ADHS bei Hunden – Symptome, Risikofaktoren

Studie: Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit bei Hunden weisen ähnliche demografische Risikofaktoren und Verhaltenskomorbiditäten auf wie ADHS beim Menschen

16.10.2021 Eine in Translational Psychiatry veröffentlichte Studie mit rund 11.000 Hunden hat gezeigt, dass Geschlecht, Alter und Rasse des Hundes sowie Verhaltensauffälligkeiten und bestimmte Umweltfaktoren mit hyperaktivem und impulsivem Verhalten und Unaufmerksamkeit (ADHS) zusammenhängen.

ADHS bei Menschen und Hund

Die Ergebnisse der Studie können dazu beitragen, Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit bei Hunden besser zu erkennen, zu verstehen und zu behandeln. Außerdem weisen sie auf Ähnlichkeiten mit menschlichem ADHS hin, was die Rolle von Hunden in der ADHS-Forschung festigt, sagt Professor Hannes Lohi, Leiter einer Genforschungsgruppe für Hunde an der Universität Helsinki.

Hunde haben viele Gemeinsamkeiten mit Menschen, einschließlich physiologischer Merkmale und der gleichen Umgebung. Außerdem kommt ADHS-ähnliches Verhalten bei Hunden ganz natürlich vor. Das macht Hunde zu einem interessanten Modell für die Erforschung von ADHS beim Menschen, sagt Koautorin Sini Sulkama.

Die Forschungsgruppe von Professor Lohi sammelte Daten von mehr als 11.000 Hunden, indem sie eine umfassende Verhaltenserhebung durchführte. Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit wurden anhand eines Fragebogens untersucht, der in der ADHS-Forschung beim Menschen verwendet wird. Ziel der Studie war es, Umweltfaktoren zu ermitteln, die dem ADHS-ähnlichen Verhalten von Hunden zugrundeliegen, sowie mögliche Zusammenhänge mit anderen Verhaltensmerkmalen.

Alter und Geschlecht des Hundes sowie die Erfahrung des Besitzers mit Hunden spielen eine Rolle

Die Hundepsychologen fanden heraus, dass Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit bei jungen Hunden und Rüden häufiger vorkommen. Entsprechende Beobachtungen in Bezug auf Alter und Geschlecht im Zusammenhang mit ADHS wurden auch beim Menschen gemacht, sagt Jenni Puurunen.

Hunde, die täglich mehr Zeit allein zu Hause verbrachten, waren hyperaktiver, impulsiver und unaufmerksamer als Hunde, die weniger Zeit allein verbrachten.

Als soziale Tiere können Hunde frustriert und gestresst sein, wenn sie allein sind, was sich als Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit äußern kann. Es könnte sein, dass Hunde, die längere Zeit allein sind, auch weniger Bewegung und Aufmerksamkeit von ihren Besitzern bekommen, vermutet Sulkama.

Die Forscher entdeckten eine neue Verbindung zwischen Hyperaktivität und Impulsivität und der Erfahrung des Besitzers mit Hunden, da diese beiden Merkmale häufiger bei Hunden auftraten, die nicht die ersten Hunde ihrer Besitzer waren. Die Kausalität dieses Phänomens bleibt unklar.

Möglicherweise wählen die Menschen als ersten Hund ein weniger aktives Tier, das besser zu ihrer Vorstellung von einem Haushund passt, während aktivere und anspruchsvollere Hunde gewählt werden könnten, nachdem sie mehr Erfahrung mit Hunden gesammelt haben, erklärt Sulkama.

Erhebliche Unterschiede zwischen den Rassen

Die Züchtung hat das rassespezifische Verhalten der verschiedenen Hunderassen erheblich beeinflusst. Die Unterschiede zwischen den Rassen können auch auf die Gene hindeuten, die den jeweiligen Merkmalen zugrundeliegen.

Hyperaktivität und Impulsivität auf der einen Seite und gute Konzentration auf der anderen Seite sind bei Rassen, die für die Arbeit gezüchtet wurden, wie dem Deutschen Schäferhund und dem Border Collie, üblich.

Bei Rassen, die als Haustiere oder Ausstellungshunde beliebt sind, wie Chihuahua, Langhaar-Collie und Pudel, wird dagegen eine ruhigere Veranlagung als vorteilhaft angesehen, was sie zu leichteren Begleitern im täglichen Leben macht.

Andererseits wird die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, bei diesen Rassen nicht als so wichtig angesehen wie bei Arbeitshunden, weshalb Unaufmerksamkeit bei Haushunden häufiger vorkommt, sagt Lohi.

Verbindung zu anderen Verhaltensproblemen

Die Studie bestätigt die bereits früher beobachteten interessanten Zusammenhänge zwischen Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit sowie zwanghaftem Verhalten, Aggressivität und Ängstlichkeit. ADHS wird häufig auch mit anderen psychischen Störungen und Krankheiten in Verbindung gebracht.

So treten beispielsweise Zwangsstörungen häufig in Verbindung mit ADHS auf. Bei Hunden kann sich zwanghaftes Verhalten, das einer Zwangsstörung ähnelt, unter anderem in Form von Schwanzjagen, ständigem Ablecken von Oberflächen oder sich selbst, oder einem ‚in die Leere‘ Starren / das ‚Nichts‘ anstarren äußern.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sowohl bei Menschen als auch bei Hunden die gleichen Gehirnregionen und neurobiologischen Bahnen Aktivität, Impulsivität und Konzentration regulieren. Dies unterstreicht das Potenzial von Hunden als Modellspezies für die Erforschung von ADHS, sagten die Psychologen. Mit anderen Worten: Die Ergebnisse können sowohl die Erkennung und Behandlung von Impulsivität und Unaufmerksamkeit bei Hunden erleichtern als auch die ADHS-Forschung fördern, fasst Sulkama zusammen.

© Psylex.de – Quellenangabe: Translational Psychiatry, 2021; 11 (1) DOI: 10.1038/s41398-021-01626-x




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