Persönlichkeitsmerkmale und musikalische Vorlieben: universelle Zusammenhänge?

Universelle und unterschiedliche musikalische Vorlieben: Eine Studie über bevorzugte Vorlieben für westliche Musik in 53 Ländern

11.02.2022 Laut einer im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlichten Studie mit mehr als 350.000 Teilnehmern aus über 50 Ländern und 6 Kontinenten gibt es einen universellen Zusammenhang zwischen musikalischen Vorlieben und der Persönlichkeit.

Die Studie

Gibt es universelle Muster bei den musikalischen Vorlieben? Um dieser Frage nachzugehen, haben Forscher um Dr. David Greenberg von der University of Cambridgeauf der Grundlage von Theorien und Forschungsergebnissen aus der Persönlichkeits-, Kultur- und Musikpsychologie das Terrain der Vorlieben für westliche Musik anhand der Daten von 356.649 Personen aus sechs Kontinenten kartiert.

In Studie 1 (N = 284.935) füllten Teilnehmer aus 53 Ländern eine Messung der Genre-Präferenz aus, und in Studie 2 (N = 71.714) füllten Teilnehmer aus 36 Ländern eine audiobasierte Messung der Musikvorlieben aus. Beide Studien umfassten Selbstauskünfte zu den Big-Five-Persönlichkeitsmerkmalen und demografischen Daten.

Zusammenhänge mit Persönlichkeitsmerkmalen

Die Ergebnisse zeigten übereinstimmend, dass individuelle Unterschiede in der Vorliebe für westliche Musik in Form von fünf latenten Faktoren organisiert werden können, die länderübergreifend invariant (d. h. universell) sind und sich über alle Messmethoden hinweg verallgemeinern lassen.

Darüber hinaus waren die Korrelationsmuster zwischen den Persönlichkeitsmerkmalen und den musikalischen Vorlieben über Länder und Erhebungsmethoden hinweg weitgehend einheitlich.

Beispielsweise war die Eigenschaft Extraversion mit einer stärkeren Vorliebe mit zeitgenössischen Musikstilen verbunden (die sich durch rhythmische, peppige und elektronische Merkmale auszeichnen), während die Eigenschaft Offenheit mit einer stärkeren Vorliebe für anspruchsvolle Musikstile verbunden war (die sich durch komplexe und anspruchsvolle Merkmale auszeichnen, die häufig in improvisierter und instrumentaler Musik zu hören sind).

Ein Ergebnis scheint laut den Forschern etwas rätselhaft. Greenberg und Kollegen nahmen an, dass Personen mit ausgeprägterem Neurotizismus entweder traurige Musik bevorzugen, um ihre Einsamkeit auszudrücken, oder fröhliche Musik bevorzugen, um ihre Stimmung zu verbessern. Tatsächlich scheinen sie im Durchschnitt intensivere Musikstile zu bevorzugen, was vielleicht innere Angst und Frustration widerspiegelt.

Zusammenhänge mit Kulturen, Ländern

Die Muster der Zusammenhänge zwischen musikalischen Vorlieben und geschlechtsspezifischen Unterschieden, ethnischer Zugehörigkeit und anderen soziodemografischen Merkmalen waren ebenfalls in den verschiedenen Ländern weitgehend gleich.

Die Forscher fanden auch heraus, dass die Beziehung zwischen Extraversion und zeitgenössischer Musik in Äquatornähe, vor allem in Mittel- und Südamerika, besonders stark war. Dies könnte darauf hindeuten, dass klimatische Faktoren die musikalischen Vorlieben beeinflussen und dass Menschen in wärmeren Klimazonen eher Persönlichkeitsmerkmale haben, die sie rhythmische, tanzbare Musik bevorzugen lassen.

Zusammengenommen deuten diese Ergebnisse stark darauf hin, dass es universelle Muster bei den Vorlieben für westliche Musik gibt, die eine Grundlage für die Entwicklung und Prüfung von Hypothesen über die Wechselwirkungen zwischen Musik, Psychologie, Biologie und Kultur bieten, schreiben die Studienautoren.

© Psylex.de – Quellenangabe: Journal of Personality and Social Psychology, 2022; 122 (2): 286 DOI: 10.1037/pspp0000397

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