Antizipation zukünftiger Ereignisse: Neuronale Mechanismen bei psychopathologischen subklinischen Symptomen

Neuronale Mechanismen der Zukunftsvorstellung bei Personen mit schizotypischen, autistischen oder depressiven Zügen

13.12.2021 Affektive Vorhersage oder Prospektion ist die Fähigkeit, zukünftige Ereignisse mental zu konstruieren und das Ereignis lange vor seinem Eintreten zu „erleben“.

Die beeinträchtigte Fähigkeit, sich die Zukunft vorzustellen, spielt eine wichtige Rolle bei den psychologischen Mechanismen der verminderten Fähigkeit, Freude zu empfinden (Anhedonie), und der verminderten Motivation, Belohnungen zu erhalten, d. h. bei dem Phänomen der Anhedonie und Amotivation, das häufig bei Patienten mit psychischen Störungen wie Schizophrenie, Autismus und schweren depressiven Störungen beobachtet wird.

Empirische Befunde deuten darauf hin, dass Personen mit subklinischer Psychopathologie, wie z. B. einem hohen Maß an sozialer Anhedonie, weniger spezifische Ereignisse hervorrufen, weniger positive Emotionen berichten und eine weniger lebhafte mentale Repräsentation haben als Personen mit einem geringen Maß an solchen Merkmalen.

Dr. Raymond Chan und sein Team vom Institut für Psychologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften haben gezeigt, dass Personen mit einem hohen Grad an sozialer Anhedonie eine veränderte Aktivierung und kortikostriatale funktionelle Konnektivität aufweisen, wenn sie sich positive zukünftige Ereignisse vorstellen, verglichen mit Personen mit einem niedrigen Grad an sozialer Anhedonie. Es ist jedoch noch unklar, ob Personen mit anderen subklinischen Psychopathologien veränderte neuronale Mechanismen der Zukunftsvorstellung aufweisen.

Die Studie

Um diese Frage zu klären, führten die Forscher eine Studie durch, in der sie die neuronalen Korrelate (Entsprechungen) für die Vorstellung zukünftiger Ereignisse untersuchten und prüften, ob Personen mit schizotypischen Zügen, autistischen Zügen und subsyndromalen depressiven Symptomen gemeinsame oder unterschiedliche neuronale Korrelate der Prospektion aufweisen.

Sie rekrutierten 34 Personen mit autistischen Zügen, 27 Personen mit schizotypischen Zügen, 31 Personen mit depressiven Symptomen und 35 Kontrollpersonen. Alle Teilnehmer absolvierten eine Prospektionsaufgabe, während sie sich einer funktionellen Magnetresonanztomographie unterzogen.

Die Ergebnisse

Die Forscher fanden heraus, dass Personen mit autistischen Merkmalen und Personen mit schizotypischen Merkmalen eine intakte Verhaltensleistung beim Vorstellen zukünftiger Ereignisse zeigten. Sie zeigten jedoch subtile neuronale Veränderungen beim Vorstellen zukünftiger Ereignisse im Vergleich zu Personen mit geringen Ausprägungen der spezifischen Merkmale.

Diese veränderten neuronalen Reaktionen im anterioren cingulären Cortex und im frontalen Gyrus bei Personen mit autistischen Merkmalen könnten auf subtile neuronale Veränderungen bei der Antizipation positiver und neutraler zukünftiger Ereignisse hindeuten, während die veränderten neuronalen Reaktionen im Caudatum bei Personen mit schizotypischen Merkmalen auf eine „kompensierte“ neuronale Veränderung bei der Vorstellung positiver Emotionen während der Prospektion hindeuten könnten.

Zusammengenommen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass Personen mit unterschiedlichen subklinischen Psychopathologien einzigartige Veränderungen der neuronalen Reaktionsmuster im Prozess der Prospektion aufweisen. Diese Ergebnisse sind besonders wichtig, um uns bei der Formulierung spezifischer nicht-medizinischer Interventionen für die Prospektion in klinischen Fällen von Schizophrenie, Autismus und schweren depressiven Störungen zu unterstützen, schließt Chan.

© Psylex.de – Quellenangabe: Journal of Abnormal Psychology (2021). DOI: 10.1037/abn0000709




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