Tiefe Hirnstimulation bei Binge-Eating-Störung vielversprechend

Pilotstudie zur tiefen Hirnstimulation des Nucleus accumbens bei Essanfällen

Tiefe Hirnstimulation bei Binge-Eating-Störung vielversprechend

30.08.2022 Tiefe Hirnstimulation einer Schlüsselregion des Gehirns für Binge Eating (Essanfälle) hat sich in einer klinischen Pilotstudie bei zwei übergewichtigen Patienten mit unkontrolliertem Essverhalten (Binge-Eating-Störung) als vielversprechend erwiesen laut Forschern der Perelman School of Medicine an der University of Pennsylvania.

In der in Nature Medicine veröffentlichten Studie wurden die beiden Patienten sechs Monate lang beobachtet. Während dieser Zeit überwachte das implantierte Gerät – ein Typ, der normalerweise zur Behandlung von arzneimittelresistenter Epilepsie eingesetzt wird – die Aktivität in einer Gehirnregion namens Nucleus accumbens. Der Nucleus accumbens ist an der Verarbeitung von Vergnügen und Belohnung beteiligt und wurde mit Sucht in Verbindung gebracht.

Signale aus dem Nucleus accumbens

Wann immer das Gerät Signale aus dem Nucleus accumbens wahrnahm, die in früheren Studien als Vorhersage für Essensgelüste gedeutet worden waren, stimulierte es automatisch diese Hirnregion und unterbrach die mit dem Verlangen verbundenen Signale. Im Laufe der sechsmonatigen Behandlung meldeten die Patienten deutlich weniger Essanfälle und nahmen ab.

“Es handelte sich um eine frühe Machbarkeitsstudie, in der wir in erster Linie die Sicherheit untersuchten, aber der robuste klinische Nutzen, von denen uns diese Patienten berichteten, sind wirklich beeindruckend und aufregend”, sagte der Hauptautor der Studie Dr. Casey Halpern.

Pilotstudie

Halperns Team stattete zwei stark fettleibige Binge-Eating-Patienten mit den Hirnstimulationsgeräten aus und zeichnete sechs Monate lang die Signale der Geräte auf. Zuweilen befanden sich die Patienten im Labor und bekamen ein Büfett mit ihren Lieblingsspeisen vorgesetzt – häufig waren es Fastfood und Süßigkeiten -, aber meistens waren sie zu Hause und gingen ihrem Alltag nach. Die Forscher konnten die Essanfälle der Patienten im Labor filmen, und wenn die Patienten zu Hause waren, berichteten sie selbst über die Zeiten ihrer Essanfälle. Die Wissenschaftler beobachteten ein ausgeprägtes niederfrequentes Signal im Nucleus accumbens in den Sekunden vor dem ersten Bissen der Essattacken der Patienten.

In der nächsten Phase der Studie gaben die Hirnstimulationsgeräte automatisch hochfrequente elektrische Stimulationen an den Nucleus accumbens ab, wenn die mit dem Verlangen assoziierten niederfrequenten Signale auftraten. Während dieses sechsmonatigen Intervalls berichteten die Patienten über eine deutliche Verringerung ihres Gefühls des Kontrollverlusts und der Häufigkeit ihrer Fressanfälle – jeder von ihnen verlor außerdem mehr als 11 Pfund. Bei einem Patienten verbesserte sich die Situation so stark, dass die Kriterien für eine Binge-Eating-Störung nicht mehr erfüllt waren. Es gab offenbar keine nennenswerten unerwünschten Nebenwirkungen.

Die Wissenschaftler haben die Probanden weitere sechs Monate lang beobachtet und begonnen, neue Patienten für eine größere Studie zu rekrutieren. Sie weisen darauf hin, dass der gleiche Behandlungsansatz im Prinzip auch bei anderen Störungen im Zusammenhang mit Kontrollverlust, einschließlich Bulimie, angewendet werden könnte.

© Psylex.de – Quellenangabe: Nat Med (2022). https://doi.org/10.1038/s41591-022-01941-w

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