Anhand Mimik / Stimme kann zwischen Schizophrenie und bipolaren Störungen unterschieden werden

Mimische Merkmale lieferten das stärkste Signal für Männer, stimmliche Merkmale boten das stärkste Signal für Frauen

16.02.2022 Audiovisuelle Merkmale können zwischen schizophrenen und bipolaren Störungen unterscheiden. Dies geht aus einer in der Zeitschrift JMIR Mental Health veröffentlichten Studie hervor.

Analyse audiovisueller Daten

Dr. Michael L. Birnbaum vom Zucker Hillside Hospital in Glen Oaks, New York, und seine Kollegen untersuchten, ob aus audiovisuellen Mustern zuverlässige Rückschlüsse – psychiatrische Anzeichen, Symptome und Diagnosen – gezogen werden können, indem sie die audiovisuellen Daten von 89 Teilnehmern verwendeten: 41 Personen mit Schizophrenie-Spektrum-Störungen, 21 Personen mit bipolarer Störung und 27 gesunde Freiwillige.

Auf der Grundlage von akustischen Merkmalen (Stimme) und Gesichtsbewegungen (Mimik), die aus den Interviews der Teilnehmer extrahiert wurden, wurden maschinelle Lernmodelle entwickelt. Die Leistung des Modells wurde anhand der Fläche unter der Receiver Operating Characteristic Curve (AUROC) bei fünffacher Kreuzvalidierung bewertet.

Visuelle Merkmale bei Männern

Die Forscher fanden heraus, dass das Modell bei der Zusammenführung von Gesichts- und Stimmmerkmalen erfolgreich zwischen Schizophrenie-Spektrum-Störungen und bipolaren Störungen unterscheidet (AUROC: 0,73).

Bei Männern wurde das stärkste Signal für Gesichtsaktionseinheiten, einschließlich des Wangenhebemuskels und des Kinnhebemuskels, beobachtet (AUROC: 0,64 bzw. 0,74).

Stimmliche Merkmale bei Frauen

Bei Frauen wurde das stärkste Signal von stimmlichen Merkmalen geliefert, einschließlich der Energie im Frequenzband von 1 bis 4 kHz und der spektralen Harmonizität (AUROC: 0,80 bzw. 0,78).

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen konnte das Signal der Lippeneckenzugmuskeln zwischen den Diagnosen unterscheiden (AUROC: 0,61 bzw. 0,62).

Bestimmte psychiatrische Anzeichen und Symptome

Bestimmte psychiatrische Anzeichen und Symptome konnten erfolgreich abgeleitet werden, darunter abgestumpfter Affekt (emotionale Taubheit), Avolition (Antriebsstörung: Unfähigkeit, zielgerichtete Handlungen zu beginnen und aufrechtzuerhalten), fehlender Stimmeinsatz, Asozialität und Wertlosigkeitsgefühle (AUROC: 0,81, 0,72, 0,71, 0,63 bzw. 0,61).

Die Integration audiovisueller Merkmale könnte verändern, wie Kliniker im Bereich der psychischen Erkrankungen Patienten diagnostizieren und überwachen, indem sie eine schnellere und genauere Identifizierung von Krankheiten ermöglichen und einen personalisierten Ansatz in der Medizin unterstützen, schreiben die Autoren.

© Psylex.de – Quellenangabe: JMIR Ment Health 2022;9(1):e24699 doi: 10.2196/24699

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