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Exzessive Smartphone-Nutzung führt bei vielen zur Nomophobie

Studie untersuchte Verbreitung der Nomophobie in Deutschland mit einer deutschen Adaption des Nomophobie-Fragebogens (NMP-Q-D)

Exzessive Smartphone-Nutzung führt bei vielen zur Nomophobie

02.02.2023 Nomophobie (“no mobile phone phobia”; die Angst nicht erreichbar zu sein, weil das Smartphone nicht zugegen ist) ist eine negative Folge der übermäßigen Smartphone-Nutzung. Eine Studie der PFH Private Hochschule Göttingen hat gezeigt, dass Nomophobie in Deutschland weit verbreitet ist.

„Bisher gab es in Deutschland kein geprüftes diagnostisches Instrument für Nomophobie“, sagt Dr. Yvonne Görlich, Professorin für Psychologische Diagnostik und Differentielle Psychologie an der PFH Private Hochschule Göttingen. „Für unsere Studie haben wir den international häufig eingesetzten Fragebogen Nomophobia Questionnaire NMP-Q [3] übersetzt und validiert“. Dieser Fragebogen erfasst vier Dimensionen, die für „Smartphone-Entzug“ typisch sind:

  1. “Nicht kommunizieren können”,
  2. “Verbindungsverlust”,
  3. “Nicht auf Informationen zugreifen können” und
  4. “Komfortverzicht”.

Diese Faktoren korrelieren unterschiedlich stark mit Persönlichkeitsmerkmalen, wie Gewissenhaftigkeit, Offenheit oder Neurotizismus aber auch mit Angst und Stress.

Nomophobie als psychische Störung

Die Studie der PFH zeigte, dass 49,4% ein mittleres Maß und 4,1% eine schwere Nomophobie aufweisen. Nomophobie ist ein eigenständiges Konstrukt, obwohl es Überschneidungen mit Smartphone- und Internetsucht gibt.

„Geht das Handy verloren oder ist man aufgrund eines Funklochs oder eines leeren Akkus kurzzeitig nicht erreichbar, kommt es zu einem subjektiv verschobenen, übermäßigen Angstempfinden“, sagte Görlich in einer Pressemitteilung. „Smartphone-Abhängigkeit zählt zu den Suchterkrankungen, während Nomophobie eine Angststörung ist“, erläutert die Psychologin den Unterschied.

Betroffene erleben einen Verlust der Kontrolle über ihre Smartphone-Nutzung, der Auswirkungen auf andere Bereiche ihres Lebens hat.

„In früheren Studien wurden signifikante Zusammenhänge zwischen Nomophobie und Einsamkeit, Depression, Ablenkung und verminderter Impulskontrolle festgestellt“, sagte Görlich.

Eine weitere Angst, die eng mit Nomophobie verbunden ist, ist die Furcht, etwas zu verpassen, bekannt als Fear of Missing Out (FoMO).

Frauen und Männer

Die Studie zeigte, dass Männer im Durchschnitt weniger stark betroffen waren und einen Nomophobie-Wert von 54 erreichten, Frauen dagegen einen von 63. Ohne ihr Smartphone fühlen sich Betroffene unbehaglich, nervös, ängstlich oder gereizt. Frauen hatten bei den Faktoren “Nicht kommunizieren können” und “Komfortverzicht” signifikant höhere Werte als Männer.

Es gab keine signifikanten Unterschiede in der Häufigkeit der Smartphone-Nutzung, aber Frauen verbrachten mehr Zeit mit dem Smartphone als Männer.

„Wir können davon ausgehen, dass Frauen aufgrund eines stärkeren Bedürfnisses nach sozialen Beziehungen das Smartphone stärker zur Kommunikation nutzen und somit höhere Nomophobie-Scores erzielen“, sagte Görlich.

© Psylex.de – Quellenangabe: PLoS ONE 17(12): e0279379. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0279379.

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