ADHS: Maladaptives Tagträumen bessere Diagnose für manche?

Könnte immersives Tagträumen einem Aufmerksamkeitsdefizit zugrundeliegen? Prävalenz und Merkmale von maladaptivem Tagträumen bei Personen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

13.04.2022 Laut einer neuen Studie von Forschern der Ben-Gurion University of the Negev in Zusammenarbeit mit der Universität Haifa könnte maladaptives Tagträumen (MD) für manche Menschen eine bessere Diagnose sein als ADHS.

Maladaptives Tagträumen

Maladaptives Tagträumen ist eine Erkrankung, bei der Menschen in sehr detaillierte und realistische Tagträume abgleiten, die stundenlang andauern können und das normale Funktionieren beeinträchtigen.

Es ist noch nicht als offizielles psychiatrisches Syndrom anerkannt worden. Dr. Nirit Soffer-Dudek vom Consciousness and Psychopathology Laboratory am Fachbereich Psychologie der BGU ist eine der führenden Expertinnen auf diesem Gebiet und hofft, dass maladaptives Tagträumen in die nächste Ausgabe des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM VI) aufgenommen wird, wobei sie sich für eine rigorose Forschung zu diesem Thema einsetzt.

„Einige Personen, die ihren phantasievollen Tagträumen verfallen, haben große Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und ihre Aufmerksamkeit auf schulische und berufliche Aufgaben zu lenken, und stellen fest, dass eine ADHS-Diagnose und der anschließende Behandlungsplan ihnen nicht unbedingt helfen. Eine formale Klassifizierung von MD als psychische Störung würde es Psychologen ermöglichen, vielen ihrer Patienten besser zu helfen“, sagt Soffer-Dudek.

Maladaptives Tagträumen bei ADHS

In früheren Studien wurde bei Patienten mit MD stärkere Symptome von ADHS festgestellt, so dass sich die Frage stellte, ob Maladaptives Tagträumen von ADHS getrennt werden kann.

In der aktuellen im Journal of Clinical Psychology veröffentlichten Studie untersuchte die Nitzan Theodor-Katz zusammen mit Soffer-Dudek und ihren Kollegen von der Universität Haifa 83 Erwachsene, bei denen ADHS diagnostiziert wurde, auf Unaufmerksamkeitssymptome, maladaptives Tagträumen, Depression, Einsamkeit und Selbstwertgefühl.

Von diesen erfüllten etwa 20 % die vorgeschlagenen diagnostischen Kriterien für maladaptives Tagträumen, wobei die Raten von Depressionen, Einsamkeit und vermindertem Selbstwertgefühl deutlich höher waren als bei Personen mit ADHS, die die Kriterien für maladaptives Tagträumen nicht erfüllten.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es eine Untergruppe von Menschen mit einer ADHS-Diagnose gibt, die von einer MD-Diagnose stärker profitieren würde“, sagt Soffer-Dudek.

© Psylex.de – Quellenangabe: Journal of Clinical Psychology (2022). DOI: 10.1002/jclp.23355

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