Warum es manchen an bildlicher Vorstellungskraft fehlt

Aphantasie und Hyperphantasie: Die (fehlende) Visualisierung im Gehirn

10.06.2021 Menschen mit der Fähigkeit, lebhaft zu visualisieren, weisen eine stärkere Verbindung zwischen ihrem visuellen Netzwerk und den Regionen des Gehirns auf, die mit der Entscheidungsfindung verbunden sind. Die Studie liefert auch Hinweise auf Gedächtnis- und Persönlichkeitsunterschiede zwischen Menschen mit starker visueller Vorstellungskraft (Hyperphantasie) und solchen, die kein Bild vor ihrem geistigen Auge halten können (Aphantasie).

Aphantasie und Hyperphantasie

Die in der Fachzeitschrift Cerebral Cortex Communications veröffentlichte Studie der Universität Exeter untersuchte die Frage, warum schätzungsweise einem Drittel der Bevölkerung die Fähigkeit zur Visualisierung fehlt. Dieses Phänomen wurde von Professor Adam Zeman von der University of Exeter im Jahr 2015 als „Aphantasie“ bezeichnet. Professor Zeman nannte Menschen mit hoch entwickelten visuellen Vorstellungsfähigkeiten „Hyperphantasten“.

Die vom Arts and Humanities Research Council finanzierte Studie ist die erste systematische neuropsychologische und bildgebende Untersuchung von Menschen mit Aphantasie und Hyperphantasie. Das Team führte fMRI-Scans bei 24 Personen mit Aphantasie, 25 mit Hyperphantasie und einer Kontrollgruppe von 20 Personen mit durchschnittlicher bildlicher Verstellungskraft durch. Sie kombinierten die Bildgebungsdaten mit detaillierten kognitiven und Persönlichkeitstests.

Verbindungen zwischen visuellem Netzwerk und präfrontalem Kortex

Die Scans zeigten, dass Menschen mit Hyperphantasie eine stärkere Verbindung zwischen dem visuellen Netzwerk – das verarbeitet, was wir sehen, und das während visueller Bilder aktiv wird – und den präfrontalem Kortex haben, die an der Entscheidungsfindung und Aufmerksamkeit beteiligt ist. Diese stärkeren Verbindungen zeigten sich in Scans, die in Ruhe durchgeführt wurden, während die Teilnehmer sich entspannten – und möglicherweise in Gedanken abschweiften.

Ungeachtet gleichwertiger Ergebnisse bei Standard-Gedächtnistests fanden Professor Zeman und sein Team heraus, dass Menschen mit Hyperphantasie reichhaltigere Beschreibungen imaginierter Szenarien produzieren als die Kontrollpersonen, die wiederum besser abschnitten als die Aphantasiker. Dies galt auch für das autobiografische Gedächtnis, also die Fähigkeit, sich an Ereignisse zu erinnern, die im Leben der Person stattgefunden haben. Aphantasiker hatten auch eine geringere Fähigkeit, Gesichter zu erkennen.

Persönlichkeit

Die Persönlichkeitstests zeigten, dass Aphantasten eher introvertiert und Hyperphantasten eher offen sind.

Professor Zeman sagt: Die Forschungsarbeit zeigt, dass eine schwächere Verbindung zwischen den Teilen des Gehirns, die für das Sehen verantwortlich sind, und den frontalen Regionen, die an der Entscheidungsfindung und Aufmerksamkeit beteiligt sind, zu Aphantasie führt.

Dies sollte jedoch nicht als Nachteil angesehen werden – es ist eine andere Art, die Welt zu erleben. Viele Aphantasiker sind extrem leistungsfähig, und die Wissenschaftler wollen nun erforschen, ob die von ihnen beobachteten Persönlichkeits- und Gedächtnisunterschiede auf kontrastierende Arten der Informationsverarbeitung hindeuten, die mit der Fähigkeit zur visuellen Vorstellungskraft zusammenhängen.

© psylex.de – Quellenangabe: Cerebral Cortex Communications (2021). DOI: 10.1093/texcom/tgab035

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