Schizophrenie: Rolle von Motivationsdefizit / Freudlosigkeit bei sozialer Aktivität

Anhedonie und Amotivation – nicht Ausdrucksstörungen – tragen zur sozialen Dysfunktion bei Schizophreniepatienten bei

12.05.2022 Schizophrenie ist eine komplexe neurologische Entwicklungs- und Hirnstörung, die mit einem breiten Spektrum an Psychopathologie einhergeht und Kognition, Emotion und Denkprozesse beeinträchtigt.

Obwohl die Diagnose der Schizophrenie hauptsächlich auf Positivsymptomen wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen beruht, wird das letztliche funktionelle Ergebnis von Patienten mit Schizophrenie hauptsächlich durch Negativsymptome wie Anhedonie, Amotivation und Ausdrucksstörungen bestimmt.

Der zugrundeliegende Zusammenhang zwischen Negativsymptomen und sozialem Funktionieren ist jedoch nicht vollständig klar.

Amotivation (Motivationslosigkeit) / Anhedonie (Freudlosigkeit) und Ausdrucksstörungen bei Schizophrenie

Frühere Studien, die den Zusammenhang zwischen Negativsymptomen und sozialer Funktionsfähigkeit untersuchten, gingen von einem einheitlichen Konstrukt der Negativsymptome aus. Neuere Ergebnisse unterstützen ein Zwei-Faktoren-Modell, das Amotivation (Motivationslosigkeit) / Anhedonie (Freudlosigkeit) und Ausdrucksstörungen bei Schizophrenie umfasst. Die besonderen Auswirkungen von Amotivation, Anhedonie und Ausdrucksstörungen auf das soziale Funktionieren bedürfen weiterer Klärung, schreiben die Studienautoren.

Um diese ungeklärte Frage zu beantworten, haben Dr. Raymond Chan und sein Team vom Institut für Psychologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften die Netzwerkanalyse eingesetzt, um speziell die Netzwerkstruktur und die Wechselbeziehung zwischen Negativsymptomen (sowohl auf der Ebene der „Symptomdimension“ als auch auf der Ebene der „Symptomitems“), anderen Psychopathologien und dem sozialen Funktionieren bei 269 Schizophreniepatienten zu untersuchen.

Sie bewerteten die Negativsymptome mithilfe des Clinical Assessment Interview for Negative Symptoms und der Positive and Negative Syndrome Scale sowie das soziale Funktionieren mithilfe der Social and Occupational Functioning Assessment Scale.

Den Forschern zufolge war der Faktor, der Anhedonie und Amotivation erfasste, eng mit dem sozialen Funktionieren von Schizophreniepatienten verbunden, nachdem die Nebenwirkungen der Medikamente, die Krankheitsdauer und andere Psychopathologie kontrolliert worden waren. Übereinstimmende Muster der Netzwerkstruktur zeigten sich sowohl auf der Ebene der „Symptomdimension“ als auch auf der Ebene der „Symptomitems“.

Soziales Funktionieren

Die anschließende Analyse zeigte außerdem, dass die Faktoren Amotivation und Anhedonie den größten Anteil an der Varianz des sozialen Funktionierens ausmachten.

Zusammengenommen belegen diese Ergebnisse, dass Amotivation und Anhedonie und nicht expressive Störungen eine zentrale Rolle bei der Bestimmung des sozialen Funktionierens von Schizophreniepatienten spielen. Diese Studie unterstreicht Amotivation und Anhedonie als potenzielle Interventionsziele zur Verbesserung der funktionellen Ergebnisse von Schizophreniepatienten.

Das Team von Chan untersucht nun, ob dieses Beziehungsmuster nur bei Schizophreniepatienten auftritt oder auch bei anderen psychiatrischen Erkrankungen, die ähnliche Anhedonie-, Amotivations- und Ausdrucksstörungen aufweisen, wie z. B. die klinische Depression und die bipolare Störung.

© Psylex.de – Quellenangabe: Schizophrenia Bulletin (2022). DOI: 10.1093/schbul/sbac017

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