Soziale Unruhen: Ungleichheit führt zu Vandalismus

Soziale Ungleichheit kann kollektive Gewalt hervorrufen: Ein Experiment

23.09.2021 Das von der Nuffield Foundation finanzierte Projekt wurde nach den Londoner Unruhen von 2011 ins Leben gerufen, als die Forscher versuchten, die Ursprünge von antisozialem Gruppenverhalten zu verstehen. Die Ergebnisse wurden in Proceedings of the Royal Society B veröffentlicht.

Der leitende Forscher Professor Daniel C. Richardson (University College London Psychology & Language Sciences) sagte: Wir haben versucht zu verstehen, warum sich Menschen an Krawallen beteiligen, ein Verhalten, das als „gesellschaftliche Selbstbeschädigung“ angesehen werden kann; typischerweise beschädigen Menschen bei Krawallen ihre lokale Umgebung und setzen sich selbst dem Risiko aus, verletzt oder verhaftet zu werden, ohne etwas von ihren Handlungen zu haben.

Die verschiedenen Erklärungen für Krawalle lassen sich häufig in drei Lager einteilen:

  • die Erklärung des „faulen Apfels“, die individuelle Kriminalität verantwortlich macht,
  • die Erklärung der sozialen Identität, bei der die Krawallmacher ein gemeinsames Problem haben und kollektives Handeln als Mittel zur Veränderung sehen, und
  • die Erklärung der relativen Deprivation, bei der die Menschen eine Kluft zwischen dem sehen, was sie haben, und dem, was sie zu verdienen glauben.

Die Experimente

In einer Reihe von 19 Experimenten mit insgesamt 171 Teilnehmern spielten jeweils zwei Gruppen ein interaktives Handyspiel namens Parklife, bei dem sie in Teams einen virtuellen Park entwickelten.

Die Hälfte der Zeit wurde das Spiel zugunsten eines Teams manipuliert, was deutlich wurde, als beide Gruppen den Park des anderen Teams auf einem Bildschirm sehen konnten. Als das benachteiligte Team dies bemerkte, wurde es frustriert und begann, den anderen Park zu zerstören. Vandalismus war als Option in das Spiel eingebaut, war aber selbstzerstörerisch, da er dem Team die Zeit nahm, den eigenen Park zu verbessern. Benachteiligte Teams mussten doppelt so hart am Aufbau arbeiten, aber es war für beide Teams gleichermaßen einfach, zu vandalieren.

In den ungleichen Spielen zerstörte das benachteiligte Team mehr Parkelemente des anderen Teams, während es gleichzeitig weniger eigene Elemente errichtete, da es seine Bemühungen stattdessen auf Vandalismus konzentrierte.

Die Teilnehmer begingen nur dann Vandalismus, wenn andere in ihrem Team ihre eigenen Anlagen bauten, was den Psychologen zufolge eine spontane Koordinierung der Aktivitäten innerhalb des Teams zeigt (auch wenn sie nicht miteinander sprechen durften).

Die Forscher stellten nicht fest, dass Unterschiede in den persönlichen Eigenschaften – wie politische Zugehörigkeit oder soziale Gruppe – das Ausmaß des Vandalismus erklärten. Allerdings stellten die Wissenschaftler fest, dass die Teilnehmer stärker auf Ungleichheit reagierten, wenn sie über die Eigenschaften ihrer Teamkollegen informiert wurden und glaubten, dass sie Gemeinsamkeiten mit ihrem Team hatten.

Schlussfolgerung

Die Sozialpsychologen zeigen damit, dass kollektives Gruppenverhalten auch bei schwacher sozialer Identifikation auftreten kann, d. h. wenn man zufällig einer Gruppe von Fremden zugewiesen wird.

Da die Forscher keine Belege dafür gefunden haben, dass eine bestimmte Persönlichkeit oder ein bestimmter demografischer Typ allein für Konflikte zwischen Gruppen verantwortlich ist, nehmen sie an, dass kollektive Gewalt nicht nur durch bestimmte Typen von Menschen verursacht wird. Unruhen entstehen aus Situationen, nicht aus bestimmten Personengruppen, sagt Richardson. Er hält es für falsch, die an den Unruhen Beteiligten zu verteufeln, anstatt die eigentlichen Ursachen zu untersuchen.

Stattdessen haben wir festgestellt, dass die Ungleichheit zwischen Gruppen einen direkten, kausalen Einfluss auf Konflikte zwischen Gruppen hat, was darauf hindeutet, dass die Verringerung der wirtschaftlichen Ungleichheit eine Rolle bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit spielen könnte, schließen die Psychologen.

© Psylex.de – Quellenangabe: Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 2021; 288 (1959): 20203091 DOI: 10.1098/rspb.2020.3091




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