Warum kleine Kinder so optimistisch sind

Kinder sind voller Optimismus, aber die rosarote Brille verblasst; reduziertes Lernen aus negativen Ereignissen führt zu Hyperoptimismus bei Kindern

21.02.2022 Zwar neigen Menschen in jedem Alter zu Optimismus, doch eine im Journal of Experimental Psychology: General veröffentlichte Studie berichtet, dass dies besonders auf Kinder zutrifft und mit dem Heranwachsen in der Jugend abnimmt. Je älter sie werden, desto mehr lernen sie aus negativen Ergebnissen, verlieren ihren übertriebenen Optimismus und werden realistischer.

Die Hauptautorin der Studie Johanna Habicht (Max Planck UCL Centre for Computational Psychiatry & Ageing Research und Wellcome Centre for Human Neuroimaging, UCL Queen Square Institute of Neurology) sagt: „Wir haben unsere Studienteilnehmer gebeten, ein Spiel zu spielen, bei dem sie Schätze von verschiedenen Planeten sammeln sollten. Sie sollten herausfinden, wie gut diese Planeten waren und uns sagen, wie viel sie einbringen würden.

Kinder sind viel optimistischer als Jugendliche

Die Psychologen stellten fest, dass die Kinder viel optimistischer waren als die Jugendlichen. Alle Gruppen (Kinder und Jugendliche) hatten einen Optimismus-Bias (Optimismus-Verzerrung), da sie überschätzten, wie viel sie verdienen würden. Doch die jüngeren Kinder waren hyper-optimistisch und dachten, sie würden die meisten Schätze bekommen.

Die Studie umfasste 108 Teilnehmer: Kinder im Alter von 8 bis 9 Jahren und Jugendliche im Alter von 12 bis 13 und 16 bis 17 Jahren.

Um die Mechanismen zu verstehen, die diesen übertriebenen Optimismus bei den jüngsten Kindern verursachten, analysierten die Forscher mit Hilfe von Computermodellen, wie die Teilnehmer im Laufe des Spiels lernten.

Hyperoptimistisch, weil aus schlechten Erfahrungen/Resultaten weniger gelernt wird

Koautor Dr. Tobias Hauser sagte: „Wir haben mathematische Modelle verwendet, um das Lernen der Teilnehmer zu analysieren – das sind Algorithmen, die nachahmen, wie das Gehirn lernt, und die in den heutigen maschinellen Lernalgorithmen erfolgreich eingesetzt werden. Mit diesen Methoden konnten wir zeigen, dass Kinder hyper-optimistisch sind, weil sie aus schlechten Ergebnissen viel weniger lernen. Während Kinder genauso viel lernen wie Jugendliche, wenn etwas Gutes passiert, neigen sie dazu, zu ignorieren, wenn es nicht so gut läuft, wie sie gehofft hatten.

Hauser glaubt, dass diese Mechanismen und der daraus resultierende Hyper-Optimismus für Kinder nützlich sein können, um ehrgeizige Ziele zu verfolgen und Hindernisse auf dem Weg dorthin zu überwinden.

Ein Mangel an Hyperoptimismus könnte sogar zu Depressionen beitragen, da frühere Studien ergeben haben, dass Optimismus der geistigen und körperlichen Gesundheit sowie der beruflichen Entwicklung zugute kommt.

Depressionen entwickeln sich oft in der Pubertät, also genau in der Zeit, in der die rosarote Brille verblasst, schreiben die Autoren. Sie hoffen, dass künftige Forschungsarbeiten Aufschluss darüber geben werden, ob Entwicklungsunterschiede beim Verlust des übersteigerten Optimismus in der Jugend mit dem Risiko psychischer Krankheitssymptome zusammenhängen könnten.

© Psylex.de – Quellenangabe: Journal of Experimental Psychology: General (2022). DOI: 10.1037/xge0001138

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