Gute Elternbindung = gutes COVID-Verhalten?

Bindungssicherheit beeinflusst die prosozialen und gesundheitsschützenden Reaktionen Jugendlicher auf die COVID-19-Pandemie

05.01.2022 Die Eindämmung der COVID-19-Pandemie hängt davon ab, inwieweit die Menschen ein prosoziales Verhalten an den Tag legen – ein Verhalten, das anderen zugute kommt.

Wir tragen Masken, um uns selbst, aber auch unsere Mitmenschen zu schützen. Wir lassen uns impfen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen, um die Gesellschaft der Herdenimmunität näher zu bringen.

Eine neue Studie der UC Riverside zeigt, dass das Ausmaß, in dem Jugendliche prosoziale Verhaltensweisen im Allgemeinen und COVID-19 gesundheitsschützende Verhaltensweisen im Besonderen zeigen, von der Sicherheit abhängt, die sie in den Beziehungen zu ihren primären Bezugspersonen empfinden.

Sicherheit in der Eltern-Kind-Beziehung

An der Studie aus dem Labor der Psychologieprofessorin Tuppett Yates von der UC Riverside nahmen 202 Jugendliche teil, von denen etwa die Hälfte weiblich und etwa die Hälfte Latino war. Die Forscher fanden heraus, dass die Sicherheit in der Eltern-Kind-Beziehung vor der Pandemie den Jugendlichen half, den Stress der Pandemie zu bewältigen, so dass sie weniger psychische Symptome aufwiesen. Jugendliche mit besserer psychischer Gesundheit zeigten wiederum in der COVID-19-Pandemie eher prosoziale und gesundheitsschützende Verhaltensweisen, wie z. B. soziale Distanzierung.

Zahlreiche Artikel in der populären Presse haben eine verstärkte Ausbreitung von COVID-19 in der Gemeinschaft infolge von Jugendlichen, die sich treffen und feiern, sowie die anhaltenden Schwierigkeiten bei der Aktivierung der gesundheitsschützenden Orientierung von Jugendlichen gegenüber anderen während dieser Krise dokumentiert, schreiben die Studienautoren. Die Jugend sei eine Zeit verstärkter Egozentrik, empfundener Unverwundbarkeit und risikofreudigen Verhaltens.

Bindungssicherheit und positives Gesundheitsverhalten

Frühere Forschungen haben bestätigt, dass eine einfühlsame und aufmerksame Betreuung dazu beiträgt, dass Kinder ein Gefühl von Vertrauen und Sicherheit in der Eltern-Kind-Beziehung entwickeln. Die Bindungssicherheit wiederum vermittelt den Kindern ein Gefühl des Selbstwerts und der Kontrolle über ihre Umgebung. Das gibt ihnen das Selbstvertrauen, schwierige Situationen wie die COVID-19-Pandemie zu bewältigen und anderen in Zeiten der Not zu helfen.

Sichere Bindungsbeziehungen vermitteln Kindern und Jugendlichen, dass sie es wert sind, dass man sich um sie kümmert, schreiben die Autoren. Bei Jugendlichen wird Bindungssicherheit mit positivem Ess-, Zahn-, Bewegungs- und Hygieneverhalten sowie mit einem geringeren Maß an gesundheitlichen Risikoverhaltensweisen wie Drogenkonsum und ungeschütztem Sex in Verbindung gebracht.

Die Studie

Die UCR-Studie ist die erste, die den Zusammenhang zwischen Bindungssicherheit bei Jugendlichen und prosozialem Verhalten während COVID-19 untersuchte. Drei Jahre vor der Pandemie, im Alter von 12 Jahren, wurden die Kinder zusammen mit ihren Eltern – 92,5 % von ihnen waren biologische Mütter – in einer Laborumgebung untersucht.

Mit 14 Jahren wurden die Kinder und ihre Eltern telefonisch für die Studie befragt. Ein Jahr später, im Frühjahr 2020, auf dem Höhepunkt des ersten COVID-19-Lockdowns in den USA, füllten die Kinder, die jetzt etwa 15 Jahre alt waren, und ihre Eltern Online-Umfragen aus, damit ihre Reaktionen auf COVID-19 bewertet werden konnten.

Von besonderer Bedeutung für die aktuelle Gesundheitskrise sind diese Ergebnisse, wonach Bindungssicherheit die psychische Gesundheit der Jugendlichen und die Einhaltung der COVID-19-Richtlinien für prosoziales, gesundheitsschützendes Verhalten unterstützt haben könnte, was für die Eindämmung dieser Pandemie von größter Bedeutung ist, schreiben die Autoren.

Die Psychologen vermuten, dass die Beziehungsdynamik zwischen Eltern und Jugendlichen ein Schlüssel zur Förderung der psychischen Gesundheit der Jugendlichen sowie ihres schützenden und prosozialen Gesundheitsverhaltens sein könnte.

Wie bei vielen sozialen Bewegungen in der Geschichte, von den Bürgerrechten bis hin zur umweltpolitischen Gerechtigkeit, haben Jugendliche das Potenzial, als Reaktion auf die COVID-19-Pandemie mächtige Akteure des sozialen Wandels zu sein, schlossen die Autoren. Indem wir unsere Jugendlichen unterstützen, können wir unsere stärksten Verbündeten gewinnen, nicht nur im laufenden Kampf um die Eindämmung der COVID-19-Pandemie, sondern auch bei künftigen Bemühungen um die Bewältigung von Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit und des Wohlbefindens, schließen sie.

© Psylex.de – Quellenangabe: Child Development (2021). DOI: 10.1111/cdev.13639

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