Psychische Belastung durch Erdnussallergie – Studie

Allergie gegen Erdnüsse – Auswirkungen auf Emotionen und Leben (APPEAL-Studie)

13.02.2022 Die in PLOS ONE veröffentlichte Studie APPEAL untersuchte die emotionalen und psychosozialen Auswirkungen einer Erdnussallergie auf die Betroffenen. Sie wurde in zwei Phasen (APPEAL-1 und APPEAL-2) durchgeführt, an denen über 300 Personen im Vereinigten Königreich und in Irland teilnahmen.

Die APPEAL-Studie von Marina Tsoumani, School of Biological Sciences, University of Manchester, und Kollegen untersuchte den Einfluss und die psychosoziale Belastung des Lebens mit einer Erdnussallergie, wie sie von Allergikern und ihren Betreuungspersonen erlebt wird. Die Ergebnisse zeigen die weitreichenden praktischen und emotionalen Auswirkungen der Erdnussallergie auf das Leben von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und ihren Bezugspersonen und verdeutlichen die Notwendigkeit, die Aufklärung, Versorgung und Behandlung dieser Personen zu verbessern.

Verunsicherung, Stress und Angst

Zu den wichtigsten Ergebnissen gehören:

  • Die Mehrheit der Patienten und Betreuer fühlt sich durch das Leben mit einer Erdnussallergie verunsichert (79 %), gestresst (71 %) und ängstlich (75 %). Mehr als ein Drittel gab sogar an, sich in Situationen besorgt zu fühlen, die nichts mit Lebensmitteln zu tun haben (35 %).
  • Von den Kindern und Jugendlichen gab etwas mehr als die Hälfte an, wegen ihrer Erdnussallergie gemobbt oder gehänselt zu werden (52 % der Umfrageteilnehmer).
  • Mehr als ein Fünftel der Patienten und Betreuer berichteten über Gefühle der Isolation (22 %), und 28 % fühlten sich aufgrund ihrer Erdnussallergie oder der ihres Kindes als Außenseiter.
  • Alle befragten Erwachsenen, Jugendlichen und Betreuungspersonen sowie über die Hälfte der befragten Kinder berichteten über negative Auswirkungen der Erdnussallergie auf ihre sozialen Aktivitäten. Sie berichteten über eingeschränkte Wahlmöglichkeiten in verschiedenen Situationen, z. B. bei der Wahl des Restaurants (82 %), bei besonderen Anlässen (76 %) und bei der Wahl des Urlaubsziels (68 %).
  • Mehr als die Hälfte der Betreuer berichteten über negative Auswirkungen auf die Beziehung zu ihrem Partner, vor allem aufgrund des Stresses, der durch die Vermeidung von Erdnüssen entsteht.

Die Studie zeigt auch, dass trotz der Tatsache, dass die Mehrheit der Erdnussallergiker verschiedene Bewältigungsstrategien anwendet und einen Adrenalin-Autoinjektor für den Notfall verschrieben bekommen hat, nur 37 % angaben, dass sie mit ihrer Erdnussallergie „sehr gut“ zurechtkommen.

Zu den Copingstrategien der Befragten zur Vermeidung einer versehentlichen Exposition gegenüber Erdnüssen in ihrem Alltag gehören die Überprüfung der Inhaltsstoffe, die ständige Aufmerksamkeit auf die Speisen anderer, das sich Fernhalten von anderen Personen, wenn diese Erdnüsse essen, und die Bitte an andere Personen, sich nach dem Verzehr von Erdnüssen die Hände zu waschen.

Unterstützung und Aufklärung

Die Untersuchungen zeigen, dass die meisten Studienteilnehmer mit Erdnussallergie in ihrem Alltag mit einem überwältigenden Gefühl der Unsicherheit, des Stresses und der Angst konfrontiert sind, selbst bei alltäglichen Aktivitäten, die eigentlich entspannend und unterhaltsam sein sollten, und nur ein Drittel hat das Gefühl, dass sie „sehr gut“ mit ihrer Allergie zurechtkommen.

Am schockierendsten ist, dass Kinder nur ungern anderen Menschen von ihrer Erdnussallergie erzählen, weil sie Angst haben, schikaniert zu werden oder sich zu blamieren, sagt Marina Tsoumani. Diese Daten zeigen, dass wir dringend mehr Unterstützung und Aufklärung brauchen, damit Menschen mit Erdnussallergie sich sicher fühlen, dass ihre Erkrankung gut behandelt wird und sowohl das Risiko einer Anaphylaxie als auch die Angst vor Mobbing minimiert, wenn nicht gar beseitigt wird.

© Psylex.de – Quellenangabe: PLOS ONE

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