Masken tragen und soziale Angst

Studie: Das Tragen von Masken (die Maskenpflicht) kann soziale Ängste verstärken

21.06.2021 Menschen mit sozialen Ängsten (sozialen Phobien) könnten während und auch nach der COVID-19-Pandemie einen erhöhten Leidensdruck durch das Tragen von Masken verspüren.

Eine Studie von Forschern des Fachbereichs Psychologie und des Centre for Mental Health Research and Treatment der University of Waterloo weist auch auf Auswirkungen für Menschen, die in der zuvor nicht unbedingt unter sozialen Ängsten gelitten haben.

Die Forscher untersuchten die vorhandene Forschungsliteratur zu drei Faktoren, von denen sie annahmen, dass sie zu sozialer Angst im Zusammenhang mit dem Maskentragen beitragen könnten:

  • Überempfindlichkeit gegenüber sozialen Normen,
  • Wahrnehmungsverzerrung (Bias) bei der Identifizierung sozialer und emotionaler Gesichtsausdrücke (Mimik) und
  • die Neigung zur Selbstverstellung / zum Selbstverbergen als eine Form des Sicherheitsverhaltens.

Wahrnehmung sozialer Normen und Erwartungen

Die Psychologen Sidney Saint und David Moscovitch haben herausgefunden, dass das Tragen von Masken bei Menschen mit sozialen Ängsten bzw. Angststörungen wahrscheinlich von ihrer Wahrnehmung sozialer Normen und Erwartungen beeinflusst wird, die mit den Richtlinien des öffentlichen Gesundheitswesens übereinstimmen oder auch nicht und je nach Region und Kontext stark variieren können.

Erkennen zweideutiger sozialer Signale

Die Studie zeigt auch, dass Menschen mit sozialen Phobien Schwierigkeiten haben, zweideutige soziale Signale zu erkennen und diese eher negativ interpretieren. Diese Personen neigen auch dazu, sich Sorgen zu machen, unverständlich oder unbeholfen zu klingen. Die Wissenschaftler nehmen an, dass beide Probleme bei Interaktionen mit Masken wahrscheinlich verstärkt werden.

Selbstverbergung

Eine weitere wichtige Auswirkung ist, dass Masken als eine Art Selbstverbergungsstrategie funktionieren können, die es Menschen mit sozialen Ängsten ermöglicht, ihre selbst wahrgenommenen Fehler zu verstecken. Daher kann der Wunsch nach Selbstverbergung ihre Verwendung von Masken über den Wunsch hinaus motivieren, sich vor Ansteckung zu schützen.

Aufgrund ihrer selbstverbergenden Funktion kann es für manche Menschen schwierig sein, Masken abzulegen, selbst wenn das Maskentragen nicht mehr von der öffentlichen Gesundheit vorgeschrieben ist, sagte Saint.

Die Studie liefert nicht nur Erkenntnisse, die Klinikern bei der effektiven Beurteilung und Behandlung helfen, sondern zeigt auch, dass Menschen mit sozialen Ängsten besonders anfällig für Normübergänge sind, in denen sich die Erwartungen an das Maskentragen ändern oder zu einer Frage der persönlichen Entscheidung werden, schließen die Forscher.

© psylex.de – Quellenangabe: Sidney A. Saint & David A. Moscovitch (2021) Effects of mask-wearing on social anxiety: an exploratory review, Anxiety, Stress & Coping, DOI: 10.1080/10615806.2021.1929936

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