Psychische Probleme können im Jahr nach COVID-Genesung zunehmen

Studie untersuchte die Risiken für die psychische Gesundheit von Menschen mit Covid-19

21.02.2022 COVID-19 kann den Körper stark belasten, aber neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Patienten im Jahr nach ihrer Infektion auch mit 60 % höherer Wahrscheinlichkeit unter anhaltenden psychischen bzw. emotionalen Problemen leiden.

Zu diesen Problemen gehören Angstzustände, Depressionen, Suizidgedanken, Drogensucht und Alkoholprobleme, Schlafstörungen sowie Denk- und Konzentrationsprobleme.

Wenn Menschen nach COVID-19 unter Schlafproblemen, Depressionen oder Angstzuständen leiden, sind sie nicht allein. „Wir beobachten dies bei Tausenden von Menschen. Suchen Sie auf jeden Fall Hilfe auf“, sagt der leitende Forscher Dr. Ziyad Al-Aly. Er ist klinischer Epidemiologe an der Washington University School of Medicine in St. Louis und dem Veterans Affairs St. Louis Health Care System.

Coranavirus kann ins Gehirn gelangen

Obwohl nicht klar ist, wie sich das Virus auf das Gehirn auswirkt, nimmt Al-Aly an, dass COVID-19 beim Eindringen in die Gehirnzellen Schaden anrichtet.

Das Virus kann tatsächlich in das Gehirn eindringen und eine Reihe verschiedener Probleme verursachen, darunter die Unterbrechung von Neuronenverbindungen, die Erhöhung einiger Entzündungsmarker, die Unterbrechung der Signalübertragung und Veränderungen in der Architektur des Gehirns, was auch den sogenannten „Brainfog“ („Gehirnnebel“) oder den Rückgang der neurokognitiven Fähigkeiten erklären könnte, erklärt er.

Auswirkungen auf die psychische Gesundheit

Für die Studie nutzten Al-Aly und seine Kollegen eine Datenbank des US-Ministeriums für Veteranenangelegenheiten, um Informationen über fast 154.000 Erwachsene zu sammeln, die vom 1. März 2020 bis zum 15. Januar 2021 an COVID-19 erkrankt waren.

Anhand dieser Daten verglichen die Forscher die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit mit fast 6 Millionen Menschen, die nicht an COVID-19 erkrankt waren, und weiteren 6 Millionen Menschen aus der Zeit vor Beginn der Pandemie.

Die meisten Teilnehmer waren ältere weiße Männer, aber aufgrund des großen Umfangs der Studie wurden auch mehr als 1 Million Frauen und mehr als 2 Millionen schwarze Patienten und Erwachsene aller Altersgruppen einbezogen.

Angstzustände und Depressionen

Das Team von Al-Aly fand heraus, dass an COVID-19 erkrankte Menschen mit 35 % höherer Wahrscheinlichkeit unter Angstzuständen und mit fast 40 % höherer Wahrscheinlichkeit unter Depressionen oder stressbedingten Störungen litten.

Bei diesen Patienten war der Einsatz von Antidepressiva um 55 % und der Gebrauch von Benzodiazepinen zur Behandlung von Angstzuständen um 65 % erhöht.

Schlaf- und Denkstörungen; Drogen; Suizidgedanken

Bei diesen Patienten war auch die Wahrscheinlichkeit von Schlafstörungen um 41 % und von Denkstörungen wie Vergesslichkeit, Verwirrung und Konzentrationsschwäche um 80 % höher, so die Forscher.

COVID-19-Patienten waren außerdem um 34 % häufiger opioidabhängig, um 20 % häufiger von Alkohol oder illegalen Drogen abhängig und um 46 % häufiger von Suizidgedanken betroffen.

Das Risiko für psychische Probleme hing mit dem Schweregrad der COVID-19-Infektion zusammen, fanden die Forscher heraus. Bei Personen mit einer leichten Infektion war die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung psychischer Probleme um 27 % höher und bei Personen mit einer schweren Infektion um 45 %.

Diese Risiken wurden bei anderen Krankheiten wie der Grippe nicht beobachtet, so Al-Aly.

© Psylex.de – Quellenangabe: BMJ 2022; 376 doi: https://doi.org/10.1136/bmj-2021-068993

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