Psychologische Intervention verringert Doping bei Sportlern

Die Vorstellung künftiger Schuldgefühle hilft Sportlern, sich vom Doping fernzuhalten

12.12.2021 Einer neuen Studie zufolge könnte es sich als wirksame Waffe im Kampf gegen Doping erweisen, durch psychologische Intervention an das „zukünftige Schuldgefühl“ der Sportler zu appellieren.

Die Forscher fanden heraus, dass die Imagination von Schuldgefühlen bei Spitzensportlern, die verbotene leistungssteigernde Mittel verwenden, eine stärkere erste Reaktion hervorruft als Initiativen, die die Sportler über die gesundheitlichen Risiken des Dopings aufklären.

Die Studie

In Zusammenarbeit mit 208 Sportlern aus dem Vereinigten Königreich und Griechenland führten die Forscher zwei sechsmonatige Studien durch – eine psychologische Intervention, die sich auf Emotionen und persönliche Entscheidungen bezog, die andere ein Aufklärungsprogramm, das die Risiken und gesundheitlichen Folgen des Dopings hervorhob.

Anhand von wahren Sportlerberichten und Videoaussagen machten sie die Teilnehmer auf die Emotionen von gedopten Sportlern aufmerksam und stellten diese den Emotionen erfolgreicher Sportler gegenüber, die saubere Wettkämpfe bestritten.

Mit Doping verbundenen Emotionen

Die Teilnehmer diskutierten über die Geschichten der Athleten und vertieften so ihr Verständnis für die mit Doping verbundenen Emotionen. Die Forscher untersuchten die Rechtfertigungen der Sportler für ihr Doping (moralische Distanzierung) und machten auf die Folgen aufmerksam, die Doping für andere hat, sei es für die Familie, Freunde, Mannschaftskameraden oder andere Sportler.

Während die psychologische Intervention wirksamer war als ihr pädagogisches Gegenstück, stärkten die nützlichen Informationen über Doping, Dopingkontrollverfahren, die Risiken von Sportnahrungsergänzungsmitteln, gesunde Ernährung und Verstöße gegen die Anti-Doping-Bestimmungen das Selbstvertrauen der Sportler, der Versuchung des Dopings zu widerstehen.

Das internationale Expertenteam unter der Leitung der Universität Birmingham, das die Ergebnisse der Studie in der Zeitschrift Psychology of Sport and Exercise präsentierte, empfiehlt daher den Sportaufsichtsbehörden, beide Arten von Maßnahmen in einem einzigen Programm zu kombinieren.

Appell an Schuldgefühle der Sportler

Athleten aus 19 Sportvereinen in beiden Ländern wurden nach dem Zufallsprinzip entweder der psychologischen oder der pädagogischen Intervention zugewiesen, wobei die Forscher feststellten, dass die Ergebnisse in beiden Ländern übereinstimmten.

Die Projektleiterin Maria Kavussanu, Professorin für Sport- und Bewegungspsychologie an der Universität Birmingham, erklärte, dass sie herausgefunden haben, dass der Appell an das Schuldgefühl der Athleten durch eine psychologische Intervention ein wirksames Mittel ist, um die Sportler davon zu überzeugen, nicht zu dopen.

Wir haben uns auf psychologische Faktoren konzentriert, die empirisch mit Doping-Emotionen in Verbindung gebracht wurden. Dieser sozialkognitive Ansatz war für die Verringerung der Dopingwahrscheinlichkeit ebenso wichtig wie die Aufklärung der Sportler über die Schäden des Dopings, die Risiken von Nahrungsergänzungsmitteln und die Bedeutung von Whistleblowing.

Fokus auf Dopingprävention

Wirksame Maßnahmen müssen sich auf die Prävention und nicht auf die Aufdeckung von Doping konzentrieren, und die Psychologen glauben, dass die gezielte Berücksichtigung psychologischer Variablen bei Anti-Doping-Maßnahmen die Bemühungen der Regulierungsbehörden um die Ausmerzung von Doping im Sport unterstützen sollte.

Die Verwendung verbotener leistungssteigernder Mittel und Methoden kann erhebliche gesundheitliche Folgen für die Athleten haben und stellt eine große Bedrohung für die Integrität und das Image des Sports dar, während gleichzeitig das Fairplay untergraben wird, schreiben die Autoren.

Trotz erheblicher weltweiter Investitionen der Regierungen in ausgefeilte Methoden zur Bekämpfung des Dopings ist diese Praxis sowohl bei Spitzen- als auch bei Amateursportlern weit verbreitet, wobei der Anteil des absichtlichen Dopings bei erwachsenen Spitzensportlern bei 57 % liegt. Außerdem ist die Prävalenz des Dopings bei jungen Männern höher als bei jungen Frauen und bei Sportlern, die Kraftsportarten betreiben.

© Psylex.de – Quellenangabe: Psychology of Sport and Exercise (2021). DOI: 10.1016/j.psychsport.2021.102099

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