‚Wächst‘ sich ADHS raus?

Studie zur Remission: Nur 10 % der Kinder mit ADHS ‚wachsen‘ aus der Krankheit heraus

13.08.2021 Die meisten Kinder, bei denen eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert wird, wachsen nicht aus der Störung heraus, wie allgemein angenommen. Sie manifestiert sich im Erwachsenenalter auf unterschiedliche Weise und ihre Symptome variieren im späteren Leben laut einer im American Journal of Psychiatry veröffentlichten Studie.

Menschen mit ADHS sollten verstehen, dass es normal ist, dass es Zeiten im Leben gibt, in denen die Dinge vielleicht unkontrollierbarer sind, und andere Zeiten, in denen man die Dinge besser unter Kontrolle hat, sagt die Studienautorin Margaret Sibley von der University of Washington School of Medicine.

Studienautoren aus 16 Einrichtungen in den Vereinigten Staaten, Kanada und Brasilien sagen, dass die jahrzehntelange Forschung ADHS als eine neurobiologische Störung charakterisiert, die typischerweise zuerst in der Kindheit festgestellt wird und in etwa 50 % der Fälle bis ins Erwachsenenalter andauert. In dieser Studie wurde jedoch festgestellt, dass nur 10 % der Kinder vollständig aus dieser Störung herauswachsen.

Die Studie

In dieser Studie wurde eine Gruppe von 558 Kindern mit ADHS 16 Jahre lang beobachtet – vom achten bis zum 25sten Lebensjahr. Die Kohorte wurde alle zwei Jahre untersucht, um festzustellen, ob sie Symptome von ADHS hatten. Die Forscher befragten auch ihre Familienmitglieder und Lehrer zu ihren Symptomen.

Die Annahme, dass 50 % der Kinder aus ADHS herauswachsen, wurde laut Sibley erstmals Mitte der 1990er Jahre aufgestellt. In den meisten Studien, so Sibley, wurden die Kinder nur einmal im Erwachsenenalter erneut befragt. So konnten die Forscher nicht feststellen, dass ADHS, von dem sie glaubten, es sei verschwunden, tatsächlich wieder auftritt.

Bei etwa 30 % der Kinder mit ADHS kam es zu irgendeinem Zeitpunkt während des Nachbeobachtungszeitraums zu einer vollständigen Remission; bei der Mehrheit von ihnen (60 %) kam es jedoch nach der anfänglichen Remissionsphase zu einem Wiederauftreten der ADHS.

Nur 9,1 % der Stichprobe wiesen bis zum Studienende eine Genesung (anhaltende Remission) auf, und nur 10,8 % zeigten eine stabile Beständigkeit der ADHS über die Studienzeitpunkte hinweg. Die meisten Teilnehmer mit ADHS (63,8 %) hatten im Laufe der Zeit schwankende Remissions- und Rezidivphasen.

Der Umgang mit ADHS

Die Forscher haben noch nicht herausgefunden, was die Ursache für das erneute Auftreten von ADHS ist. Laut Sibley könnten Stress, die falsche Umgebung und ein ungesunder Lebensstil mit nicht ausreichend Schlaf, schlechter Ernährung und wenig Sport die Ursache sein. Wenn jemand sich nicht die Zeit nimmt, die Symptome in den Griff zu bekommen und wirklich zu verstehen, was für ihn am besten ist, dann geraten die Symptome wahrscheinlich noch mehr außer Kontrolle, sagte sie.

Medikamente und Therapie sind die beiden wichtigsten Behandlungsmethoden für ADHS. Aber, so Sibley, die Menschen können auch ihre eigenen gesunden Bewältigungsstrategien entwickeln.

Die Forscher fanden heraus, dass die meisten Menschen, die technisch gesehen die Kriterien für ADHS im Erwachsenenalter nicht mehr erfüllen, immer noch Spuren von ADHS haben, aber sie kommen gut allein zurecht.

© psylex.de – Quellenangabe: American Journal of Psychiatry (2021). DOI: 10.1176/appi.ajp.2021.21010032




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