Angst-Psychologie, Angstforschung

Emotionspsychologie

Forschung/Newsartikel zur Psychologie der Angst.

Angst kommt häufiger bei Menschen vor, die viel sitzen

23.06.2015 Eine Studie der australischen Deakin University hat herausgefunden, dass energiearme Aktivitäten - wie sitzen - mit einem erhöhten Risiko für Angst verbunden sind.

Angstsymptome und sitzendes Verhalten

Parallel scheinen in unserer modernen Gesellschaft Angstsymptome und sitzendes Verhalten zuzunehmen. Die Forscherin Megan Teychenne und ihr Team wollten herausfinden, ob es zwischen beiden einen Zusammenhang gibt. Zumal frühere Forschung auf eine Verbindung zwischen Depression und sitzendem Verhalten weist.

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Bild: Bonnyb Bendix

Für ihre Studie analysierten die Wissenschaftler die Ergebnisse von neun Studien, die die Verbindung zwischen Formen sitzenden Verhaltens und Angst untersucht hatten.

Die Studien variierten in dem, was sie als sitzendes Verhalten klassifizierten:

Zunahme der Angst

In fünf der neun Studien zeigte sich, dass eine Zunahme beim sitzenden Verhalten mit einer Erhöhung der Angst in Verbindung stand, sagten die Forscher in der Zeitschrift BMC Public Health.

In vier der Studien war die sitzend verbrachte Gesamtzeit mit einem gesteigerten Angstrisiko verbunden.

Die Verbindung mit der Zeit vor einem Bildschirm (Fernsehen und Computernutzung) war weniger stark. Aber eine Studie fand heraus, dass 36 Prozent der Studenten an der High-School mit mehr als zwei Stunden vor dem Bildschirm verbrachte Zeit, wahrscheinlicher Angst erfuhren, als diejenigen, die nicht so lange davor saßen.

Erklärungsversuche

Die Wissenschaftler legen nahe, dass der Zusammenhang zwischen sitzendem Verhalten und Angst durch Störungen des Schlafmusters, sozialem Rückzug und schlechter Stoffwechselgesundheit verursacht sein könnte.

Die soziale Rückzugstheorie vermutet, dass längeres sitzendes Verhalten wie z.B. Fernsehen zu einem Rückzug aus sozialen Beziehungen führen kann, was wiederum mit verstärkter Angst verbunden ist.

Die Forscher bemerken, dass durch weitere Studien die Kausalität untersucht werden sollte: Also, ob Angst durch sitzendes Verhalten verursacht oder verstärkt werden kann.

"Es ist wichtig, dass wir die Verhaltensfaktoren verstehen, die mit Angst verbunden werden können. Dann können faktengestützte Strategien zur Prävention und Behandlung entwickeln werden", sagte Teychenne.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Deakin University, BMC Public Health; Juni 2015

Angst und sich wiederholendes Verhalten

Oder: Warum wir auf Stress und Angst mit Ritualen reagieren

26.06.2015 Forscher der Universität Connecticut haben den ersten wissenschaftlichen Beleg für die Verbindung zwischen Angst und sich wiederholendem Verhalten in der Zeitschrift Current Biology präsentiert.

Bewältigungsstrategien zur Angstlinderung

Die Studie 'Die Effekte von Angst auf spontanes ritualisiertes Verhalten' hat herausgefunden, dass Stress Verhaltensweisen hervorrufen kann, die als Bewältigungsstrategien zur Angstreduzierung dienen können. Dieser Zusammenhang verhilft zu einem besseren Verständnis von psychiatrischen Erkrankungen wie z.B. Autismus und vor allem Zwangsstörungen.

Obwohl der Zusammenhang seit vielen Jahren in der Psychologie vermutet wird, konnten erst durch diese Studie mit modernen Bewegungssensoren die ersten eindeutigen Belege geschaffen werden laut Studienautor Martin Lang.

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Bild: Gerd Altmann

Stress in unsicheren Situationen

Die Theorie dahinter ist: Wenn Menschen mit unsicheren oder unkontrollierbaren Situationen konfrontiert werden, stresst es sie, weil sie nicht vorhersagen können, was geschehen wird, sagt Lang.

Menschen möchten vorhersagen und sich dem anpassen können, was geschehen wird. Deswegen glauben sie, dass Rituale ihnen helfen könnten, die Kontrolle über ihre Umgebung zu bekommen.

Das Experiment

Für die Studie wurden 62 männliche und weibliche Teilnehmer zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt: In der einen wurde starke Angst (durch die Vorbereitung auf das Halten einer Rede über eine Metallskulptur vor einem Expertengremium) in der anderen geringere Angst (nur Vorbereitung) ausgelöst.

Beide Gruppen wurden am Ende ihrer Aufgabe gebeten, die Skulptur zu reinigen. Alle Teilnehmer trugen ein Herzfrequenz-Messgerät und einen Handgelenk-Beschleunigungsmesser, um die Handbewegungen während des Reinigungsprozesses zu messen.

Rituale

Die Forscher nahmen an, dass Reinigungsprozesse - wie Hände waschen oder ein Weinglas abwischen, optimal messbare Aktivitäten wären. Denn diese sind oft Teil religiöser Rituale oder ausgeprägte Verhaltensweisen bei Zwangsstörungen; und sie sind die am meisten beobachteten Rituale, sagte Lang.

Die Studie fand heraus, dass die Teilnehmer der Gruppe mit der größeren Angst (diejenigen, die eine Rede halten sollten) mehr Zeit mit der Reinigung der Skulptur verbrachten und mehr von denselben sich wiederholenden Handbewegungen einsetzten als diejenigen, die keine Rede halten sollten.

"Es ist die Verbindung zwischen klassischer Theorie und neuer Technologie", sagt Lang.

Erklärung

Der Wunsch, die Kontrolle über die Umgebung zurückzuerhalten, wird vor allem von Menschen mit Zwangsstörungen erfahren, sagt Lang. Normalerweise glauben diese schnell, dass sie die Kontrolle über Situationen verlieren, und müssen etwas tun, um sie zu kontrollieren.

Die Forscher sagen, dass die Studie weitreichende Auswirkungen hat. Zum Beispiel könnten die Befunde bei der Entwicklung von wirkungsvollen Techniken helfen, um chronischen und akuten Stress zu bewältigen.

"Dieser Befund erlaubt uns, neue Richtungen innerhalb und über die anthropologische Forschung hinaus einzuschlagen", sagt Koautor Dimitris Xygalatas. "Wir müssen die Schleife jetzt schließen, und das heißt: Herausfinden, ob das Ausführen ritualisierter Handlungen auch tatsächlich die Angst verringert."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Connecticut, Current Biology; Juni 2015

Mit Optimismus gegen die Angst

28.09.2015 Eine neue Studie der University of Illinois verbindet Angst mit einer Gehirnstruktur - namens orbitofrontaler Cortex - und Optimismus: Erwachsene, die einen größeren OFC haben, scheinen optimistischer und weniger ängstlich zu sein.

Zusammenhang zwischen Angststörungen und OFC-Volumen

Der orbitofrontale Cortex (OFC) ist eine Gehirnregion direkt hinter den Augen und spielt eine wichtige Rolle bei Angst. Der OFC integriert intellektuelle und emotionale Informationen und übt wichtige Funktionen bei der Verhaltensregulation aus.

Frühere Studien haben gezeigt, dass zwischen der Größe des OFC und der Anfälligkeit für Ängstlichkeit bzw. Angststörungen ein Zusammenhang besteht.

Zum Beispiel wurden die Gehirnscans von jungen Erwachsenen vor und nach Erdbeben und Tsunami in Japan 2011 verglichen. Die Forscher entdeckten, dass der OFC tatsächlich bei einigen Personen innerhalb von vier Monaten nach der Katastrophe schrumpfte. Bei denen das Gehirn in dieser Region stärker schrumpfte, wurden auch später mehr Fälle posttraumatischer Belastungsstörung diagnostiziert.

Puffer gegen Ängstlichkeit?

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Bild: Gerd Altmann

Andere Studien weisen darauf, dass optimistischere Menschen eher weniger ängstlich zu sein scheinen, und dass optimistische Gedanken die Aktivität des OFC steigern.

Das Team um Studienleiterin Sanda Dolcos wollte untersuchen, ob ein größerer OFC als Puffer gegen Ängstlichkeit - durch den größeren Optimismus - dienen könnte.

Die meisten Studien zur Angst konzentrieren sich auf Personen mit Angststörungen, sagte Dolcos. "Wir wollten andersherum vorgehen. Wenn es eine Schrumpfung des orbitofrontalen Cortex geben kann und dieser Rückgang mit Angststörungen verbunden ist, was bedeutet dies für gesunde Personen, die einen größeren OFC haben? Könnte das eine schützende Rolle spielen?" Und ist Optimismus Teil des Mechanismus, der ein größeres Volumen des OFC mit geringerer Angst verbindet?

Das Team untersuchte MRT-Gehirnscans von 61 gesunden jungen Erwachsenen und analysierte die Struktur einiger Gehirnregionen - inkl. OFC. Die Forscher berechneten das Volumen der grauen Substanz in jeder Gehirnregion im Vergleich mit dem Gesamtvolumen des Gehirns. Die Teilnehmer machten auch Tests, die Optimismus, Angst, Depressionssymptome sowie positive (Begeisterung, Interesse) und negative (Reizbarkeit, Verärgerung) erfassten.

Optimismus spielt vermittelnde Rolle

Die Analyse ergab, dass ein dickerer orbitofrontaler Cortex auf der linken Seite des Gehirns mit einem größeren Optimismus und weniger Angst einherging. Die Forscher sagen, dass Optimismus eine vermittelnde Rolle bei der Angstverringerung bei Personen mit größerem OFC spielte.

Weitere Analysen schlossen die Rolle von anderen positiven Eigenschaften bei der Angstreduktion aus, und andere Gehirnstrukturen scheinen keine Rolle bei der Reduktion der Angst durch Steigerung des Optimismus zu spielen.

Was tue ich, um meine Angst zu lindern?

"Man kann also sagen, es gibt eine Verbindung zwischen dem orbitofrontalen Cortex und der Angst. Was tue ich, um meine Angst zu lindern?", fragt Dolcos in der Zeitschrift Social, Cognitive and Affective Neuroscience. "Unser Modell sagt, dass dies teilweise durch Optimismus erreicht werden kann. Also ist Optimismus ein Faktor, den wir angehen können."

Optimismus wird seit Jahren in der Sozialpsychologie erforscht. Aber erst seit kurzem untersuchen wir seine funktionellen und strukturellen Verbindungen im Gehirn, sagte Koautorin Yifan Hu. "Wir wollten wissen: Wenn wir konsequent optimistisch sind - was das Leben angeht, würde dies im Gehirn einen Marker hinterlassen?"

Zukünftige Forschungsstudien sollten testen, ob Optimismus vergrößert und Angst reduziert werden können, indem man seinen orbitofrontalen Cortex durch Aufgaben trainiert, oder durch das Aufspüren von Möglichkeiten, die direkt Optimismus steigern können.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Illinois, Social, Cognitive and Affective Neuroscience; Sept. 2015

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