Stressmanagement, Stressabbau in der Krankenpflege

Entmenschlichung bei Krankenpflegern als Stressmanagement

10.06.2014 Die Krankenpflege ist wohl einer der fordernsten Berufe. Arbeitszeiten und die Arbeit selbst sind sehr anstrengend; viele Krankenpfleger sind routinemäßig Leiden und Tod des Patienten ausgesetzt. Eine italienische Studie fand nun heraus, dass Krankenpfleger besser mit dem Stress ihrer Arbeit umgehen können, wenn sie sich selbst und ihre Patienten als weniger menschlich (Dehumanisation) wahrnehmen.

Elena Trifiletti von der Università di Padova und ihre Kollegen begutachteten 108 Krankenpfleger (54 Männer und 54 Krankenschwestern; Altersspanne 31 bis 50). Die Krankenpfleger beantworteten Fragen zu ihren Stresserfahrungen. Sie bewerteten auch wie sie verschiedene Eigenschaften von Patienten und Krankenpflegern sahen. Einige davon sind eher menschlich (z.B. Moral; Vernunft) einzuordnen, und andere sind normalerweise bei Menschen und Tieren relevante (z.B. Instinkt, Impulsivität) Eigenschaften.

Dehumanisation als Copingstrategie

Krankenpflegerin

Krankenpfleger, die ihre Patienten als weniger menschlich betrachteten (also ihnen weniger ausschließlich menschliche Eigenschaften und eher gemeinsame Mensch-/Tiereigenschaften zuwiesen), berichteten über weniger Stress. Dies galt insbesondere für Krankenschwestern, die emotional stärker mit ihrem Arbeitgeber, dem Krankenhaus und ihren Patienten verbunden waren. Dies klingt wie ein Widerspruch, aber Trifiletti und ihr Team erklärten, dass genau die Krankenpfleger diese Form von Stressmanagement am wahrscheinlichsten brauchen, damit sie mit dem Stress besser fertigwerden, die mehr Hingabe an ihre Arbeit und Patienten empfinden.

Krankenpfleger, die Krankenpfleger im Allgemeinen als weniger menschlich betrachteten, berichteten ebenfalls über weniger Stress. Die Forscher vermuteten die Ursache dafür in der Annahme, dass man die Leiden der Anderen teilen muss/soll, wenn man sich als vollständig menschlich betrachtet - ein Stressautomatismus, wenn man mit kranken Patienten arbeitet.

Die Studie konnte aber (aufgrund des Designs) keine Ursache-Wirkung-Beziehung herstellen: Es macht zwar Sinn, anzunehmen, dass Krankenpfleger mit viel Stress sich selbst und ihre Patienten entmenschlichen, um dadurch besser mit dem Stress fertigzuwerden, aber es werden Langzeitstudien benötigt, um dies bestätigen zu können.

Dilemma in der Medizin

Es gab bereits Studien, in denen medizinische Berufstätige ihre Patienten dehumanisierten, um besser mit dem Stress ihrer Arbeit fertigzuwerden. Zum Beispiel stellte eine jüngere Studie fest, dass Onkologen, die ihren Patienten mehr menschliche Eigenschaften zuwiesen, öfter Burnout hatten. Eine andere Studie von 2003 fand, dass Palliativärzte zugaben, dass sie Entmenschlichung als Stressmanagement einsetzten.

All dies zeigt das Dilemma der medizinischen Welt. Wir fordern und erwarten Einsatz, emotionales Engagement und Hingabe von den Angehörigen der Gesundheitsberufe, und genau dadurch steigern wir die Wahrscheinlichkeit, dass sie das Stressmanagement der Dehumanisation anwenden (müssen), um mit dem Stress zurechtkommen. Dies ist eine schlechte Nachricht, denn - wenig überraschend - zeigen wissenschaftliche Befunde auch, dass die Entmenschlichung von Patienten mit vielen negativen Auswirkungen verbunden ist.

© PSYLEX.de - Quelle: Università di Padova/Journal of Applied Social Psychology, Mai 2014

Stärkerer Stress für Krankenschwestern aus 'Berufung'

22.08.2014 Krankenschwestern, die in erster Linie von ihrem Wunsch motiviert werden, anderen zu helfen, statt von der Freude an der Arbeit selbst oder vom Lebensstil, den dieser ermöglicht, erliegen mit größerer Wahrscheinlichkeit einem Burnout durch ihren Job.

Laut Forschern der Universität Akron ist die Pflege immer noch ein weiblich dominierter Beruf, und Frauen werden stärker mit Mitmenschlichkeit, Fürsorge und Altruismus verbunden. D.h., viele nehmen an, dass der Wunsch anderen zu helfen, die "richtige" Motivation für die Berufswahl in der Krankenpflege ist, bemerkten die Studienautoren.

Die Befunde der Studie sagen jedoch: wer diesem Beruf aus anderen Gründen - oder zusätzlichen anderen Gründen - als dem Wunsch, anderen zu helfen, nachgeht, empfindet seine Arbeit als weniger stressend. Das führt zu

berichten die Forscher.

Die Soziologen Janette Dill und Rebecca Erickson und der Psychologe James Diefendorff analysierten Daten von mehr als 700 amtlich eingetragenen Krankenschwestern aus Ohio, USA.

Laut Dill interessieren sich die meisten Leute nicht für die Berufswahlmotivation von Arbeitern und Angestellten. Die meisten interessieren sich nicht dafür, ob ihr Mechaniker Autos liebt, nur Geld im Kopf hat oder gerne Werkzeuge benutzt, solange nur das Auto richtig repariert wird.

"Aber in der Gesundheitspflege ist das anders" sagte sie. "Wir erwarten, dass Frauen in diese Jobs gehen, weil sie den Umgang mit den Menschen lieben, um die sie sich kümmern, und dass dies ihre Hauptmotivation ist", sagte sie.

Wenn diese Annahme verändert würde, könnten die Pflegeberufe für Männer attraktiver werden und sie "müssten nicht zwangsläufig annehmen, dass sie sich gänzlich dem Wohl ihrer Patienten und ihrer Aufgabe aufopfern müssen, und so könnten andere Gründe für die Wahl dieses Berufs mehr Gewicht erhalten", sagte sie.

Die Forscher stellten auch fest, dass Krankenschwestern, die hochmotiviert waren - durch den Lebensstil, den der Beruf mit sich bringt, und die Möglichkeit persönlich mit Patienten zu interagieren - mit ihrem Arbeitgeber zufriedener und weniger geneigt waren, ihre gegenwärtige Stelle aufzugeben.

Die Studie, die beim 109. jährlichen Treffen der The American Sociological Association vorgelegt wurde, untersuchte nicht, wie gut unterschiedlich motivierte Krankenschwestern ihre Aufgaben durchführten. Die Forscher sagten, dass dies Teil einer zukünftigen Studie mit einer größeren Teilnehmerzahl an Krankenschwestern werden wird.

© PSYLEX.de - Quelle: The American Sociological Association / Universität Akron, August 2014

Entspannungsprogramm am Arbeitsplatz (von Krankenschwestern) reduziert Stressauswirkungen um 40%

13.05.2015 Eine neue Studie der Ohio State University zeigte, dass eine Entspannungsintervention am Arbeitsplatz von Krankenschwestern die Stressbelastung dramatisch verringerte laut einem Bericht im Journal of Occupational and Environmental Medicine.

Die Autorin Anne-Marie Duchemin sagte, dass arbeitsgebundener Stress oft nicht verhindert werden kann, aber seine schädlichen Auswirkungen können reduziert werden.

Achtsamkeitsbasierter Stressabbau

In der Studie wurden Krankenschwestern einer chirurgischen Intensivstation zufällig zwei Gruppen zugeteilt: Die eine Gruppe nahm an einem achtsamkeitsbasiertem Entspannungsprogramm teil, die anderen Teilnehmer bildeten die Kontrollgruppe.

Die Teilnehmer der Entspannungsgruppe machten 8 Wochen Achtsamkeitstraining (mehr zur Achtsamkeit), leichtes Stretching, Yoga, Meditation und hörten Musik am Arbeitsplatz.

Psychologische und biologische Stressmarker waren eine Woche vor und eine nach der Intervention gemessen worden, um festzustellen, ob dieses Programm Stress und Burnout unter den Angestellten reduzieren würde, sagten die Forscher.

Die Ergebnisse der Studie demonstrierten eine um 40% reduzierte Alpha-Amylase (zeigt die Aktivierung des sympathischen Nervensystems an, auch als fight-or-flight Mechanismus bekannt) im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Die Kontrollgruppe zeigte keine Veränderungen. Die psychologischen Komponenten von Stress und Burnout waren über bewährte Selbstberichtsfragebögen erfasst worden.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Ohio State University, Journal of Occupational and Environmental Medicine; Mai 2015

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

Ähnliche Artikel

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter