Lügen in der Gruppe

Lügen in der Gruppe

Psychologie des Lügens

In der Gruppe lügt es sich leichter

19.09.2017 Eine im Fachblatt Magazin Management Science publizierte psychologische Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München hat herausgefunden, dass Menschen in Gruppen leichter bzw. eher lügen.

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Bild: Gerd Altmann

In einem Experiment mit 273 Teilnehmern untersuchten die Wissenschaftler, ob Menschen in Gruppen eher lügen, auch wenn sie individuell – für sich – weniger logen.

In dem „Belohnungsspiel“ erhielten die Studienteilnehmer Belohnungen, wenn sie eine höhere Augenzahl beim Würfeln in einem Video beobachten konnten. Die Probanden führten die Aufgabe sowohl alleine als auch in einer Gruppe durch, wobei sie sich mit den anderen Gruppenmitgliedern in einem Chat über die beobachtete Würfelzahl und das berichtete Ergebnis abstimmen konnten.

Da die Belohnung von der berichteten Zahl abhing – je höher die Zahl, desto höher die Belohnung – wurden die Teilnehmer in Versuchung geführt zu lügen.

Die Forscher stellten fest, dass die teilnehmenden Studenten eher logen, wenn sie Teil einer Gruppe waren. Allein sagten sie eher die Wahrheit.

Dishonesty shift

„Es liegt am Feedback. In Gruppen stimmen die Mitglieder ihre Vorstellungen, was richtig ist und was nicht, aufeinander ab. Dadurch gelingt es den einzelnen Beteiligten eher, die Norm umzuinterpretieren, als wenn sie allein entscheiden müssten“, schreibt Studienautorin Lisa Spantig.

Die Wissenschaftler nennen das Phänomen „dishonesty shift“: Die Gruppenmitglieder tauschen sich über ihre Normvorstellungen aus.

Die Gruppenmitglieder kamen auf mehr Argumente und tauschten diese auch mehr im Dienste der Unehrlichkeit aus, als wenn sie sich an die Norm der Ehrlichkeit hielten.

Ethik-Kodex

Die Studie konnte auch demonstrieren, dass solche Gruppenprozesse bei den Gruppenmitgliedern die Ansicht stärkten: Andere lügen auch, wodurch sich die eigenen Unwahrheiten relativieren bzw. normalisieren.

Dieses Verhalten kann in politischen Parteien, Regierungen, Unternehmen oder Cliquen beobachtet werden.

So ist es z.B. „auffallend, dass in den großen Wirtschaftsskandalen meist Gruppen unrecht gehandelt haben“, schreibt Spantig.

„Um die Erosion wesentlicher Normvorstellungen und ehrlichen Verhaltens in Gruppen zu verhindern“, sollten Ethik-Codices mit starken Verhaltensregeln eingeführt und auf Einhaltung kontrolliert werden, schreiben die Forscher.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Ludwig-Maximilians-Universität München; Magazin Management Science – doi.org/10.1287/mnsc.2017.2800; Sept. 2017

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