Zwangsstörungen: Der Einfluss genetischer Disposition

Durch Ganzgenomsequenzierung identifizierte De-novo-Mutationen deuten auf Chromatinveränderungen bei Zwangsstörungen hin

Zwangsstörungen: Der Einfluss genetischer Disposition

18.01.2022 Ein Team von Forschern der Shanghai Jiao Tong Universität und des Novogene Bioinformatics Institute berichtet über einen Zusammenhang zwischen De-novo-Genmutationen und Zwangsstörungen.

In ihrem in der Zeitschrift Science Advances veröffentlichten Artikel beschreibt die Gruppe ihre genetischen Studien mit Menschen mit Zwangsstörungen und deren Eltern.

Zwangsstörungen nicht vererbbar

Zwangsstörungen sind durch exzessive Verhaltensweisen, Angst und Stress gekennzeichnet. In den letzten Jahren haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die Ursachen zum Teil genetisch bedingt sind, obwohl die Krankheit nicht als vererbbar gilt. Stattdessen tritt sie bei Menschen auf, die Genmutationen der ersten Generation aufweisen – sogenannte De-novo-Mutationen.

In dieser neuen Studie versuchten die Forscher, mehr über solche Mutationen zu erfahren, indem sie eine genetische Studie an Menschen mit Zwangserkrankung und deren Eltern durchführten. Zu diesem Zweck nahmen sie die Mitarbeit von 53 Familien in Anspruch, die aus zwei Elternteilen und mindestens einem Nachkommen mit Zwangsstörung bestanden. Die Zwangserkrankten waren zwischen 18 und 65 Jahre alt.

Die Forscher führten eine Ganzgenomsequenzierung an Gewebeproben aller Probanden durch. Die Studie zeigte einmal mehr, dass die Störung nicht vererbbar ist – die Eltern wiesen keine genetischen Anzeichen einer Zwangsstörung auf, ihre Nachkommen jedoch schon.

De-novo-Mutationen assoziiert mit Chromatinschleifen

Die Forscher fanden Gemeinsamkeiten in den Genen von Menschen mit Zwangserkrankungen – ähnliche De-novo-Mutationen, die mit der Störung in Verbindung gebracht werden. Bei allen Betroffenen standen die Mutationen im Zusammenhang mit Chromatinschleifen, die, wie frühere Untersuchungen gezeigt haben, eine wichtige Rolle bei der Transkription spielen, bei der der DNA-Code in RNA geschrieben wird.

Genauer gesagt fanden die Forscher heraus, dass die De-novo-Mutationen in einem höheren Anteil der am Promotor verankerten Chromatinschleifen – einem bestimmten Teil von Genen – vorhanden waren.

Sie fanden die Mutation auch in Histon-Markern, also in genetischen Regionen, die ebenfalls an der Gentranskription beteiligt sind.

Sie vermuten, dass die Chromatin verändernden Gene in der Lage sind, Neurotransmitter-Gene zu regulieren, und dass Probleme mit solchen Regulierungen aufgrund von Mutationen zu den Störungen im Gehirn von Menschen mit Zwangsstörungen führen können.

Die Forscher weisen darauf hin, dass die von ihnen gefundenen Gene auch bei anderen neurologischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Anorexie und dem Tourette-Syndrom eine Rolle spielen.

© Psylex.de – Quellenangabe: Science Advances (2022). DOI: 10.1126/sciadv.abi6180

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