Neuronale Belohnungsmechanismen bei Schizophrenie, schwerer Depression und bipolarer Störung

Studie: Gemeinsame und unterschiedliche neuronale Belohnungsmechanismen bei Patienten mit Schizophrenie, schwerer depressiver Störung und bipolarer Störung

31.01.2022 Anhedonie und Amotivation sind häufige Symptome bei Patienten mit Schizophrenie, schweren depressiven Störungen und bipolaren Störungen, was darauf hindeutet, dass die zugrundeliegenden verhaltensbezogenen und neuronalen Mechanismen erforscht werden müssen, um die Entwicklung wirksamer therapeutischer Programme und die Rehabilitation sozialer Funktionen zu erleichtern.

Anhedonie und Amotivation

Die sich häufenden Hinweise deuten darauf hin, dass die Anhedonie nicht nur auf Defizite bei der Erfahrung von Vergnügen oder bei der Motivation für das Streben nach Belohnung zurückzuführen ist, sondern auch mit dem Defizit bei der Umsetzung von emotionaler Bedeutung in Verhaltensanstrengungen zu tun haben könnte. Die meisten früheren Studien beschränkten sich hauptsächlich auf Verhaltensmessungen und die Untersuchung von Patienten einer Diagnosegruppe ohne Vergleich mit anderen psychischen Störungen.

Dr. Raymond Chan und sein Team vom Institut für Psychologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften haben vor kurzem gezeigt, dass Patienten mit Schizophrenie, klinischer Depression oder bipolarer Störung zwar alle eine verminderte Fähigkeit zum Erleben von Freude sowie einen Mangel an Motivation aufweisen, das Muster der Dissoziation von Emotionen und Verhalten jedoch bei allen Patienten unterschiedlich ist.

Die Studie

Die Forscher haben eine Studie durchgeführt, um die neuronalen Korrelate (Entsprechungen im Gehirn) von Bemühung und Aufwand für Belohnung bei diesen Patienten zu untersuchen.

Sie rekrutierten 20 Patienten mit Schizophrenie, 23 mit klinischer Depression, 17 mit bipolarer Störung und 30 gesunde Kontrollpersonen, die in einem 3T-Gehirnscanner eine „Effort-Expenditure for Reward Task“ (EEfRT) durchführten.

Die Aufgabe war ereigniskorreliert und bestand aus sechs Bedingungen, die sich durch die Höhe der Belohnung (niedrig, hoch) und die Wahrscheinlichkeit der Belohnung (20 Prozent, 50 Prozent, 80 Prozent) unterschieden. Der Anteil der Aufgaben mit hohem Aufwand, die mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten ausgewählt wurden, spiegelte die Motivation der Teilnehmer wider, Belohnungen zu suchen.

Was im Gehirn aktiviert wird

Den Forschern zufolge wiesen die drei Gruppen während der Testdurchführung gemeinsame Aktivierungen im Gyrus cinguli, im medialen frontalen Gyrus und im mittleren frontalen Gyrus auf. Patienten mit Schizophrenie wiesen stärkere Veränderungen der funktionellen Konnektivität zwischen dem rechten Caudatum und der linken Amygdala, dem linken Hippocampus und dem linken Putamen auf, wobei das Ausmaß der Belohnung im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen zunahm.

Darüber hinaus wiesen Patienten mit einer schweren depressiven Störung im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen eine verstärkte Aktivierung im rechten Gyrus temporalis superior auf, wenn die Höhe der Belohnung zunahm. Die Variationen der funktionellen Konnektivität zwischen dem Caudatum und dem rechten cingulären Gyrus, dem linken postzentralen Gyrus und dem linken inferioren parietalen Lobulus waren mit zunehmender Belohnungsgröße schwächer als bei gesunden Kontrollpersonen.

Darüber hinaus wiesen Patienten mit bipolarer Störung eine erhöhte Aktivierung im linken Precuneus, aber eine verringerte Aktivierung im linken dorsolateralen präfrontalen Kortex auf, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Belohnung zunahm, verglichen mit gesunden Kontrollpersonen.

Insgesamt zeigen diese Befunde, dass Patienten mit Schizophrenie, schwerer depressiver Störung und bipolarer Störung sowohl gemeinsame als auch unterschiedliche neuronale Mechanismen aufweisen, die mit anstrengungsbasierten Entscheidungen in Verbindung stehen. Dies könnte wichtige Auswirkungen auf die Entwicklung von Neuro-Modulations-Interventionen zur Linderung von Anhedonie und Amotivation bei diesen Störungen haben, schließen die Neuroforscher.

© Psylex.de – Quellenangabe: European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience (2022). DOI: 10.1007/s00406-021-01376-3

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