Videokonferenz-Erschöpfung trifft nicht jeden

Zoom-Fatigue – Der ständige Spiegel: Selbsteinschätzung und Einstellung zu virtuellen Meetings

03.01.2022 Die Zoom-Fatigue (Videokonferenz-Erschöpfung) mag zwar ein echtes Problem sein, aber für manche Menschen scheint der „ständige Spiegel“-Effekt (ihr eigenes Gesicht zu sehen) virtuelle Sitzungen nicht unangenehmer zu machen, wie eine Studie der Washington State University ergab.

Im Rahmen der Studie wurden zwei Gruppen befragt, die aufgrund der Pandemie regelmäßig an virtuellen Sitzungen teilnahmen: Arbeitnehmer und Studenten. Die Einstellung der Teilnehmer zur Selbstdarstellung hing von einer individuellen Eigenschaft ab – dem öffentlichen Selbstbewusstsein. Teilnehmer mit einer geringeren Ausprägung dieser Eigenschaft bekamen eine positivere Einstellung zu ihren virtuellen Meetings, je häufiger sie ihr eigenes Gesicht sahen.

Die Studie

Die meisten Menschen glauben, dass der Anblick der eigenen Person während virtueller Meetings dazu beiträgt, das Gesamterlebnis zu verschlechtern, aber das hat sich in den Daten nicht gezeigt, sagte Kristine Kuhn vom Carson College of Business der WSU und Autorin der in Computers in Human Behavior veröffentlichten Studie. Es hing von der Person ab.

Im Sommer und Herbst 2020, kurz vor Beginn der Pandemie, befragte Kuhn zwei Gruppen von Personen: mehr als 80 Angestellte aus verschiedenen Teilen der USA, die auf Fernarbeit bzw. Heimarbeit umgestellt worden waren, und etwa 350 Studenten der Wirtschaftshochschule, deren Kurse online verlegt worden waren. Alle Teilnehmer beantworteten eine Reihe von Fragen über die Art ihrer Arbeit oder ihrer Unterrichtssitzungen und über ihre Gefühle damit. Sie gaben auch eine Bewertung ihres öffentlichen Selbstbewusstseins ab.

Zusammenhang mit hohem / niedrigem Selbstbewusstsein

Für beide Gruppen ergab die Studie, dass es keinen einfachen Zusammenhang gab zwischen der Häufigkeit, mit der die Teilnehmer ihr eigenes Gesicht während ihrer virtuellen Treffen sahen, und ihrer allgemeinen Einstellung dazu. Vielmehr wurde bei Personen mit hohem Selbstbewusstsein eine häufigere Selbstbeobachtung mit einer schlechteren Einstellung in Verbindung gebracht, während bei Personen mit geringem Selbstbewusstsein das Gegenteil der Fall war.

Kuhn wies darauf hin, dass es eine Reihe weiterer Einflussfaktoren auf die Zufriedenheit der Teilnehmer mit ihren virtuellen Sitzungen gibt, darunter die Kontrolle darüber, wann die Kamera eingeschaltet sein soll. Sie bemerkte, dass sich die Studie nur auf die emotionalen Reaktionen der Teilnehmer auf ihre Erfahrungen mit virtuellen Meetings fokussierte und Faktoren wie die Effektivität der Meetings oder die Lernergebnisse nicht bewertet wurden.

Effektive Nutzung virtueller Meeting-Plattformen

Es bedarf weiterer Forschung, wie virtuelle Meeting-Plattformen effektiv genutzt werden können, sagt Kuhn. Diese werden wahrscheinlich nicht verschwinden, da viele Menschen zu hybriden Arbeitsplänen übergehen und Universitäten die Beibehaltung einiger virtueller Bildungskomponenten in Betracht ziehen. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Manager und Lehrkräfte vorsichtig sein sollten, wenn sie pauschale Regeln für die Verwendung von Kameras bzw. Videokonferenzen aufstellen.

Es gibt einfach keine Einheitslösung für alle, sagt Kuhn. Ein eine Teambesprechung leitetender Manager würde es wahrscheinlich bevorzugen, wenn jeder seine Kamera eingeschaltet hätte. Gleichzeitig sollte man sich darüber im Klaren sein, dass dies wahrscheinlich mit Kosten verbunden ist. Man sollte also begreifen, dass es nicht unbedingt für jeden ideal ist, nur weil man es so bevorzugt.

© Psylex.de – Quellenangabe: Computers in Human Behavior (2021). DOI: 10.1016/j.chb.2021.107110




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