Autismus und die Darmflora

Autismus über den Darm behandeln?

25.06.2017 Bislang konzentrieren sich die Behandler von Autismus auf Rehabilitation, pädagogische Interventionen und Medikamente, um die Symptome von Autismus-Spektrum-Störungen zu verringern; doch nun legen Forscher nahe, dass die Behandlung dieser Erkrankung ganz simpel über eine Veränderung der Ernährung bzw. eine Darmsanierung vorgenommen werden könnte.

Eine Überprüfung von mehr als 150 Forschungsberichten zu Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) und der Darmflora bzw. den Darmbakterien stellte fest, dass Wissenschaftler seit den 1960er Jahren über Verbindungen zwischen der Zusammensetzung der Bakterien im Darm und autistischen Verhaltensweisen berichten.

Darmsanierung verringert Symptome

Die Überprüfung hebt viele Studien hervor, die zeigen, dass die Wiederherstellung einer gesunden Balance der Darmbakterien (also eine Darmsanierung) Autismussymptome verringern kann.

Die Verbindung zwischen dem Darm und ASS ist bei den Patienten bekannt: Probleme wie Durchfall, Verstopfung und Blähungen werden häufig berichtet.

Die Wurzel von solchen Magen-Darm-Problemen ist ein Ungleichgewicht von „guten“ und „schlechten“ Bakterien im Darm.

Darm-Hirn-Achse

Viele der Forschungsberichte untersuchten die Idee einer Darm-Hirn-Achse – ein Weg, über den Faktoren im Darm die Prozesse im Gehirn beeinflussen können. So können diese Magen-Darm-Probleme nachteilige Konsequenzen auch auf das Gehirn und damit auf Psyche und Verhalten haben.

Die Überwucherung des Darms durch schlechte Darmbakterien führt unweigerlich zu einer Überproduktion von Nebenprodukten – einschließlich Toxinen, schreiben die Wissenschaftler. Diese können die Darmschleimhaut durchlässiger machen. Dann können Toxine, Nebenprodukte und sogar unverdaute Lebensmittel in den Blutkreislauf und sogar ins Gehirn gelangen.

Bei einem Kind unter drei Jahren, dessen Gehirn sich auf dem Höhepunkt der Entwicklung befindet, können solche Chemikalien die neuronale Entwicklung beeinträchtigen, was zu einer Autismus-Spektrum-Störung führen kann, sagen die Forscher.

Was verursacht bei Säuglingen ein Ungleichgewicht im Darm-Mikrobiom?

ASS ist wahrscheinlich ein Resultat genetischer und Umweltfaktoren, erklärt Studienautorin Dr. Qinrui Li von der Peking Universität im Fachblatt Frontiers in Cellular Neuroscience.

Umweltfaktoren sind z.B.

  • der übermäßige Einsatz von Antibiotika bei Babys,
  • mütterliche Adipositas und Diabetes während der Schwangerschaft,
  • wie ein Baby ausgetragen wird und
  • wie lange es gestillt wird.

Alle diese Faktoren können das Gleichgewicht der Bakterien im Darm eines Kindes beeinflussen, also sind es Risikofaktoren für Autismus, sagt sie.

Eine günstige und wirksame Behandlung?

Allerdings fanden die Forscher einen deutlichen Beleg dafür, dass die Wiederherstellung der Darmmikrobiota zu einem gesunden Gleichgewicht die ASS-Symptome reduzieren kann.

Bemühungen die Darmflora wieder in einen gesunden Zustand zu bringen, zeigen dass sie wirklich wirksam sind, fährt Dr. Li fort. Die Überprüfung der Forscher untersuchte Probiotika, Präbiotika, Veränderungen der Ernährung – zum Beispiel auf Gluten- und Casein-freie Diäten wechseln – und Fäkalien-Transplantationen.

Alle hatten einen positiven Einfluss auf die Symptome, sagte sie.

Dazu gehörten z.B. die Verbesserung der Fähigkeit Umgänglichkeit, eine Verringerung des repetitiven Verhaltens und eine verbesserte soziale Kommunikation: alles sehr vorteilhaft für das Leben eines Autisten, sagte sie.

Die Botschaft dieser Rezension ist positiv. Dies könnte ein Durchbruch bei der Behandlung dieser Störung sein, schreiben die Wissenschaftler. Allerdings wünschen sie sich mehr, größere und neue klinische Studien, um diese Forschung auf die nächste Stufe zu bringen.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Peking Universität, Frontiers in Cellular Neuroscience – DOI: 10.3389/fncel.2017.00120; Juni 2017

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