalt, impulsiv und es ist mir nicht möglich mich wie ich selbst zu fühlen. Ich hatte immer schon Probleme mit meiner Identität. Wer bin ich eigentlich, wer wäre ich ohne meine Ängste? Welche meiner Eigenschaften sind wirklich ich, und welche davon hab ich mir nur angeeignet vor Angst aus Ablehnung? Was ist meine Aufgabe auf dieser Welt? Bin ich eigentlich wichtig? Ich hatte immer eine große Anpassungsfähigkeit, d.h. wann immer ich auf neue Leute stoße, sei es im realen Umfeld oder im Internet, verhalte ich mich immer so wie ich denke, dass diese Menschen es von mir erwarten. Es passiert auch, dass ich bestimmte Verhaltensmuster von meinem Gegenüber mit der Zeit übernehme. Es ist nie meine Absicht, mich zu verstellen. Es fällt mir auch nicht schwer mich anzupassen, es passiert fast schon automatisch, weil ich meine Gesprächspartner (die wenigen, die ich hatte) immer bestätigen wollte und einfach wollte, dass sie mich mögen, aber das passiert oft alles unterbewusst bis ich letztendlich erkenne – meist wenn etwas schief läuft oder Meinungsverschiedenheiten entstehen – dass ich nicht authentisch war oder ich mich plötzlich nicht mehr gut fühle mit dieser Person, weil ich, wenn ich mal meine Individualität rauslasse, abgelehnt werde. Ich weiß meist gar nicht mehr wie ich ich selbst sein kann oder was das überhaupt bedeutet. Ich will die andere Person befriedigen, das ist meistens meine Priorität. Ich will sie richtig behandeln, beschützen und ihr das Gefühl geben, dass sie komplett frei sein kann bei mir. Und dabei kommen oft meine eigenen Bedürfnisse zu kurz, weswegen die wenigen Freundschaften, die ich in den letzten Jahren hatte (überwiegend online) in die Brüche gingen. Ich hab einfach oft das Gefühl missverstanden zu werden, egal wie sehr ich versuche mich deutlich auszudrücken. Wenn jemand mein Vertrauen ein einziges mal missbraucht, schwirrt mir das immer im Kopf herum und ich denke, ich wäre nie gut genug, nie normal genug. Ich weiß, dass die meisten mit ÄVPS ein sehr geringes Selbstwertgefühl haben. Für mich ist es aber ein eher unterbewusstes Gefühl, denn ich hatte noch nie bewusste negative Hassgedanken gegenüber mir selbst. Ich sehe mich eigentlich als guter, sehr freundlicher, liebenswerter Mensch und denke auch, dass ich Andere mit viel Aufmerksamkeit, Unterstützung und Verständis behandle, aber meine Hintergedanken sagen mir doch immer wieder, dass mich niemand versteht und dass ich durch meine Ängste jeden früher oder später verletze oder dass ich ausgenutzt werde oder dass die Menschen, die mich lieben eigentlich etwas Schlechtes von mir denken.
    All diese Erfahrungsberichte zu lesen hat mir gezeigt, dass ich nicht alleine bin, aber es hat mich auch traurig gemacht, denn ich wünschte, niemand von uns müsse so etwas durchmachen. Wenn du es geschafft hast bis zum Ende zu lesen, danke und ich hoffe, dass sich vielleicht irgendjemand in meinen Worten wiedererkennt. Ich möchte mit positiven Worten abschließen, denn wir haben schon genug Sorgen: Ich habe Hoffnung und wünsche jedem von uns, dass egal wie winzig dieser Hoffnungschimmer in unseren Herzen ist, dass dieser immer bleibt. Ich weiß, dass wir Glück verdienen. Ich weiß, dass auch Du ein schönes authentisches Leben verdienst. Such dir die Hilfe, die du brauchst, egal wie oft du schon enttäuscht wurdest. Das werde ich jetzt jedenfalls machen, ich schulde es nicht nur mir selbst, sondern auch jeder Person, der es genauso geht. ♡

  9. Ich habe erst seit ein paar Monaten einen Namen für meine Störung (ÄVPS). Ich bin jetzt 53 Jahre, wußte immer dass etwas nicht stimmt mit mir, konnte es aber nie greifen.
    Seitdem ich 3 Jahre alt war, wurde ich in meiner Kindheit gemieden. Ich war immer der längste, schwächste und langsamste. Man konnte mich schlagen und davonlaufen. Alle haben mich ausgelacht. Keiner wollte mit dem Looser befreundet sein. Da hat sich bis heute wenig geändert.
    Ich habe immer versucht allen zu gefallen. Mache immer was von mir erwartet wird, will es allen Recht machen.
    In meiner ersten Ehe, hat mich meine Frau nur ausgenutzt. Ich war so lange gut, bis sie einen besseren gefunden hat. Nach 7 Jahren war Schluss. Ich konnte mich nicht trennen. Bin unfähig Nein zu sagen, auch wenn es mir schadet oder mich umbringt.
    Seit 16 Jahren habe ich nun eine zweite Ehe. Ich habe zwar immer gesagt was ich nicht will – Kinder, Tiere und alles bei dem ich einen Teil von der Nähe meiner Frau abgeben muss. Aber am Ende habe ich dann doch alles gemacht was sie wollte. Weil ich nicht wieder allein sein wollte.
    Vor ein paar Jahren habe ich gesagt was mir alles nicht gefällt, wo ich Ja gesagt habe, aber Nein meinte. Seitdem wird die Beziehung nur noch durch die Kinder (adoptiert) zusammengehalten, die beide selbst psychisch krank sind.
    Ich habe zwar eine Familie, fühle mich aber innerlich völlig einsam.
    Ich habe dann gelernt, dass mir ein Fetisch quasi Schutz und Wärme gegen die Einsamkeit geben kann. Ich trage oft meine Latexjeans quasi als Panzer gegen die Umwelt. Natürlich werde ich nun wieder in eine Ecke gestellt. Latex steckt leider oft noch in der Schmuddelecke in den Köpfen der Leute. Aber mir hilft es zu mir zu stehen. Zu zeigen, dass ich auch einen eigenen Willen habe.
    Ihr Kennt eventuell den „Beschützmich-Hund“ von Lauras Stern. So fühle ich mich mit meiner Latexjeans wenn ich mich aus meinem Mauseloch raustraue.

  10. Hallo,

    wie sehen bei euch Symptome/Anzeichen für eure ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung aus? Ich fang mal an:

    Ich weiß, dass ich eine ÄvPS habe, weil ich glaube, dass es ein besseres Leben für mich gibt, aber ich kann mich nicht motivieren, rauszugehen und es zu suchen. Ich habe Angst vor noch mehr Stress und Problemen mit anderen Menschen und ich schließe mich stattdessen lieber zuhause ein.

Was denken Sie über das Thema? Haben Sie Erfahrungen damit gemacht?


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