Tiefe Hirnstimulation gegen Zwangsstörungen

Psychische Störungen – Krankheitsbilder

Tiefe Hirnstimulation gegen Zwangsstörungen





Tiefe Hirnstimulation könnte Zwangssymptome deutlich verbessern

10.03.2019 Das belastende Zwangsverhalten und die allgegenwärtigen Zwangsgedanken, die Menschen mit schwerer Zwangsstörung beeinflussen, könnten durch gezielte tiefe Hirnstimulation deutlich verbessert werden laut der in Biological Psychiatry veröffentlichten Forschungsarbeit.

In einer Studie von Himanshu Tyagi vom University College London und Kollegen wurden sechs Patienten mit behandlungsresistenter Zwangsstörung in einer kontrollierten Doppelblindstudie mit tiefer Hirnstimulation (THS) behandelt.

Subthalamischer Kern und ventrale Kapsel

zwanghaftes denken eingeklemmt

Die Studie verglich direkt die Effekte zweier verschiedener Hirnregionen – dem subthalamischen Kern (STN) und der ventralen Kapsel (VC) – bei denselben Patienten. Die beiden Hirnregionen waren beide zuvor als wichtig für die Zwangsstörung erachtet worden, aber es war unklar, ob sie einfach Teil desselben Gehirnnetzwerks sind, und ob sie an der gleichen Art von Zwangssymptomen beteiligt sind.

Stimmung und kognitive Flexibilität

Die Neuroforscher zeigten, dass beide Hirnbereiche bemerkenswert effektiv bei der Linderung von Zwangsstörungssymptomen waren, jedoch unter verschiedenen Aspekten: Die VC-Stimulation verbesserte die Stimmung, während die STN-Stimulation die kognitive Flexibilität verbesserte.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die tiefe Hirnstimulation dieser beiden Hirnareale auf verschiedene Hirnnetze wirkt, von denen eines den medialen präfrontalen Cortex und das andere den lateralen präfrontalen Cortex involviert. Dies wurde auch durch Hirnbildgebung bestätigt.

Während tiefe Hirnstimulation nur dann eingesetzt wird, wenn Medikamente und spezifische psychologische Behandlungen erprobt und fehlgeschlagen sind, kann es für einige Patienten die Möglichkeit bieten, Wohlbefinden und Lebensqualität zurückzugewinnen, schließen die Wissenschaftler.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Biological Psychiatry – DOI: https://doi.org/10.1016/j.biopsych.2019.01.017

Patienten mit Zwangsstörungen und mit Begleiterkrankungen sprechen gut auf tiefe Hirnstimulation an

04.04.2021 Eine in Frontiers in Psychiatry veröffentlichte Studie zeigt, dass Patienten mit Zwangsstörungen sowie anderen psychiatrischen Komorbiditäten – wie Autismus-Spektrum- oder Tic-Störungen – gut auf die Tiefe Hirnstimulation (THS) ansprechen können.

Lora Kahn vom University of Colorado Anschutz Medical Campus und Kollegen untersuchten retrospektiv fünf Patienten, die zwischen 2015 und 2019 eine tiefe Hirnstimulation zur Behandlung von Zwangsstörungen aufsuchten.

Zwangserkrankungen mit Begleiterkrankungen

Die Patienten wiesen Komorbiditäten auf, einschließlich Substanzsucht, Essstörung, Autismus-Spektrum-Störung, klinische Depression, ADHS und Tic-Störung.

Drei Patienten waren während der THS-Operation wach, was es den Ärzten ermöglichte, das Ansprechen auf die Stimulation zu überprüfen (verbesserte Stimmung, erhöhte Energie und Verringerung der Angst), eine zusätzliche Möglichkeit, die korrekte Elektrodenplatzierung zu bestätigen.

Nach der Operation bewerteten die Wissenschaftler das Ansprechen und ermittelten die korrekten Einstellungen, indem sie die Patienten nach Veränderungen der Stimmung, der Energie und der Angstzustände befragten.

Eine Verbesserung in diesen Bereichen ist in der Regel mit einer späteren Verringerung der Zwangssymptome verbunden. Die Veränderungen wurden mit einer Reihe von Fragebogen überwacht, die Veränderungen der Stimmung, Angst, Depression und andere Elemente der Lebensqualität, die von der Zwangsstörung betroffen sind, erfassen.

Verbesserung der Zwangsstörungssymptome und der Stimmung

Insgesamt erreichten diese Patienten eine signifikante Verbesserung der Zwangsstörungssymptome und der Stimmung. Die Yale-Brown Obsessive-Compulsive Scale (YBOCS), eine Standardskala zur Beurteilung des Schweregrads der Symptome und des Ansprechens auf die Behandlung bei Zwangsstörungen, misst den Grad des Leidens und der Beeinträchtigung, die durch Zwangsvorstellungen und Zwänge verursacht werden.

Als gutes klinisches Ansprechen wird eine Reduktion um mehr als 35 % angesehen. In dieser Studie erreichten die Patienten im Durchschnitt eine 44%ige Reduktion auf dieser Skala; vier von fünf erreichten ein vollständiges Ansprechen, während der fünfte ein teilweises Ansprechen mit einer ca. 25%igen Reduktion der Zwangssymptome zeigte.

Die Patienten berichteten auch über eine durchschnittliche Reduktion der Depressionssymptome um 53 %.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Frontiers in Psychiatry (2021). DOI: 10.3389/fpsyt.2021.568932

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