Bewegung kann älteren Menschen helfen, ihr Gedächtnis zu bewahren

Aerobes Training verbessert das episodische Gedächtnis im späten Erwachsenenalter

18.02.2022 Wir alle wissen, dass Bewegung gut für uns ist, aber es bleiben noch viele Fragen offen. Wie viel Bewegung? Wer profitiert am meisten davon? Und zu welchem Zeitpunkt in unserem Leben?

Eine neue Forschungsarbeit unter der Leitung von Psychologen der Universität Pittsburgh fasst Daten aus Dutzenden von Studien zusammen, um diese Fragen zu beantworten, und zeigt, dass ältere Menschen durch regelmäßiges Training den Rückgang einer bestimmten Art von Gedächtnis verhindern können.

Nutzen für episodisches Gedächtnis

Hauptautorin Sarah Aghjayan vom Bereich Gesundheitspsychologie an der Kenneth P. Dietrich School of Arts and Sciences sagt: Aus ihrer Studie gehe hervor, dass man mindestens vier Monate lang dreimal pro Woche trainieren sollte, um Nutzen beim episodischen Gedächtnis zu erzielen.

Das episodische Gedächtnis befasst sich mit Ereignissen, die sich in der Vergangenheit zugetragen haben. Es ist auch eines der ersten, das mit dem Alter nachlässt.

Bewegung, die das Herz in Schwung bringt, hat sich als vielversprechend erwiesen, wenn es um die Gesundheit des Gehirns geht, und Experimente an Mäusen haben gezeigt, dass sie das Gedächtnis verbessert – aber Studien, die den gleichen Zusammenhang beim Menschen untersuchten, kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Die Studie

Auf der Suche nach Klarheit in der unübersichtlichen wissenschaftlichen Literatur untersuchte das Team 1.279 Studien und beschränkte sich schließlich auf 36, die bestimmte Kriterien erfüllten und verglichen die Ergebnisse.

Die Zusammenfassung dieser 36 Studien zeigt, dass Bewegung bei älteren Menschen tatsächlich dem Gedächtnis zugute kommen kann.

Frühere Analysen, in denen Zusammenhänge zwischen körperlicher Betätigung und Gedächtnis untersucht wurden, haben keine gefunden, aber Aghjayan und ihr Team haben einige zusätzliche Schritte unternommen, um die besten Chancen zu haben, einen Zusammenhang zu finden, wenn es ihn denn gäbe. Sie beschränkten ihre Suche auf bestimmte Gruppen und Altersgruppen sowie auf eine bestimmte Art von strengem Versuchsaufbau. Ein weiterer Schlüssel war die Fokussierung auf das episodische Gedächtnis.

„Wenn wir all diese Daten kombinieren und zusammenführen, können wir fast 3.000 Teilnehmer untersuchen“, sagte Aghjayan. „Jede einzelne Studie ist sehr wichtig: Sie alle tragen auf sinnvolle Weise zur Wissenschaft bei. Einzelne Studien können jedoch aufgrund mangelnder Ressourcen für ein ausreichend großes Experiment nicht die Muster finden, die tatsächlich existieren. Die einzelnen Studien konnten keinen Zusammenhang zwischen körperlicher Betätigung und dem Gedächtnis feststellen – es bedurfte der Betrachtung der gesamten Forschung, um das Muster zu erkennen.“

Mit diesem viel größeren Pool an Teilnehmern konnte das Team einen Zusammenhang zwischen Bewegung und episodischem Gedächtnis nachweisen, aber auch damit beginnen, spezifischere Fragen darüber zu beantworten, wer davon profitiert und wie.

Bei wem zeigen sich Verbesserungen?

Die Psychologen stellten fest, dass sich das Gedächtnis bei den 55- bis 68-Jährigen stärker verbessert hat als bei den 69- bis 85-Jährigen – es ist also besser, früher zu intervenieren, sagte Aghjayan. Das Team stellte außerdem fest, dass die stärksten Auswirkungen von Bewegung bei denjenigen zu beobachten waren, die noch keine kognitiven Beeinträchtigungen aufwiesen, sowie in Studien, in denen die Teilnehmer regelmäßig mehrmals pro Woche trainierten.

Es bleiben noch einige Fragen offen. Die Analyse des Teams konnte nicht beantworten, wie sich die Intensität des Trainings auf die Nutzen für das Gedächtnis auswirkt, und es gibt noch viel über den Mechanismus hinter diesem Zusammenhang zu lernen. Aber die Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit sind klar: Bewegung ist eine einfache Möglichkeit für ältere Menschen, Gedächtnisverlusten vorzubeugen, was ihnen selbst, ihren Betreuern und dem Gesundheitssystem zugute kommt, so Aghjayan.

© Psylex.de – Quellenangabe: Communications Medicine (2022) DOI: 10.1038/s43856-022-00079-7

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