ADHS verbunden mit Messie-Syndrom

Erhöhte Werte für zwanghaftes Horten bei ADHS: Ein besonderer Zusammenhang mit Unaufmerksamkeit

26.02.2022 Eine im Journal of Psychiatric Research veröffentlichte Forschungsarbeit hat ergeben, dass Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit auch ein Messie-Syndrom (zwanghaftes Horten) aufweisen, das ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann.

Die von der British Academy und dem Leverhulme Trust finanzierte Studie ergab, dass fast jeder Fünfte mit ADHS ein klinisch signifikantes Ausmaß eines Messie-Syndroms aufweist, was darauf hindeutet, dass es eine unbekannte Anzahl von Erwachsenen gibt, die mit zwanghaftem Horten und dessen Folgen zu kämpfen haben.

Zwanghaftes Horten bzw. das Messie-Syndrom ist eine anerkannte psychische Erkrankung, die mit übermäßiger Anhäufung, Problemen beim Wegwerfen und übermäßiger Unordnung einhergeht. Die Störung kann zu Beschwerden oder Schwierigkeiten im Alltag führen und zu Depressionen und Angstzuständen beitragen.

Bisherige Forschungen zum Messie-Syndrom konzentrierten sich vor allem auf ältere Frauen, die sich selbst als Messies einstuften und später im Leben Hilfe gesucht haben. Für diese neue Studie unter der Leitung von Dr. Sharon Morein von der Anglia Ruskin University (ARU) wurden 88 Teilnehmer aus einer ADHS-Klinik für Erwachsene untersucht, die vom Cambridge and Peterborough NHS Foundation Trust betrieben wird.

Jeder fünfte mit ADHS zeigte Messiesymptome

Die Studie ergab, dass 19 % dieser ADHS-Gruppe klinisch signifikante Symptome eines Messie-Syndroms aufwiesen; sie waren im Durchschnitt über 30 Jahre alt und die Geschlechter gleichmäßig verteilt. Bei den verbleibenden 81 % stellten die Forscher im Vergleich zur Kontrollgruppe der Studie eine stärkere Ausprägung des Hortens fest, jedoch nicht in einem Ausmaß, das ihr Leben erheblich beeinträchtigte.

Die Forscher stellten einer Vergleichsgruppe von 90 Erwachsenen aus der Allgemeinbevölkerung ohne ADHS-Diagnose dieselben Fragen zu ADHS-Symptomen und Impulsivität, dem Ausmaß des Hortens und der Unordnung, dem Schweregrad von Zwangsvorstellungen, Perfektionismus, Depressionen und Ängsten sowie dem Funktionieren des Alltags und stellten fest, dass nur 2 % dieser Kontrollgruppe klinisch signifikante Hortungssymptome aufwiesen.

Anschließend wiederholten sie die Ergebnisse mit einer größeren Online-Stichprobe von 220 Erwachsenen aus dem Vereinigten Königreich, um zu sehen, ob ähnliche Muster gefunden wurden, und auch hier wiesen nur 3 % dieser Gruppe Symptome auf.

Unaufmerksamkeit

Unaufmerksamkeit war der einzige signifikante statistische Prädiktor für den Schweregrad des Hortens bei den Patienten.

Ebenso war Unaufmerksamkeit neben Depression und Angst der wichtigste Prädiktor für Horten in der unabhängigen Stichprobe, in der 3,2 % als klinisch signifikant hortende Patienten identifiziert wurden.

Patienten mit ADHS wiesen eine hohe Häufigkeit von Messiesymptomen auf, die speziell mit Unaufmerksamkeit verbunden waren.

Sensibilisierung für das Auftreten beider Störungen

Dr. Morein, außerordentliche Professorin für Psychologie an der Anglia Ruskin University (ARU), sagte in einer Pressemitteilung: Das Messie-Syndrom ist viel mehr als nur das Sammeln von zu vielen Besitztümern. Menschen, bei denen eine Hortungsstörung diagnostiziert wurde, haben ihre Wohnräume mit so vielen Gegenständen und Unordnung gefüllt, dass dies ihr tägliches Funktionieren beeinträchtigt und zu einer schlechteren Lebensqualität, Angst und Depression führt.

Insgesamt stellten die Psychologen fest, dass bei Personen mit ADHS die Wahrscheinlichkeit höher für das Vorliegen eines Messie-Syndroms war. Dies zeige, dass zwanghaftes Horten nicht nur Menschen im späteren Lebensalter betrifft, die normalerweise im Mittelpunkt der bisherigen Forschung zum Messie-Syndrom stehen.

Die Ergebnisse deuten auch darauf hin, dass das Messie-Syndrom bei Personen mit ADHS routinemäßig untersucht werden sollte, da die damit verbundenen Probleme von den Betroffenen in der Regel nicht offengelegt werden, obwohl diese ihr Alltagsleben beeinträchtigen könnten. Ebenso ist es möglich, dass viele Menschen, die derzeit wegen eines Messie-Syndroms behandelt werden, auch eine nicht diagnostizierte ADHS haben.

Eine stärkere Sensibilisierung von Ärzten und Menschen mit ADHS für den Zusammenhang zwischen ADHS und Messie-Syndrom könnte auch zu einem wirksameren langfristigen Kontrolle führen, da sich das Horten oft mit der Zeit verschlimmert, schließt die Psychologin.

© Psylex.de – Quellenangabe: Journal of Psychiatric Research (2021). DOI: 10.1016/j.jpsychires.2021.12.024

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