Neurofeedback-Training verbessert das Erinnerungsvermögen langfristig

23.09.2020 Ein Team von Experimentellen Neuropsychologinnen und -psychologen der Universität des Saarlandes hat gezeigt, dass sich die Aktivität der Theta-Wellen im Gehirn mittels Neurofeedback-Training gezielt steigern lässt. Zudem wiesen sie nach, dass ein mehrtägiges Training von Theta-Wellen das Erinnerungsvermögen von Testpersonen langfristig verbessern kann. Die Studie wurde in der renommierten neurowissenschaftlichen Zeitschrift NeuroImage veröffentlicht.

Kognitive Prozesse wie Wahrnehmung, Denken oder Erinnern lassen sich an der Frequenz der Gehirnwellen eines Menschen im Elektroenzephalogramm (EEG) ablesen. Dieses wird in verschiedene Frequenzbänder unterteilt. Ein solches EEG-Band stellen auch die Theta-Wellen dar: langsame Hirnstromwellen mit einer Frequenz von 4 bis 8 Hertz. Sie werden meist als „entspannter Wachzustand“ beschrieben und in jüngerer Zeit mit Prozessen der „Selbstoptimierung“ wie Achtsamkeit oder sogenanntem Flow-Erleben in Verbindung gebracht. Studien haben gezeigt, dass bestimmte Meditationstechniken, aber auch ein spezielles Multitasking-Training am Computer zur Erhöhung der Theta-Aktivität führen.

Parallel dazu wurde das EEG der Testpersonen aufgezeichnet. Dabei wurde auch der Anteil der Theta-Wellen erfasst und durch die Geschwindigkeit der Achterbahn an die Probanden rückgekoppelt. „Das Neurofeedback-Training bestand also darin, dass bei einem Anstieg der Theta-Wellen im Gehirn der Probanden auch die Geschwindigkeit der Achterbahn zunahm, während umgekehrt ein geringer Anteil von Theta-Wellen dazu führte, dass die Achterbahn stehenblieb“, erklärt Prof. Axel Mecklinger. Im Gegensatz dazu erhielten die 18 Probanden einer Kontrollgruppe Rückmeldungen auf zufällig ausgewählte Frequenzbänder ihres EEGs. Insgesamt fanden sieben Trainingssitzungen von je 30 Minuten über elf Tage statt.

Dabei wurden ihnen jeweils zunächst 200 Wörter präsentiert. Bei jedem Wort wurden sie gefragt, ob die durch die Wörter beschriebenen Objekte lebendig sind oder ob sie ihnen angenehm erscheinen. In einem anschließend durchgeführten Gedächtnistest wurden die zuvor gelernten Wörter zusammen mit einigen neuen Wörtern präsentiert. Schätzten die Probanden ein Wort als zuvor gesehen ein, wurden sie gefragt, mit welcher Quelle, das heißt, mit welcher Frage (lebendig oder angenehm) es zuvor präsentiert worden war.

Wer beispielsweise seinen Schlüsselbund verlegt habe, versuche sich zu erinnern, wann und wo er ihn zuletzt gesehen hat. „Damit besteht jede episodische Erinnerung unseres Lebens nicht nur aus einer Information oder einem Gegenstand, beispielsweise dem Schlüsselbund, sondern auch aus dem dazugehörigen Kontext“, erklärt die promovierte Psychologin.

„Dies zeigt, dass die Erhöhung der Theta-Wellen durch das Neurofeedback-Training eine langfristige Verbesserung des Erinnerungsvermögens im Hinblick auf das Quellengedächtnis hervorruft“, sagt Kathrin Eschmann. Die Wissenschaftler hoffen, dass sich die aktuellen Ergebnisse an jungen Probanden auch auf ältere Menschen übertragen lassen: „Da die Leistung des Quellengedächtnisses mit zunehmendem Alter deutlich abnimmt, könnten die Studienergebnisse auch eine Möglichkeit aufzeigen, spezifische kognitive Einbußen im hohen Alter auszugleichen“, so Eschmann.

Quellenangabe: Universität des Saarlandeshttps://doi.org/10.1016/j.neuroimage.2020.117219

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