Angst vor COVID erhöht Ekelempfindlichkeit

Die Sorge um auffällige Bedrohungen durch Krankheitserreger erhöht die Ekelsensitivität

19.01.2022 In der Theorie ist die Ekelempfindlichkeit (Ekelsensitivität) – d. h. die Intensität, mit der jemand Bilder, Gedanken oder Situationen, die als furchtbar eklig oder einfach nur unangenehm empfunden werden, zurückweist – ein evolutionäres Merkmal, das den Menschen ursprünglich half, den Verzehr verdorbener krankmachender Lebensmittel zu vermeiden.

Unterschiede bei Ekelempfindlichkeit

Die Forschung hat inzwischen gezeigt, dass die Ekelempfindlichkeit sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann, wobei manche Menschen Ekel sehr stark und andere weniger stark empfinden. Die Erklärung für diese Unterschiede ist jedoch umstritten. Ist eine hohe Ekelempfindlichkeit das Ergebnis des Aufwachsens mit Keimphobikern, hängt sie mit Neurotizismus zusammen oder ist sie ein Mittel, um einen ungeeigneten Sexualpartner zu erkennen? Und ist die Ekelempfindlichkeit über die Lebensspanne hinweg stabil oder kann sie sich verändern?

Eine neue in Personality and Individual Differences veröffentlichte Studie deutet darauf hin, dass sich die Ekelempfindlichkeit verändern kann und dies auch tut – und dass während der COVID-19-Pandemie die Angst, an einer Coronavirus-Infektion zu erkranken, mit einem Anstieg der Ekelempfindlichkeit verbunden war.

Forscher der Ohio State University hatten für ein größeres Projekt vor dem Ausbruch des Coronavirus Daten zur Ekelempfindlichkeit erhoben und verglichen diese mit ähnlichen Daten, die während und nach der Pandemie gesammelt wurden.

Kann sich die Ekelempfindlichkeit verändern?

Obwohl der Ursprung der Ekelempfindlichkeit in der Krankheitsvermeidung liegt, hat die Forschung im Laufe der Jahre eine hohe Ekelempfindlichkeit mit der Vermeidung von „anderen Dingen“ in Verbindung gebracht – zum Beispiel Menschen anderer Rassen, politischer Ideologien oder Geschlechter. Diese Denkschule geht davon aus, dass Ekelempfindlichkeit ein unveränderlicher individueller Unterschied ist.

Die Forscher um Shelby Boggs von der Ohio State University konzentrierten sich auf die sogenannte „Kalibrierungshypothese“, die besagt, dass die Ekelempfindlichkeit ein fließenderer Wert ist, der sich mit der Zeit und den Umständen ändert, und fanden Belege dafür.

Anstatt zwei Personengruppen vor und nach der Pandemie zu vergleichen, vergleicht man dieselben Personen. Die Forscher stellten fest, dass in dem Maße, in dem sich jemand für gefährdet hielt, sich mit COVID anzustecken, diese erhöhte Ekelempfindlichkeit auftritt.

Betroffen waren Menschen mit Angst vor einer Ansteckung mit COVID

Der Anstieg der Ekelempfindlichkeit beschränkte sich tatsächlich auf die Menschen, die Angst vor einer Ansteckung mit COVID-19 machten, und schloss eine Reihe alternativer Erklärungen für die Daten aus.

Vor der Pandemie lag die durchschnittliche Ekelempfindlichkeit bei 2,82 (Skala 0-4), während der Pandemie stieg dieser Wert auf 3,26. Diese auf der Messung der Ekelsensitivität gemessenen Daten zeigen, dass die Menschen nicht nur von krankheitsbezogenen Szenarien abgestoßen wurden, sondern auch von Szenarien, die nichts mit der Übertragung von Krankheiten zu tun hatten – ein Zeichen dafür, dass ihr gesamtes Ekelempfindlichkeitsprofil erhöht war.

Ein Punkt auf dem Rating fragt, wie sehr man sich ekeln würde, wenn man in einem Aufzug sitzt und jemand neben einem niest. In einem anderen Punkt wird gefragt, ob man sich vor dem Verzehr von Schokolade in Form von Hundekot ekeln würde – was nichts damit zu tun hat, dass man mit anderen Menschen interagiert und sich so COVID zuzieht, schreiben die Forscher.

Die erhöhte Sensibilität wurde auch deutlich, als die Teilnehmer gebeten wurden, verschiedene visuelle eklige Bilder zu bewerten, wie etwa verdorbenes Fleisch mit Maden darin. Diejenigen mit Sorgen vor einer Ansteckung mit dem Virus fanden die Bilder ekliger – was bedeutet, dass der Effekt über die mit der Bewertungsskala gemessenen Punkte hinausging.

Normalisierung der Ekelempfindlichkeit

Die Forscher sagen voraus, dass sich die Ekelempfindlichkeit von Menschen mit COVID-Angst an das Niveau vor der Pandemie angleichen würde, sobald die schlimmsten Bedrohungen der Pandemie nachlassen.

Ständig Ekel zu empfinden, ist kein angenehmer Zustand. Es ist ein sehr wachsames Gefühl, sagen die Forscher.

© Psylex.de – Quellenangabe: Personality and Individual Differences (2021). DOI: 10.1016/j.paid.2021.111348

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