Warum schaust Du mir (nicht) in die Augen?

Analyse von Blickbewegungen: Ob Menschen die Augen- oder die Mundpartie in einem Gesicht fixieren, hängt mit ihrem allgemeinen Blickverhalten zusammen

Warum schaust Du mir (nicht) in die Augen?

13.03.2024 Menschen betrachten Gesichter auf individuelle Weise. Manche neigen dazu, die Augen zu fokussieren, andere die Mitte des Gesichts oder die Mundpartie. Bisher brachten Psychologinnen und Psychologen solche Vorlieben in Zusammenhang mit Aspekten des Sozialverhaltens. So können soziale Angst oder Autismusspektrumsstörungen zur Vermeidung von Blickkontakt führen. Nun entdeckten Forschende der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) einen überraschenden Zusammenhang: Die individuelle Art, Gesichter zu betrachten, hängt damit zusammen, wie wir auf Objekte schauen. Die Ergebnisse der Studie sind im renommierten Fachjournal PNAS erschienen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeichneten Blickbewegungen hunderter Freiwilliger auf, die Bilder alltäglicher Szenen betrachteten. Dies ermöglichte die Analyse von über 1,8 Millionen Blickbewegungen, die auf Gesichter oder unbelebte Objekte fielen. Dabei zeigte sich ein unerwarteter Zusammenhang: Teilnehmende, die dazu neigten, die Augenpartie zu fokussieren, also auf den oberen Teil eines Gesichts zu schauen, richteten ihre Blicke auch höher auf unbelebte Objekte. Wer häufiger in die Augen blickte, schaute also auch auf höhere Bereiche einer Dose Cola oder Leuchtreklame. Bei Menschen, die dazu neigten, die Mundpartie zu fixieren, war es genau umgekehrt.

Maximilian Broda, Erstautor der Studie und Doktorand in der Abteilung für Allgemeine Psychologie der JLU, erklärt: „Unsere Teilnehmenden unterschieden sich zuverlässig in der Eigenschaft höher oder niedriger auf alle möglichen Arten von Objekten zu schauen. Anders als bisher gedacht, galt das nicht nur für Gesichter.“ Sein Doktorvater Prof. Ben de Haas, Ph.D., ergänzt: „Noch wissen wir nicht, warum manche Menschen höhere Bereiche fixieren als andere. Vermutlich stehen im Hintergrund aber ganz grundlegende Mechanismen der individuellen Biologie.“ Aktuell prüfen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Beispiel, welche Rolle die visuelle Auflösung in verschiedenen Bereichen der Netzhaut dabei spielt.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass grundlegende Mechanismen der visuellen Verarbeitung weitreichende Konsequenzen für menschliche Interkation und sogar Entwicklungsstörungen haben könnten“, so de Haas. „Diese Studie zeigt die Notwendigkeit, zukünftig stärker mit Forschenden anderer Bereiche zusammenzuarbeiten, zum Beispiel aus der klinischen Psychologie.“

Originalpublikation: Maximilian Davide Broda and Benjamin de Haas: Individual differences in human gaze behavior generalize from faces to objects. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) Vol. 121 | No. 12, online veröffentlicht am 12. März 2024 www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2322149121

Quellenangabe: Pressemitteilung Justus-Liebig-Universität Gießen

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