Psychologische Behandlungen für chronisch Kranke führen zu weniger Krankenhausaufenthalten

Auswirkungen von psychosozialer Unterstützung für chronisch Kranke auf die Hospitalisierung

07.02.2022 Menschen mit Krankheiten wie Diabetes müssen seltener im Krankenhaus behandelt werden, wenn sie im staatlichen Gesundheitsdienst Zugang zu „verbalen Psychotherapien“ haben.

Dies ist die wichtigste Schlussfolgerung einer neuen Studie der Imperial College Business School, die in der Zeitschrift Social Science and Medicine veröffentlicht wurde.

Chronische Erkrankungen

Viele Menschen mit chronischen Krankheiten leiden auch an psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen, und die Autoren untersuchten die Auswirkungen einer Ausweitung psychologischer Therapien auf solche Patienten. Sie wollten herausfinden, ob dies den Betroffenen helfen könnte, einige der Auswirkungen ihrer Krankheit besser zu bewältigen und die Notwendigkeit teurer Krankenhausaufenthalte zu verringern.

Schätzungen zufolge sind die Gesundheitskosten für Menschen mit gleichzeitigen psychischen Problemen um etwa 50 % höher als für Menschen mit alleinigen körperlichen Problemen. Diese höheren Kosten fallen vor allem für körperliche Gesundheitsleistungen an, einschließlich vermehrter Krankenhausaufenthalte und einer höheren Inanspruchnahme der Primär- und Sekundärversorgung. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass einige Krankenhausaufenthalte vermieden werden könnten, wenn die Patienten verbale Psychotherapien erhalten, um die Auswirkungen ihrer Krankheit auf die psychische Gesundheit zu bewältigen.

Notaufnahmen und stationäre Aufenthalte

Studienautorin Carol Propper sagte: Psychotherapie für Menschen mit chronischen Erkrankungen kann die Zahl der Notaufnahmen und stationären Aufenthalte in Krankenhäusern erheblich reduzieren. Solche Besuche sind kostspielig und oft vermeidbar.

Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass psychologische Behandlungen eine Möglichkeit sind, die erhebliche Belastung durch die Behandlung dieser Krankheiten zu bewältigen.

Die Studie

Für die Studie wurden Daten des NHS-Programms Improving Access to Psychological Therapies (IAPT) ausgewertet, in dessen Rahmen in England jedes Jahr rund eine halbe Million Menschen mit generalisierten Angststörungen und Depressionen behandelt werden. Sie befassten sich mit Menschen in England, die sowohl an allgemeinen psychischen Störungen als auch an schwerer Diabetes, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung und/oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden.

Die Forscher fanden heraus, dass Menschen mit diesen Erkrankungen, die Zugang zu IAPT-Psychotherapien hatten, innerhalb von 12 Monaten nach Beendigung ihrer psychologischen Behandlung mit etwa 20 % geringerer Wahrscheinlichkeit die Notaufnahme aufsuchten oder stationär behandelt wurden und mit etwa 10 % geringerer Wahrscheinlichkeit einen ambulanten Krankenhausaufenthalt hatten als Menschen ohne Zugang zum IAPT-Programm.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Angebot psychologischer Behandlungen für häufige psychische Erkrankungen für Personen, die auch an langfristigen chronischen Gesundheitsproblemen leiden, das Wohlbefinden der Patienten verbessern und die Kosten senken kann, fassen die Autoren zusammen.

© Psylex.de – Quellenangabe: Social Science & Medicine (2021). DOI: 10.1016/j.socscimed.2021.114675

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