Wechseln der sozialen Identität; wie effektiv?

Menschen scheinen nahtlos zwischen verschiedenen sozialen Identitäten wechseln zu können

22.03.2022 Psychologische Theorien gehen davon aus, dass wir häufig die soziale Identität wechseln, doch über die Effektivität eines solchen Wechsels ist wenig bekannt. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Menschen nahtlos zwischen verschiedenen sozialen Identitäten wechseln können.

Jeder Mensch hat mehrere soziale Identitäten, z. B. als Arbeitnehmer, Elternteil, Jugendlicher, Freund oder sogar als Fan einer bestimmten Sportmannschaft.

Frühere Forschungen haben gezeigt, dass ein häufiger Wechsel der Aufgabe zu einer geringeren Leistung führt: längere Bearbeitungszeiten und geringere Genauigkeit.

Die neue Studie der Universität Exeter kommt zu dem Schluss, dass der Identitätswechsel weniger Probleme bereiten könnte.

„Unser Leben hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten stark beschleunigt, so dass wir immer häufiger zwischen verschiedenen Identitäten wechseln müssen“, so Studienautorin Anna Zinn von der Universität Exeter.

„Aufgrund der Pandemie arbeiten jetzt viel mehr Menschen von zu Hause aus, so dass sie nicht mehr den langsamen Wechsel eines Pendelwegs zwischen Wohnung und Arbeitsplatz haben.

Mit ihrer Forschung wollten die Wissenschaftler herausfinden, ob die schnelle Aktivierung verschiedener Identitäten mit Kosten verbunden ist.

Sie waren überrascht, dass diese Umschaltvorgänge äußerst effektiv sind – die Menschen können recht schnell und ohne offensichtliche Probleme umschalten.

Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass diese Fähigkeit auch eine Kehrseite haben könnte.

„Wir haben möglicherweise wenig Kontrolle über diese Wechsel“, erklärt Zinn.

Für jemanden, der von zu Hause aus arbeitet, kann es wichtig sein, in einer beruflichen Identität zu bleiben – aber unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass man sich leicht davon abbringen lassen kann.

In der nächsten Phase ihrer Forschung wollen die Forscher diese möglichen Nachteile untersuchen und prüfen, ob Maßnahmen wie ein eigener Arbeitsplatz zu Hause diese Nachteile einschränken können.

Die Experimente

Die Wissenschaftler führten mehrere Studien mit dem „Impliziten Assoziationstest“ durch, bei dem die Teilnehmer Wörter und Bilder schnell in Kategorien einordnen müssen.

Mit dieser Methode wurden die Teilnehmer dazu gebracht, an eine bestimmte Identität zu denken – die Forscher ermutigten sie beispielsweise, sich selbst als „junge Menschen“ zu sehen, indem sie sie baten, Bilder von Gesichtern nach Alter zu sortieren.

Anschließend war es möglich, die Teilnehmer zu einer anderen Identität wechseln zu lassen – oder zu anderen Zeiten in der gleichen Identität zu bleiben – um die Auswirkungen zu beobachten.

In einer Studie wurde auch eine neue „Minimalgruppen“-Identität geschaffen, indem die Teilnehmer gebeten wurden, sich Bilder von Gesichtern als Mitglieder einer neu gebildeten Gruppe zu merken (die Teilnehmer wurden ermutigt, diese Personen und sich selbst als Teil der „blauen Gruppe“ zu betrachten).

Der Wechsel zwischen dieser neuen Identität und den bestehenden Identitäten erfolgte ebenfalls nahtlos.

© Psylex.de – Quellenangabe: Journal of Experimental Social Psychology (2022). DOI: 10.1016/j.jesp.2022.104309




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