Bildschirmzeit und psychische Gesundheit: Studie zeigt Zusammenhang bei Kindern

Bildschirmzeit und frühkindliche psychische Gesundheit, schulische und soziale Leistungen bei 9- und 10-jährigen Kindern

12.09.2021 Kinder im Schulalter, die mehr Zeit vor Bildschirmen verbringen, haben ein moderat höheres Risiko für Aufmerksamkeitsstörungen, Schlafstörungen oder schlechtere Noten aber leiden nicht häufiger unter Depressionen und Angstzuständen. Dies ist das Ergebnis einer in PLOS ONE veröffentlichten Studie.

Die Studie zeigt auch eine mögliche positive Seite der oft kritisierten Geräte auf: Kinder, die mehr Zeit am Bildschirm verbringen, hatten mehr enge Freunde.

Für die Studie analysierten Katie Paulich vom Fachbereich Psychologie von der University of Colorado at Boulder und Kollegen Informationen aus einer nationalen Stichprobe von 11.800 9- und 10-Jährigen aus, darunter Fragebogen zur Bildschirmzeit, elterliche Berichte über Verhaltensprobleme und Noten sowie Bewertungen der psychischen Gesundheit.

Ergebnisse

Im Durchschnitt verbrachten Jungen täglich etwa 45 Minuten mehr mit Bildschirmen als Mädchen, mit einem Höchstwert von fast fünf Stunden täglich an Wochenenden und vier Stunden an Wochentagen.

Jungen und Mädchen nutzten Bildschirme unterschiedlich, wobei Jungen doppelt so viel Zeit mit Videospielen und Mädchen mehr Zeit mit sozialen Medien verbrachten. (In den Daten, die vor der COVID-19-Pandemie erhoben wurden, wurde die Bildschirmzeit im Zusammenhang mit Hausaufgaben oder Online-Lernen nicht berücksichtigt).

Wie frühere, kleinere Studien ergab auch diese Untersuchung, dass Kinder mit mehr Bildschirmzeit tendenziell schlechter schliefen, schlechtere Noten bekamen und mehr „externalisierende“ Verhaltensweisen zeigten (wie ADHS, Verhaltensstörungen und oppositionelles Trotzverhalten).

Im Vergleich zu anderen Faktoren, die ihr Leben prägen, war der Einfluss der Bildschirmzeit jedoch gering.

So hatte beispielsweise der sozioökonomische Status eines Kindes einen 2,5-mal größeren Einfluss auf solche Verhaltensmerkmale, schreiben die Psychologen. Von allen untersuchten Einflüssen machte die Bildschirmzeit nur etwa 2 % der Unterschiede zwischen den Kindern bei den gemessenen Ergebnissen aus.

Die Zusammenhänge bleiben unklar

In der Studie wurden zwar Zusammenhänge zwischen der Bildschirmzeit und einigen psychischen Gesundheits- und Verhaltensproblemen festgestellt, doch Paulich betont, dies müsse nicht bedeute, dass diese Probleme dadurch verursacht würden. Es könnte sogar das Gegenteil der Fall sein.

So könnten Eltern mit Kindern, die zu aggressivem Verhalten oder mangelnder Aufmerksamkeit neigen, eher dazu tendieren, sie mit einem Videospiel zu beschäftigen. Kinder, die aus anderen Gründen nicht schlafen können, greifen vielleicht zu ihren Smartphones, um sich die Zeit zu vertreiben.

Es könnte sein, dass die Art der Bildschirmnutzung eine größere Rolle spielt als die Zeit, so Paulich. So haben frühere Untersuchungen ergeben, dass gemeinsam gespielte Videospiele Beziehungen fördern können, insbesondere bei Jungen (die dazu neigen, sie häufiger zu spielen), während das alleinige Anschauen von Serien negative Folgen haben kann. Mehr Forschung ist notwendig.

Da die neue Studie nur Jugendliche im Alter von neun und 10 Jahren untersuchte, lassen sich die Ergebnisse nicht unbedingt auf ältere Kinder übertragen. Die Forscher beabsichtigen, die Gruppe über einen längeren Zeitraum zu beobachten.

© arznei-news.de – Quellenangabe: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0256591

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