Können Umarmungen Stress verringern?

Umarmung des Partners reduziert die Cortisolausschüttung nach akutem Stress bei Frauen, aber nicht bei Männern

19.05.2022 Wenn Frauen ihren Beziehungspartner vor einer stressigen Erfahrung umarmen sollten, hatten sie eine geringere biologische Stressreaktion – wie die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Speichel zeigt – als Frauen, die ihren Partner nicht umarmten. Dieser Effekt wurde bei Männern nicht beobachtet. Gesa Berretz von der Ruhr-Universität Bochum und Kollegen stellten diese Ergebnisse in der Open-Access-Zeitschrift PLOS ONE vor.

In manchen Situationen können soziale Berührungen als Puffer gegen Stress dienen. Frühere Forschungen haben gezeigt, dass Massagen, Umarmungen in Kombination mit Händchenhalten und Umarmungen in Kombination mit liebevoller Kommunikation die Anzeichen von Stress bei Frauen verringern können. Es gibt jedoch nur wenige Studien, die diese Wirkungen bei Männern untersucht haben, und auch die Wirkungen kurzer Umarmungen allein wurden noch nicht untersucht.

Um die potenziell stressreduzierende Wirkung von Umarmungen zu untersuchen, führten Berretz und Kollegen eine Analyse von 76 Personen in romantischen Beziehungen durch. Alle Teilnehmer wurden einem stressauslösenden Test unterzogen, bei dem sie gebeten wurden, eine Hand drei Minuten lang in ein Eiswasserbad zu halten, während sie beobachtet wurden und Blickkontakt mit einer Kamera hielten. Vor diesem Test wurde die Hälfte der Paare angewiesen, sich zu umarmen, während die anderen sich nicht umarmten. Die Forscher maßen vor und nach dem Experiment verschiedene Stressindikatoren, darunter auch den Cortisolspiegel im Speichel der Teilnehmer.

Geringere Cortisolreaktion nach Umarmung bei Frauen

Die statistische Analyse ergab, dass ihren Partner umarmende Frauen eine niedrigere Cortisolreaktion auf den Stresstest hatten als Frauen, die ihren Partner nicht umarmten. Bei Männern wurde jedoch kein Zusammenhang zwischen Umarmung und stressinduzierter Cortisolreaktion festgestellt. Auch bei anderen Stressindikatoren, wie z. B. Veränderungen des Blutdrucks und des emotionalen Zustands, wurde kein Zusammenhang mit der Umarmung des Partners festgestellt.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine kurze Umarmung mit einem romantischen Partner die Cortisolreaktion bei Frauen in stressigen sozialen Situationen wie Schulprüfungen, Vorstellungsgesprächen oder Präsentationen verringern könnte. Weitere Forschungsarbeiten könnten untersuchen, ob sich dieser Nutzen auch auf Umarmungen mit platonischen Freunden erstreckt.

Die Autoren plädieren auch für die Erforschung ähnlicher Auswirkungen der COVID-19-Pandemie. So könnte untersucht werden, ob soziale Einschränkungen (die soziale Berührungen einschränken) mit dem beobachteten Anstieg von Stress und Depressionen während der Pandemie in Verbindung stehen könnten.

Die Autoren schließen: Bei der Frau kann das Umarmen des Liebespartners die akute Stressreaktion des Körpers verhindern.

© Psylex.de – Quellenangabe: PLOS ONE (2022). DOI: 10.1371/journal.pone.0266887

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