Schule: Sitzenbleiben erhöht Mobbingrisiko

Studie untersuchte Zusammenhang zwischen Wiederholung der Klasse und Viktimisierung durch Mobbing bei Heranwachsenden

13.11.2021 Schüler, die eine Klasse wiederholt haben (umgangssprachlich: Schüler, die sitzengeblieben sind), weisen überall auf der ganzen Welt ein höheres Risiko auf, Opfer von Mobbing zu werden. Dies geht aus einer in PLOS Medicine veröffentlichten Studie hervor, an der fast eine halbe Million Schüler teilgenommen haben.

Die Studie

Die Bekämpfung und Verhinderung von Gewalt in der Schule, einschließlich Mobbing, ist ein spezifisches Ziel der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Nur wenige Studien mit großen Stichproben haben den Zusammenhang zwischen der Wiederholung von Klassen und Mobbingviktimisierung untersucht.

In der neuen Studie verwendeten die Forscher um Xiayun Zuo von der Fudan University, China, Daten aus dem Program for International Student Assessment (PIA) 2018, das Informationen über 465.146 Schüler im Alter von 15 und 16 Jahren aus 74 Ländern/Volkswirtschaften enthält.

Angaben zu Mobbingerfahrungen der Sitzenbleiber

Insgesamt hatten 12,25 % der teilnehmenden Schüler eine Klasse wiederholt, und 30,32 % der Schüler gaben an, im vergangenen Jahr mindestens ein paar Mal im Monat Mobbing erlebt zu haben.

Sitzengebliebende Schüler waren im Vergleich zu ihren Mitschülern mit höherer Wahrscheinlichkeit Opfer von Mobbing (OR 95% CI 1,32-1,52, p<0,001).

Dieser Zusammenhang wurde bei Schülern in 46 verschiedenen Ländern/Ökonomien und bei Schülern beiderlei Geschlechts beobachtet.

Im Vergleich zu Jungen wiesen sitzengebliebende Mädchen jedoch ein höheres Risiko auf, dass man sich über sie lustig machte, sie bedrohte, ihnen etwas weggenommen wurde und sie herumgeschubst wurden.

Zusammenhang unklar

Die Autoren weisen darauf hin, dass die Ergebnisse zwar einen Zusammenhang zwischen der Erfahrung des Wiederholens einer Klasse und der Viktimisierung durch Mobbing belegen, dass die Querschnittsstudie jedoch nicht feststellen kann, ob ein solcher Zusammenhang kausal ist oder in welche Richtung er geht.

Außerdem beschränkte sich die Studie auf Jugendliche, die zum Zeitpunkt der Befragung die Schule besuchten, und die Angaben zu Mobbing-Erfahrungen und Klassenwiederholungen waren Selbstauskünfte.

Diese Ergebnisse sind für Eltern, Lehrer, Schulleiter und politische Entscheidungsträger auf verschiedenen Ebenen sehr besorgniserregend, insbesondere in Ländern, in denen das Wiederholen von Klassenstufen besonders häufig vorkommt, sagen die Autoren. Sitzenbleiben ist sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen mit Mobbing-Viktimisierung verbunden.

© Psylex.de – Quellenangabe: PLOS Medicine, 2021; 18 (11): e1003846 DOI: 10.1371/journal.pmed.1003846

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