Psychisch in guter Verfassung trotz ADHS

Zwei von fünf Erwachsenen mit ADHS erfreuen sich einer ausgezeichneten psychischen Gesundheit

12.04.2022 Eine neue repräsentative und im International Journal of Applied Positive Psychology veröffentlichten Studie ergab, dass sich zwei von fünf Erwachsenen (42 %) mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) in einer ausgezeichneten psychischen Verfassung befinden.

Psychisch gesund

Um als psychisch gesund zu gelten, mussten die Teilnehmer Folgendes angeben: keine psychischen Erkrankungen im letzten Jahr (d. h. Störungen durch Drogenkonsum, Depressionen, Angstzustände, Suizidalität), fast tägliches Glücksempfinden bzw. Lebenszufriedenheit im letzten Monat und ein hohes Maß an sozialem und psychologischem Wohlbefinden im letzten Monat.

„Dieses Ergebnis ist eine sehr hoffnungsvolle Botschaft sowohl für Menschen, die mit ADHS zu kämpfen haben, als auch für ihre Angehörigen“, sagt die Hauptautorin Esme Fuller-Thomson von der Universität Toronto.

„Diese Forschung markiert einen Paradigmenwechsel. Die meisten früheren Forschungsarbeiten, einschließlich meiner eigenen, konzentrierten sich auf psychische Erkrankungen bei Menschen mit ADHS, so dass es erfrischend und sehr ermutigend ist, sich auf diejenigen zu konzentrieren, die psychisch gesund sind und gedeihen.“

Die Forscher untersuchten eine landesweit repräsentative Stichprobe von 480 Befragten mit ADHS und 21.099 Befragten ohne ADHS aus dem Canadian Community Health Survey-Mental Health von Statistics Canada.

Einflussfaktoren

Die Studie ermittelte mehrere Faktoren, die mit einer umfassenden psychischen Gesundheit bei Personen mit ADHS in Verbindung gebracht wurden. Personen ohne chronische Schmerzen und ohne Depressionen oder Angstzustände in der Lebensgeschichte wiesen eine höhere Wahrscheinlichkeit auf, dass es ihnen gut ging.

„Unsere Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, bei der Betreuung von Menschen mit ADHS auf komorbide psychische Probleme einzugehen“, sagt Mitautor Bradyn Ko. „Menschen mit ADHS, die auch mit Depressionen und Angstzuständen zu kämpfen haben, stehen vor erheblichen Hindernissen, um eine umfassende psychische Gesundheit zu erreichen, und können von einer gezielten Betreuung profitieren. Die kognitive Verhaltenstherapie ist eine vielversprechende Intervention, die sich bei Menschen mit ADHS als wirksam erwiesen hat.

Weitere Faktoren, die mit einer umfassenden psychischen Gesundheit in Verbindung gebracht wurden, sind u. a. die Tatsache, dass man verheiratet ist, körperlich aktiv ist und Spiritualität zur Bewältigung der täglichen Herausforderungen einsetzt.

Diese Ergebnisse weisen auf potenziell modifizierbare Risikofaktoren hin, die das Wohlbefinden von Erwachsenen mit ADHS fördern können, sagt Mitautorin Lauren Carrique. „Im Vergleich zu sitzender Tätigkeit vervierfacht ein optimales Maß an körperlicher Aktivität die Wahrscheinlichkeit einer umfassenden psychischen Gesundheit. Dies unterstreicht den potenziellen Wert von körperlicher Aktivität für die psychische Gesundheit von Menschen mit ADHS.

Frauen mit ADHS

In der Studie wurden auch bestimmte Untergruppen von Erwachsenen mit ADHS ermittelt, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer umfassenden psychischen Gesundheit geringer ist, wie z. B. bei Frauen.

Der Befund, dass die weiblichen Befragten weniger wahrscheinlich eine gute psychische Gesundheit aufweisen, unterstreicht die besondere Anfälligkeit von Frauen mit ADHS, sagt Mitautorin Andie MacNeil. „Dies deckt sich mit anderen Forschungsergebnissen, die höhere Raten von Depressionen, Angstzuständen und Suizidalität bei Frauen mit ADHS festgestellt haben, was diese Lücke im psychischen Wohlbefinden teilweise erklären könnte.“

Die Prävalenz der umfassenden psychischen Gesundheit unter den Personen ohne ADHS lag bei 73,8 % und war damit deutlich höher als die 42,0 % der Personen mit ADHS, die sich vollkommen psychisch gesund fühlten.

„Obwohl wir überrascht und erfreut waren, dass zwei von fünf Erwachsenen mit ADHS sich in ausgezeichneter psychischer Verfassung befanden, liegen sie immer noch weit hinter ihren Altersgenossen ohne ADHS zurück, bei denen es 74 % gut ging. Es gibt noch viel zu tun, um die Kluft zwischen Menschen mit und ohne ADHS in Bezug auf die psychische Gesundheit zu schließen“, sagt Fuller-Thomson. „Diese Studie macht auf diese Diskrepanz aufmerksam und zeigt gleichzeitig mögliche Mechanismen zur Verringerung dieser Diskrepanz auf.

© Psylex.de – Quellenangabe: International Journal of Applied Positive Psychology (2022). DOI: 10.1007/s41042-022-00062-6




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