Druck „perfekt sein zu müssen“: Folgen für die Mädchen-Psyche

Studie untersuchte Mädchen, deren psychische Gesundheit und schulische Leistungen

20.12.2021 Der Druck von Schule und Familie, den Erwartungen der Gesellschaft an das „ideale“ Mädchen zu entsprechen und „gut“ zu sein, führt einer Studie zufolge bei Mädchen im Teenageralter zu psychischen Gesundheitsproblemen.

Der Druck führt zu Ängsten

Die Kultur in der Schule und zu Hause trägt bei Mädchen aus allen Schichten zu Ängsten bei, zeigt eine in Educational Review veröffentlichte Studie.

Der Druck, gute Noten zu erzielen, beliebt und schön zu sein und an außerschulischen Aktivitäten teilzunehmen, kann zu psychischen Problemen führen.

Dies ist häufiger der Fall, wenn Mädchen Angst vor der Zukunft haben, zu Hause unter Druck stehen und in der Schule einer Wettbewerbskultur ausgesetzt sind.

Das Forscherteam der Universität Exeter, Dr. Lauren Stentiford, Dr. George Koutsouris und Dr. Alexandra Allan, untersuchte die vorhandenen Forschungsarbeiten zur psychischen Gesundheit von Mädchen, die aus der von Fachleuten überprüften qualitativen Literatur zwischen 1990 und 2021 stammen. Sie fanden 11 Studien aus der ganzen Welt.

Mädchen anfälliger für psychische Probleme

Es gibt Hinweise darauf, dass ältere Mädchen im Teenageralter ein größeres Risiko haben, psychische Probleme zu entwickeln als Jungen, und die gefundenen Studien deuten darauf hin, dass psychische Probleme wahrscheinlich in irgendeiner Weise mit dem Druck zusammenhängen, in der Schule gute Noten zu erzielen.

Der gesellschaftliche Druck auf Mädchen, „gute“, „vielseitige“ und leistungsstarke Schülerinnen zu sein, hatte Auswirkungen darauf, wie Lehrer, Familien und Schüler Leistung und Druck verstehen.

Zukünftsängste; Bedürfnis nach „guter“ Zukunft und „Glücklichsein“

Viele Ängste konnten im leistungsbezogenen Zusammenhang auf Zukunftsängste zurückgeführt werden – insbesondere auf das Bedürfnis, eine ‚gute‘ Zukunft zu haben und ‚glücklich‘ zu sein. Dazu gehörten der Zugang zu einer ‚guten‘ Universität und die Sicherung eines hochrangigen und gut bezahlten Jobs.

Mädchen hatten das Gefühl, dass sie „versagt“ hätten und unglücklich wären, wenn sie in der Schule keine guten Noten bekämen und diese Ziele nicht erreichen könnten.

Sozioökonomische Schichten

Die soziale Schicht beeinflusste das Ausmaß, in dem Mädchen Ängste erlebten. Mädchen aus der Mittel- oder Oberschicht fühlten sich oft unter Druck gesetzt, den Ansprüchen ihrer Eltern oder Geschwister gerecht zu werden und deren erfolgreichen Karrieren und Lebensstilen nachzueifern.

Mädchen aus der unteren Mittelschicht oder der Arbeiterklasse hatten eher das Gefühl, dass ihre Eltern wollten, dass sie es besser machen als sie selbst, damit sie eine bessere Zukunft haben würden.

Ethnische Minderheiten

Einige Mädchen aus ethnischen Minderheiten schienen ein starkes Verantwortungsgefühl zu verspüren, gute schulische Leistungen zu erbringen, um ihre Eltern für die Opfer zu belohnen, die sie gebracht hatten – beispielsweise den Umzug ins Ausland, um Zugang zu einem „guten“ Bildungssystem zu erhalten.

Angstzustände und psychische Probleme

Wenn der schulische Leistungsdruck als extrem empfunden wird und ein „Ungleichgewicht“ entsteht, kann es zu Angstzuständen und psychischen Problemen kommen, die von relativ leichten und selbst zu bewältigenden Symptomen bis hin zu klinisch diagnostizierbaren Erkrankungen reichen. Faktoren, die dazu beitrugen, ein Gleichgewicht zu erreichen, waren gutes Essen und Schlafen, soziale Kontakte und eine ausgeglichene Perspektive.

Starker Wettbewerb unten den Mädchen

Das Gefühl des Wettbewerbs unter den Mädchen, mit den Leistungen der anderen mithalten zu können, trug ebenfalls dazu bei, insbesondere in reinen Mädchenschulen.

Die Forschung zeigte, wie der Wettbewerb in die Schulkultur eingebettet ist, unter anderem durch die Erwartungen der Lehrer, durch institutionalisierte Leistungssysteme und durch den oft starken Wunsch der Mädchen, ihre Mitschülerinnen zu übertreffen.

© Psylex.de – Quellenangabe: Educational Review (2021). DOI: 10.1080/00131911.2021.2007052




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