Einflussfaktoren für Einsamkeit: Persönlichkeitsmerkmale und familiäre Verhältnisse in Kindheit

Einsamkeit unter Menschen in Europa: Die relative Bedeutung von frühen und späteren Lebensbedingungen

19.05.2022 Die Lebensumstände in der Kindheit – weniger Freunde und Geschwister, schlechte Beziehungen zu den Eltern, schlechter Gesundheitszustand und Aufwachsen in einem ärmeren Haushalt – stehen alle in Zusammenhang mit einer höheren Rate an Einsamkeit im Alter laut einer neuen Studie von Sophie Guthmuller von der Wirtschaftsuniversität Wien, Österreich, die in der Open-Access-Zeitschrift PLOS ONE veröffentlicht wurde.

Das Thema Vereinsamung ist in den letzten zehn Jahren zunehmend in den Blickpunkt des Interesses gerückt, da es nachweislich mit einer schlechten Gesundheit zusammenhängt und mit dem Alter zunimmt. Einsamkeitsgefühle sind mit einem höheren Risiko für psychische Erkrankungen und einer Verschlechterung der körperlichen Gesundheit verbunden und stehen in Zusammenhang mit Sterblichkeit und einer höheren Inanspruchnahme des Gesundheitswesens.

Die Studie

In der neuen Studie verwendete Guthmuller Daten aus der großen länderübergreifenden Erhebung über Gesundheit, Altern und Ruhestand in Europa (SHARE), die Informationen über Gesundheit, sozioökonomischen Status sowie soziale und familiäre Netzwerke von Personen ab 50 Jahren in ganz Europa sammelt. Die Einsamkeit wurde mit der UCLA Loneliness Scale gemessen.

Guthmuller fand heraus, dass zwar der Gesundheitszustand der Hauptfaktor ist, der mit der Einsamkeit im Alter korreliert und 43,32 % der Varianz der Einsamkeit erklärt, dass aber auch die soziale Unterstützung im Alter 27,05 % der Varianz ausmacht, während Persönlichkeitsmerkmale 10,42 % und die Lebensumstände in der Kindheit 7,50 % ausmachen.

  • Die Wahrscheinlichkeit, im Alter von 50 Jahren und darüber vereinsamt zu sein, war bei Personen, die in ihrer Kindheit selten oder nie Freunde hatten, 1,24-mal höher als bei Personen mit mehreren Freunden,
  • 1,34-mal höher bei Personen, die als Kind ein mittelmäßiges oder schlechtes Verhältnis zu ihrer Mutter hatten, als bei Personen mit einem ausgezeichneten mütterlichen Verhältnis, und
  • 1,21-mal höher bei Personen, die in einem Haushalt mit geringem Wohlstand aufwuchsen, als bei Personen in einem wohlhabenden Haushalt.
  • Einsamkeit war häufiger bei Personen mit einer neurotischen Persönlichkeit (OR 1,20) und seltener bei Personen mit hoher Ausprägung von Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Offenheit anzutreffen.

Guthmuller weist darauf hin, dass die Ergebnisse dieser Studie die Bedeutung von sozialen Netzen und Unterstützung im Alter sowie die Rolle von Persönlichkeitsmerkmalen und Kindheitserfahrungen bestätigen. Sie kommt zu dem Schluss, dass frühzeitige Maßnahmen der Schlüssel zur Bekämpfung der späteren Einsamkeit sind und dass Maßnahmen, die auf eine stärkere soziale Unterstützung im späteren Leben abzielen, an alle Persönlichkeitstypen angepasst werden müssen.

Die Autorin fügt hinzu: „Die Studie zeigt erwartungsgemäß, dass der Gesundheitszustand und die soziale Unterstützung im höheren Alter die beiden Hauptfaktoren sind, die mit der Einsamkeit im Alter von 50+ korrelieren. Interessanterweise zeigt die Studie, dass Persönlichkeitsmerkmale und Lebensumstände in der Kindheit in signifikantem Zusammenhang mit Einsamkeit im späteren Leben stehen, nachdem eine große Anzahl späterer Lebensumstände kontrolliert wurde. Angesichts des Trends zu zunehmender Einsamkeit in der Kindheit und der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf das Leben von Kindern bestätigen die Ergebnisse dieser Studie, wie wichtig frühzeitige Interventionen sind, um die langfristigen Auswirkungen der Einsamkeit zu bekämpfen.“

© Psylex.de – Quellenangabe: PLOS ONE (2022). DOI: 10.1371/journal.pone.0267562

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