Depression: Hyperthermie

Depression: Hyperthermie

Depressive Störungen – Behandlung, Therapie, Prävention

Erhöhung der Körpertemperatur lindert Depressionssymptome

17.05.2016 Laut einer kleinen, doppel-blinden in der Zeitschrift JAMA Psychiatry veröffentlichten Studie der University of Wisconsin-Madison linderte eine leichte Erhöhung der Körpertemperatur (Hyperthermie / Überwärmung) die Depressionssymptome von Freiwilligen.

Unter der Leitung von Dr. Charles Raison wurde bei 16 Teilnehmern die Körpertemperatur (in einer Art Zelt durch Infrarotlicht auf Füße und Kopf) auf 38,5° Celsius erhöht, was in etwa eine Stunde dauerte.
Eine Kontrollgruppe erhielt eine ‚Placebo-Behandlung‘ in einem gleich aussehenden Zelt.

Wirksamkeit

Sie bewerteten die depressiven Freiwilligen auf der Hamilton Depression Skala (HDRS), und fanden, dass 60 Prozent ansprachen und 40 Prozent den Kriterien einer Remission während mindestens einer Erfassung entsprachen, nachdem sie eine Behandlung erhalten hatten.

Die echte hyperthermische Behandlung verbesserte den Score im Depressionstest im Schnitt um 5,67 Punkten mehr als die vorgetäuschte in der 1. Behandlungswoche; im Schnitt gab es einen Unterschied von 4,83 Punkten nach sechs Wochen Behandlung.

HDRS-Punkte von 0 bis 7 sind normal, 8 bis 13 weisen auf eine leichte Depression, 14 bis 18 auf eine moderate, und 19 und mehr auf eine schwere bzw. sehr schwere Depression. Beide Gruppen meldeten nur leichte Nebenwirkungen.

„Wir waren überrascht zu sehen, dass die Wirkung (reduzierte Depressionssymptome) noch sechs Wochen nach der anfänglichen Behandlung festzustellen war“, sagt Raison.

Anregung der Serotonin-Produktion

Koautor Christopher Lowry, Professor für Integrative Physiologie an der Universität von Colorado-Boulder, konnte bereits in einer früheren Studie zeigen, dass die Erhöhung der Ganzkörper-Temperatur Neurone im Gehirn aktiviert, die das neurochemische Serotonin synthetisieren; ein Effekt, der auch durch Antidepressiva erreicht wird.

Lowry sagte, dass das Aufwärmen der Haut Gehirnregionen aktivieren würde, deren Aktivitäten bei Depressiven geringer ausfallen würden.

Ablenkung vom Grübeln

Ein durch die Erwärmung der Haut aktiviertes Gehirngebiet – der mittlere orbitofrontale Cortex – ist an der Regulation der Stimmung beteiligt. Dieses Gebiet reagiert auf angenehme Töne, Gerüche, Bilder, Geschmack und andere Stimuli.

Eine Prämisse der Forschung war, dass sich bestimmte Sinnespfade entwickelten, um Antidepressiva-ähnliche Reaktionen zu vermitteln. Lowry sagte, dass Depression mit der Überaktivität des Default-Mode-Netzwerkes des Gehirns verbunden ist, das in Aktion tritt, wenn jemand grübelt.

Aber während der Evolution machten bestimmte Bedingungen solch eine Gemütsverfassung „äußerst maladaptiv“, sagte Lowry. Große Hitze würde dagegen die Aufmerksamkeit von den inneren Gedanken auf die Außenwelt lenken.

Die Befunde der gegenwärtigen Studie sind ermutigend, aber aufgrund der kleinen Größe sind weitere Studien zur Replikation der Studie erforderlich, und um festzustellen, wie Hyperthermie optimalerweise (Temperaturhöhe, Zeitdauer) angewandt werden sollte. Auch ist nicht ganz auszuschließen, dass die Befunde durch die Erwartungen der Patienten zustande kamen.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Universität Wisconsin-Madison, JAMA Psychiatry – DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2016.1031; Mai 2016

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