Depression: Wirksamkeit von internetbasierter kognitiver Verhaltenstherapie

Risiken, Optimierung und Personalisierung der kognitiven Verhaltenstherapie bei Depressionen im Internet: eine systematische Untersuchung

04.08.2021 Internetbasierte kognitive Verhaltenstherapie (KVT) zur Behandlung von Depressionen ist oft genauso wirksam wie eine traditionelle KVT. Dies geht aus einer internationalen Studie hervor, an der Wissenschaftler der Universität Göteborg beteiligt waren. Einige Online-Therapien haben jedoch Komponenten, die schädlich sein können.

Die Internet-KVT (iKVT) als Behandlungsmethode ist auf dem Vormarsch. Bislang war jedoch unklar, welche Teile der Behandlung bei Depressionen am hilfreichsten sind, welche weniger wirksam sind und welche den Patienten möglicherweise schaden.

In einer internationalen Studie haben sich Forscher der Universität Göteborg an einer systematischen Literaturübersicht und Metaanalyse beteiligt. Die Studie stützte sich auf 76 randomisierte kontrollierte Studien (RCT) in Schweden und anderen Ländern. Insgesamt umfassten die RCT 17.521 Patienten, von denen 71 % Frauen waren.

Die unter Federführung der Universität Kyoto in Japan durchgeführte Studie wurde in der Zeitschrift The Lancet Psychiatry veröffentlicht. Eine der Koautoren ist Cecilia Björkelund, Seniorprofessorin für Familienmedizin an der Sahlgrenska-Akademie der Universität Göteborg.

Bei leichten oder mittelschweren Depressionen

Bei leichten oder mittelschweren Depressionen ist die Wirkung der iKVT genauso gut wie die der herkömmlichen KVT. Für viele ist es eine hervorragende Möglichkeit, Zugang zu einer Therapie zu erhalten, ohne einen Therapeuten aufsuchen zu müssen. Wir haben auch gesehen, dass sie besonders gut für ältere Menschen ist – ein Ergebnis, das wir nicht unbedingt erwartet hatten, sagt sie.

Wie bei der traditionellen KVT geht es auch bei der Online-Therapie darum, die Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen der Patienten zu ändern, die sie in ihrem Leben beeinträchtigen und ihre Stimmung verschlechtern. Während der Behandlung, die oft etwa zehn Wochen dauert, erhalten sie Aufgaben und Übungen, die sie selbständig durchführen sollen.

Der für die Prognose wichtigste Faktor war das Ausmaß der Depression zu Beginn der Behandlung. Bei leichteren Depressionen wurden bessere Ergebnisse erzielt. Die Unterstützung durch den Therapeuten und Erinnerungen per SMS erhöhten den Anteil der Patienten, die die Therapie abschlossen.

Wenn man iKVT im Gesundheitswesen einsetzen will, müssen die Programme genauso gut reguliert sein wie Medikamente, aber das ist heute nicht der Fall. Mit dieser Studie machen wir einen echten Schritt nach vorn. Erstens untersucht die Studie, was am wirksamsten ist. Zweitens liefert sie Erkenntnisse darüber, wie man ein Programm gestalten und seine Zusammensetzung an die Probleme der Patienten anpassen kann, sagt Björkelund.

Entspannungsprogramme nicht ratsam

Die iKVT erfordert jedoch einen kontinuierlichen therapeutischen Kontakt. Ein Grund dafür ist, dass der Therapeut in der Lage sein muss, innerhalb von drei bis vier Wochen eine Verbesserung zu sehen, um sicherzustellen, dass der Trend nicht in die falsche Richtung geht. Björkelund betont die große potenzielle Gefahr durch Depressionen. Bei schweren Depressionen ist eine internetgestützte Therapie ungeeignet.

Die Studie zeigt die Risiken des Einsatzes von iKVT mit Programmen, die Entspannungstherapie beinhalten. Dies kann sich eher negativ auswirken, indem es depressive Symptome verschlimmert und „entspannungsinduzierte Angst“ hervorruft, als dass es nützlich wäre.

Für eine depressive Person ist das nicht ratsam. Entspannungsprogramme sollten nicht als Teil der Depressionsbehandlung in der Gesundheitsversorgung eingesetzt werden, sagt Björkelund.

© psylex.de – Quellenangabe: The Lancet Psychiatry (2021). DOI: 10.1016/S2215-0366(21)00077-8

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