Selbstverletzung: Wer ist besonders anfällig?

Jugendliche mit dem größten Risiko für selbstverletzendes Verhalten könnten viel früher erkannt werden

16.06.2021 Forscher haben zwei Untergruppen von Jugendlichen mit selbstverletzenden Verhaltenstendenzen entdeckt und zeigen, dass es möglich ist, die Personen mit dem größten Risiko fast ein Jahrzehnt vor Beginn der Selbstverletzung vorherzusagen.

Das Team der MRC Cognition and Brain Sciences Unit der Universität Cambridge fand heraus, dass Schlafprobleme und ein geringes Selbstwertgefühl zwar häufige Risikofaktoren sind, es aber zwei unterschiedliche Profile von Jugendlichen gibt, die sich selbst verletzen – eine Gruppe mit emotionalen und Verhaltensschwierigkeiten und eine zweite Gruppe ohne diese Probleme, aber mit anderen Risikofaktoren.

Das Team um Stepheni Uh aus Cambridge identifizierte Jugendliche, die im Alter von 14 Jahren über selbstverletzendes Verhalten berichteten, aus einer landesweit repräsentativen britischen Geburtskohorte von etwa 11.000 Personen. Dann nutzten sie eine maschinelle Lernanalyse, um herauszufinden, ob es unterschiedliche Profile von Jugendlichen gibt, die sich selbst verletzen, mit unterschiedlichen emotionalen und verhaltensbezogenen Merkmalen. Sie nutzten diese Informationen, um Risikofaktoren aus der frühen und mittleren Kindheit zu ermitteln. Die Ergebnisse sind im Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry veröffentlicht worden.

Da die Daten der Teilnehmer über einen längeren Zeitraum erfasst wurden, waren die Forscher in der Lage, Faktoren, die neben dem berichteten selbstverletzenden Verhalten auftreten, wie z.B. ein geringes Selbstwertgefühl, von denen zu unterscheiden, die diesem vorausgehen, wie z.B. Mobbing.

Zwei Risikogruppen

Das Team identifizierte zwei verschiedene Untergruppen unter den Jugendlichen, die sich selbst verletzen, mit signifikanten Risikofaktoren, die bereits im Alter von fünf Jahren auftraten, also fast ein Jahrzehnt, bevor sie selbstverletzendes Verhalten angaben. Während beide Gruppen im Alter von 14 Jahren mit größerer Wahrscheinlichkeit Schlafprobleme und ein geringes Selbstwertgefühl aufwiesen, unterschieden sich andere Risikofaktoren zwischen den beiden Gruppen.

Schlechte psychische Gesundheit

Die erste Gruppe wies eine lange Vorgeschichte einer schlechten psychischen Gesundheit auf, ebenso wie Mobbing, bevor sie sich selbst verletzten. Ihre Bezugspersonen hatten mit größerer Wahrscheinlichkeit selbst psychische Probleme.

Risikofreudiges Verhalten, Impulsivität

Bei der zweiten Gruppe hingegen war das selbstverletzende Verhalten in der frühen Kindheit schwieriger vorherzusagen. Eines der wichtigsten Anzeichen war eine größere Bereitschaft zu risikofreudigem Verhalten, das mit Impulsivität verbunden ist.

Andere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass diese Tendenzen das Kind dazu prädisponieren, sich weniger Zeit zu nehmen, um über alternative Bewältigungsmethoden und die Konsequenzen der Selbstverletzung nachzudenken.

Faktoren, die mit den Beziehungen zu Gleichaltrigen zusammenhängen, waren ebenfalls wichtig für diese Untergruppe, einschließlich des Gefühls von weniger Sicherheit bei Freunden und Familie im Alter von 14 Jahren und eine größere Besorgnis über die Gefühle anderer als ein Risikofaktor im Alter von 11 Jahren.

© psylex.de – Quellenangabe: Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry (2021). DOI: 10.1016/j.jaac.2021.03.010

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