ADHS und Demenz: Studie zeigt Zusammenhang

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und Alzheimer-Krankheit (und andere Demenzerkrankungen): Studie zeigt Zusammenhang über mehrere Generationen

10.09.2021 Eine große Studie des Karolinska Institutet in Schweden hat einen Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Demenz über Generationen hinweg festgestellt.

Die in der Zeitschrift Alzheimer’s & Dementia: The Journal of the Alzheimer’s Association veröffentlichte Studie zeigt, dass Eltern und Großeltern von Menschen mit ADHS ein höheres Demenzrisiko aufwiesen als von Kindern und Enkelkindern ohne ADHS.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass es gemeinsame genetische und/oder umweltbedingte Beiträge zu dem Zusammenhang zwischen ADHS und Demenz gibt. Jetzt brauchen wir weitere Studien, um die zugrundeliegenden Mechanismen zu verstehen, sagt der Erstautor Le Zhang, Doktorand in der Abteilung für medizinische Epidemiologie und Biostatistik am Karolinska Institutet.

Da die Diagnose von ADHS noch relativ neu ist, gibt es bisher nur eine begrenzte Anzahl kleinerer Studien über die Entwicklung von Demenz bei Menschen mit ADHS, oft mit widersprüchlichen Ergebnissen.

Auftreten von ADHS und Demenzerkrankungen

In der aktuellen Studie wollten die Forscher das ändern und untersuchten, inwieweit bei älteren Generationen von Menschen mit ADHS eine Demenz diagnostiziert wurde. Die Studie untersuchte mehr als zwei Millionen Menschen, die zwischen 1980 und 2001 in Schweden geboren und von denen etwa 3,2 Prozent mit ADHS diagnostiziert wurden. Anhand von nationalen Registern verknüpften die Forscher diese Personen mit über fünf Millionen biologischen Verwandten, darunter Eltern, Großeltern sowie Onkel und Tanten, und untersuchten, inwieweit diese Verwandten an Demenz erkrankten.

Die Forscher fanden heraus, dass Eltern von Personen mit ADHS ein 34 Prozent höheres Demenzrisiko hatten als Eltern von Personen ohne ADHS. Das Risiko für die Alzheimer-Krankheit, die häufigste Form der Demenz, war bei Eltern von Personen mit ADHS um 55 Prozent höher. Bei Personen mit ADHS war die Wahrscheinlichkeit höher, dass ihre Eltern an einer früh auftretenden Demenz erkrankten als an einer spät auftretenden.

Die Forscher stellen fest, dass das absolute Demenzrisiko für die Elternkohorte gering war; bei nur 0,17 Prozent der Eltern wurde während des Nachbeobachtungszeitraums eine Demenz diagnostiziert.

Der Zusammenhang war bei Verwandten zweiten Grades von Personen mit ADHS, d. h. bei Großeltern sowie Onkeln und Tanten, geringer. So hatten beispielsweise Großeltern von Personen mit ADHS ein um 10 Prozent erhöhtes Demenzrisiko im Vergleich zu Großeltern von Personen ohne ADHS.

Mögliche Erklärungen

Auch wenn die Studie keine Ursache-Wirkungs-Beziehung feststellen kann, stellen die Forscher mehrere mögliche Erklärungen vor, die in zukünftigen Studien erforscht werden können.

Man könnte sich vorstellen, dass es unentdeckte genetische Varianten gibt, die zu beiden Merkmalen beitragen, oder familienweite umweltbedingte Risikofaktoren wie der sozioökonomische Status, die sich auf den Zusammenhang auswirken könnten, sagt Koautor Zheng Chang. Eine andere mögliche Erklärung ist, dass ADHS das Risiko für körperliche Erkrankungen erhöht, was wiederum zu einem erhöhten Demenzrisiko führt.

© Psylex.de – Quellenangabe: Alzheimer’s & Dementia, 2021; DOI: 10.1002/alz.12462

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