Wie Anorexie das Körpergefühl verändert

13.01.2021 Unwillkürlich schieben sich essgestörte Patientinnen seitlich durch eigentlich ausreichend breite Türen. Ein Hinweis darauf, wie sie unbewusst ihre Körperfülle überschätzen.

Menschen mit Magersucht, wissenschaftlich Anorexia nervosa, haben ein gestörtes Verhältnis zu den Ausmaßen ihres Körpers. Eine Studie des Teams der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am LWL-Universitätsklinikum der RUB hat gezeigt, dass neben dem bewussten Körperbild auch das Körperschema gestört ist: das unbewusste Körpergefühl.

Normalerweise passt es sich den aktuellen Gegebenheiten an. Bei Personen mit Anorexie könnte es auf dem Stand vor dem Beginn der Erkrankung stehen bleiben. Die Forscherinnen und Forscher um Prof. Dr. Martin Diers empfehlen eine Kombination aus kognitiver Verhaltenstherapie und dem Einsatz virtueller Realität, um das gestörte Körperschema zu korrigieren. Sie berichten im International Journal of Eating Disorder vom 20. Dezember 2020.

Dem Unbewussten auf die Spur kommen

Um dem unbewussten Teil der Körperwahrnehmung auf die Spur zu kommen, entwickelte das Team der Klinik einen Versuch, an dem 23 Frauen mit Anorexie und 23 gesunde Vergleichspersonen teilnahmen.

Das Experiment bestand darin, die Versuchspersonen durch Türrahmen unterschiedlicher Breite gehen zu lassen. „Die Öffnung war dabei an die Schulterbreite der Probandinnen angepasst und variierte zwischen dem 0,9-fachen und dem 1,45-fachen dieser Breite“, so Diers. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beobachteten nun, ab welcher Türbreite sich die Teilnehmenden seitlich wegdrehten, bevor sie die Tür passierten.

Es zeigte sich, dass Patientinnen ihre Schultern schon bei deutlich breiteren Türen zur Seite wegdrehen als gesunde Kontrollpersonen. „Das zeigt uns, dass sie auch unbewusst ihre Ausmaße größer einschätzen als sie wirklich sind“, folgert Erstautorin Nina Beckmann.

Um die gestörte unbewusste Körperwahrnehmung positiv zu beeinflussen und das eventuell veraltete Körperschema wieder den aktuellen körperlichen Ausmaßen anzupassen, empfiehlt das Forschungsteam neben der kognitiven Verhaltenstherapie auch den Einsatz virtueller Realität. Damit ist es möglich, virtuell für eine gewisse Zeit in den Körper einer anderen Person zu schlüpfen und damit die Repräsentation des Körpers zu beeinflussen.

Quellenangabe: RUB

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