rTMS bei Depression: Was im Gehirn während der Behandlung passiert

Prädiktiver Wert der akuten neuroplastischen Reaktion auf rTMS für den Behandlungserfolg bei Depressionen

18.05.2022 Zum ersten Mal haben Forscher die Veränderungen im Gehirn beobachtet, während jemand eine Depressionsbehandlung erhält, die als repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) bekannt ist. Die Ergebnisse wurden im American Journal of Psychiatry veröffentlicht.

Repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS)

Die rTMS ist eine Depressionsbehandlung, die in der Regel nach dem Versagen anderer Behandlungsmethoden – wie z. B. die Einnahme von Medikamenten – eingesetzt wird. Etwa 40 Prozent der Menschen mit schweren Depressionen sprechen nicht auf Antidepressiva an.

Während einer rTMS-Sitzung wird ein Gerät mit einer elektromagnetischen Spule an der Kopfhaut des Patienten angebracht. Das Gerät gibt dann schmerzlos einen magnetischen Impuls ab, der die Nervenzellen in einem Bereich des Gehirns stimuliert, der an der Stimmungssteuerung beteiligt ist, dem sogenannten dorsolateralen präfrontalen Kortex.

Obwohl sich die rTMS als wirksam erwiesen hat, sind die Mechanismen bei der Beeinflussung des Gehirns noch nicht genau bekannt.

„Als wir mit dieser Forschung begannen, war die Frage, die wir uns stellten, sehr einfach: Wir wollten wissen, was mit dem Gehirn passiert, wenn eine rTMS-Behandlung durchgeführt wird“, sagt Dr. Fidel Vila-Rodriguez vom Fachbereich für Psychiatrie der University of British Columbia und Forscher des Djavad Mowafaghian Centre for Brain Halth (DMCBH).

Um diese Frage zu beantworten, verabreichten Dr. Vila-Rodriguez und sein Team den Patienten einen Durchgang rTMS, während diese sich in einem Magnetresonanztomographen (MRT) befanden. Da der MRT die Gehirnaktivität messen kann, konnten die Forscher in Echtzeit sehen, welche Veränderungen im Gehirn vor sich gingen.

Während der Stimulation des dorsolateralen präfrontalen Kortex

Das Team fand heraus, dass durch die Stimulation des dorsolateralen präfrontalen Kortex auch mehrere andere Hirnregionen aktiviert wurden. Diese anderen Regionen sind an zahlreichen Funktionen beteiligt – von der Steuerung emotionaler Reaktionen über das Gedächtnis bis hin zur motorischen Kontrolle.

Anschließend unterzogen sich die Teilnehmer einer weiteren vierwöchigen rTMS-Behandlung, und das Team untersuchte, ob die aktivierten Regionen damit in Zusammenhang standen, dass die Patienten nach Abschluss der Behandlung weniger Symptome einer Depression aufwiesen.

„Wir fanden heraus, dass Hirnregionen, die während der gleichzeitigen rTMS-fMRT-Behandlung aktiviert wurden, in signifikantem Zusammenhang mit guten Behandlungsergebnissen standen“, sagt Vila-Rodriguez.

Die neue Karte, die zeigt, wie die rTMS die verschiedenen Hirnregionen stimuliert, soll hoffentlich zur Feststellung genutzt werden können, wie gut ein Patient auf die rTMS-Behandlung anspricht, schreiben die Studienautoren.

„Durch die Demonstration dieses Prinzips und die Identifizierung von Hirnregionen, die durch rTMS aktiviert werden, können wir nun versuchen zu klären, ob dieses Muster als Biomarker verwendet werden kann“, sagt Villa-Rodriguez.

Er erforscht nun, wie rTMS zur Behandlung einer Reihe von neuropsychiatrischen Störungen eingesetzt werden kann.

© Psylex.de – Quellenangabe: American Journal of Psychiatry (2022). DOI: 10.1176/appi.ajp.21050541

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