Psychologie des Lügens

Lügen (Psychologie, Psyche)

Allgemeine Psychologie

News aus der Forschung zur Psychologie von Lügen: Studien, die sich mit dem unbewussten und bewussten Lügen (dem Erzählen der Unwahrheit), mit dem Verhalten beim Lügen und der Wahrnehmung beschäftigen.

Lügen und Täuschungen können perfektioniert werden

Mit etwas Übung könnte man lernen, eine Lüge zu erzählen, die nicht von der Wahrheit unterschieden werden kann. Eine neue Forschungsstudie zeigt, dass Lügen formbarer sind, als zuvor gedacht, und mit einem gewissen Maß an Ausbildung und Training die Kunst der Täuschung perfektioniert werden kann.

Kann Lügen trainiert werden ?

Die Leute brauchen im Allgemeinen länger und machen mehr Fehler, wenn sie Lügen statt die Wahrheit erzählen, weil sie zwei sich widerstreitende Antworten im Sinn haben und die wahre Antwort unterdrücken müssen, zeigen vorherige Forschungsergebnisse.

Folglich untersuchten Forscher in der vorliegenden Studie, ob das Lügen trainiert werden kann, so dass es automatischer und weniger fordernd ist. Diese Forschung könnte Auswirkungen auf Ermittlungsarbeiten und die Verwendung von Lügendetektortests haben, um das Entdecken von Lügen und Täuschungen in wirklichen Situationen zu vereinfachen.

Die Forscher stellten fest, dass allein schon die Instruktion bedeutend die Reaktionszeiten verminderte, die die täuschenden Antworten der Teilnehmer brauchten.

Sie verwendeten eine Kontrollgruppe – eine Gruppe, in der die Teilnehmer instruiert wurden, ihre Lügen zu beschleunigen und weniger Fehler zu machen, ihnen aber keine Zeit gegeben wurde, ihre Lügen vorzubereiten – und eine Trainingsgruppe, die eine Ausbildung darin bekam, wie man Lügen-Antworten beschleunigen kann, und die Zeit bekam, ihre Lügen vorzubereiten.

Keine Unterschiede zwischen Lüge und Wahrheit

„In der Trainingsgruppe, die ihre Lügen übte, waren die Unterschiede zwischen trügerischen und ehrlichen Antworten völlig eliminiert“, sagte Xiaoqing Hu, Hauptautor der Studie und Doktorkandid in der Abteilung für Psychologie an der New Northwestern University.

Hu sagte, dass sie überrascht waren, sogar in der Kontrollgruppe Mitglieder vorzufinden (die ja keine Zeit hatten, ihre Lügen vorzubereiten), und denen nur gesagt wurde, sie sollten ihre Antworten beschleunigen und weniger Fehler zu machen, die in der Lage waren, bedeutend ihre Antwortreaktionszeiten beim Lügen zu reduzieren.

„Dies war wirklich unerwartet, weil es zeigt, dass die Leute wirklich flexibel sein können, und nachdem sie wußten, was von ihnen erwartet wird, wollten sie es vermeiden, beim Lügen erwischt zu werden“, sagte Hu sagte und bemerkte, dass diese Befunde bei der Verbrechensbekämpfung helfen könnten.

Zeitverzögerung zwischen Verbrechen und Verhör

„In wirklichem Leben gibt es normalerweise eine Zeitverzögerung zwischen dem Verbrechen und dem Verhör“, sagte Hu. „Die meisten Leute würden Zeit haben, ihre Lügen vor dem Verhör vorzubereiten und zu üben“.

Frühere Forschungsstudien zu Täuschungen und Lügen hätten den Teilnehmern normalerweise sehr wenig Zeit gegeben, um ihre Lügen vorzubereiten. Lügendetektortests hängen normalerweise von den physiologischen Reaktionen ab.

© PSYLEX.de – Quelle: Frontiers in Cognitive Science, Dez. 2012

Die Augen verraten nicht, ob man lügt

Die Augenbewegungen einer Person geben keinen Hinweis darüber, ob jemand lügt oder nicht, laut neuen Forschungsergebnissen der Zeitschrift PLoS ONE.

Lügen erkennt man nicht an den Augen

Dieses Ergebnis einer Studie spricht gegen die Thesen von NLP (Neurolinguistische Programmierung), Fernsehserien und gegen den allgemeinen Glauben von Laien und Professionellen, dass sich die Augen einer Person in einer bestimmten Weise bewegen, wenn sie nicht die Wahrheit sagt.

Die Studie

Caroline Watt von der Universität Edinburgh und Kollegen führten drei separate Studien durch, um einen möglichen Zusammenhang bzw. den Mangel daran zu überprüfen.

Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage zu der Annahme, dass wenn man nach rechts guckt, die Person lügt, und wenn sie nach links guckt, sie die Wahrheit sagt.

Frau Watt bemerkte: „Unsere Forschung stellt keine Unterstützung für diese Idee bereit und es ist an der Zeit diesen Ansatz für die Entdeckung von Täuschungen oder Lügen zu verlassen“.

Sie fügte hinzu, dass die Beliebtheit dieser Vorstellung so gross ist, dass ein großer Prozentsatz der Öffentlichkeit glaubt, dass es stimmt, während einige Organisationen (wie z.B. in der NLP) Ausbildungskurse anbieten, die diese Ideen unter Zahlungswillige bringen.

Dr. Keith Ashcroft, ein Psychologe kommentiert:

„Neurolinguistische Programmierung (NLP) war nie dafür entworfen worden, ein Diagnosewerkzeug zu sein und deshalb waren deren Anwendungen bei der Entdeckung von Täuschungen schon immer, schmeichelhaft ausgedrückt, fraglich.

Tatsächlich haben schon alle vorher publizierten Forschungsergebnisse, die Theorie widerlegt, dass man anhand der Augen-Bewegungen sagen kann, ob eine Person lügt, wenn sich ihre Augen nach links bewegen, während sie die Frage beantwortet.

Doch scheint diese Vorstellung von Gruppen innerhalb der Justiz und des Geschäftslebens aufrechterhalten zu werden. Doch auch NLP Therapeuten haben meines Wissens schon gesagt, dass so eine Korrelation nicht existiert.

Metaanalyse von Aldert Vrij und Shara Lochun

„Eine Metaanalyse von Aldert Vrij und Shara Lochun, die im Journal of Police and Criminal Psychology im Jahr 1997 herausgegeben wurde, fand keine empirischen Belege für einen Zusammenhang, dass die Bewegung der Augen Aufschluss gibt, ob die Person die Wahrheit spricht oder lügt.

Mikro-Ausdrücke etc.

Deshalb wird diese neue Untersuchung von Professor Wiseman und ihren Kollegen von vorherigen Forschungsergebnissen ziemlich gut unterstützt, und stellt diesen Mythos hoffentlich endlich bloß, so dass wir unsere Aufmerksamkeit auf andere nicht verbale Verhaltensweisen fokussieren können, wie Mikro-Ausdrücke, Haltung und Körperbewegung, welches meiner Meinung nach vielversprechender ist“.

© PSYLEX.de – Quelle: PLoS ONE, August 2012

Jüngere Menschen und Männer lügen häufiger

13.01.2019 Eine im Fachblatt Psychological Bulletin veröffentlichte Metaanalyse untersuchte die Unehrlichkeit von Männern und Frauen, älteren und jüngeren Menschen, die an psychologischen Studien teilgenommen hatten.

Philipp Gerlach vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und Kollegen untersuchten die Daten von 565 psychologischen Experimenten und fanden heraus, dass

  • 42 Prozent aller Männer und 38 Prozent aller Frauen bei den untersuchten Experimenten gelogen hatten, wobei der Unterschied recht klein ist.
  • Jüngere Teilnehmer logen häufiger als ältere; wobei die Wahrscheinlichkeit, dass jemand unehrlich war 0,28 Prozentpunkte pro Lebensalter abnahm (die Wahrscheinlichkeit, dass eine 20-jährige Person in den Experimenten log lag bei ca. 47 Prozent – bei einem 60-jährigen Probanden lag sie nur bei 36 Prozent).
  • Die Studie fand keinen Hinweis darauf, dass Wirtschaftsstudierende besonders häufig lügen.
  • Außerdem hing das Ausmaß der Unehrlichkeit auch von den strukturellen Bedingungen im Versuchsaufbau ab, die das Verhalten der Teilnehmer beeinflussen, wodurch es zu unterschiedlichen Resultaten über das Ausmaß des Lügens kommen kann.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Psychological Bulletin – https://dx.doi.org/10.1037/bul0000174

Lügenhäufigkeit, Lügencharakteristika und Strategien von ‚guten‘ Lügnern

20.12.2019 Die psychologischen Merkmale von Lügen und Strategien der Täuschung, die es guten Lügnern ermöglichen, sich der Aufdeckung zu entziehen, sind weitgehend unbekannt.

Eine in PLOS ONE veröffentlichte psychologische Forschungsarbeit untersuchte die Aussagen von 194 Personen (50% Männer) mit einem Durchschnittsalter von 39 Jahren.

Ihnen wurden eine Reihe von Fragen gestellt, einschließlich: wie gut sie andere betrügen können, wie viele Lügen sie in den letzten 24 Stunden erzählt haben, welche Art von Lügen sie (und wem) erzählt haben, und ob sie dies von Angesicht zu Angesicht oder mit anderen Mitteln getan haben.

Erzählen von plausiblen Lügen

Die Studienautoren um Brianna L. Verigin von der forensisch psychologischen Sektion der Fakultät Psychologie und Neurowissenschaften der Maastricht Universität und des psychologischen Fachbereichs der Universität Portsmouth fanden heraus, dass eine der Schlüsselstrategien von Lügnern darin besteht, plausible Lügen zu erzählen, die nahe an der Wahrheit bleiben, und nicht viele Informationen zu verraten.

Männer hielten sich doppelt so häufig für gut im Lügen im Vergleich zu Frauen. Und je mehr jemand glaubte, dass er / sie gut lügen kann, desto mehr Lügen erzählte er / sie.

Die häufigste angewandte Strategie

Die am häufigsten angewandte Strategie all derer, die Lügen zugaben, ob Experten oder schlechte Lügner, war: bestimmte Informationen wegzulassen. Aber erfahrene Lügner fügten dem noch die Fähigkeit hinzu, eine glaubwürdige, mit der Wahrheit ausgeschmückte Geschichte zu verflechten, wodurch die Lügen schwerer zu erkennen waren.

Im Gegensatz dazu versuchen Befragte, die dachten, sie seien nicht gut im Lügen, vage zu bleiben.

Insgesamt waren von den 194 Personen die häufigsten Arten der Täuschung, in absteigender Reihenfolge, „Notlügen“, Übertreibungen, Verschweigen von Informationen, ‚Verstecken‘ von Lügen in Wahrheiten und das Erfinden von Dingen.

Wie wird gelogen

Die meisten Menschen entschieden sich dafür, von Angesicht zu Angesicht zu lügen, dann per SMS, Telefon, E-Mail und zuletzt über soziale Medien.

Wer wird belogen

Die meisten erfahrenen Lügner belügen am häufigsten Familie, Freunde oder Kollegen. Arbeitgeber und Behördenvertreter wurden am wenigsten belogen.

Bildung und Lügenkompetenz

Die Studie zeigte keinen Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Lügenkompetenz. Verigin sagte, es müsse noch mehr psychologische Forschungsarbeiten durchgeführt werden, insbesondere in Bezug auf ein besseres Verständnis der Kompetenz von guten Lügenexperten, Lügen in wahrheitsgemäße Informationen einzubetten und Fakten zu verwenden, die nicht überprüft werden können.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: PLOS ONE – https://doi.org/10.1371/journal.pone.0225566

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